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Béla Réthy: ZDF-Kommentator von TV-Zuschauern böse abgewatscht

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ZDF-Kommentator, der polarisiert: Béla Réthy.

München - ZDF-Kommentator Béla Réthy polarisiert auch bei der EM 2016. Wir erklären, wie fies er bei unserem Voting abgewatscht wurde, wie ihn Medien-Kritiker sehen und porträtieren ihn.

Die Fußball-EM 2016 neigt sich dem Ende zu. Mehrere Dutzend Spiele sind über die TV-Leinwände geflimmert. Und jedes einzelne davon wurde von einem Kommentator oder einer Kommentatorin untermalt. Oft dachten sich die Fans "Der kommentiert aber gut" oder - nicht selten - das Gegenteil. Ja, TV-Experten und insbesondere -Kommentatoren - sind eines der heißesten Diskussionsthemen unter Fußball-Fans.

Zwei TV-Kommentatoren polarisieren dabei besonders: Marcel Reif und Béla Réthy. Während ersterer bei der EM nicht im Einsatz ist und sich schon vor dem Turnier in den Kommentatoren-Ruhestand verabschiedet hat, ist ZDF-Mann Béla Réthy in Frankreich mit dabei. Dass er das EM-Finale nicht kommentieren darf, dürfte bei Réthy für eine gewisse Enttäuschung sorgen. Aber die Sender hatten sich frühzeitig geeinigt, dass die ARD das Endspiel überträgt. Somit ist Réthy als ZDF-Mann aus dem Rennen. Als Kommentator fürs Finale ist Gerd Gottlob für das Erste im Einsatz.

Béla Réthy hat dafür das wohl zweitattraktivste Spiel der EM bekommen - und zwar das Halbfinale mit deutscher Beteiligung. Wenn das DFB-Team am Donnerstag auf Frankreich trifft, wird Béla Réthy seine Einschätzungen am Mikrofon kundtun.

Nicht jeder wird sich darüber freuen: Denn Réthy wurde von den TV-Zuschauern fies abgewatscht. Damit meinen wir nicht etwa die Twitter-Kommentare, die es - positiv wie negativ - zu jedem Kommentator gibt und die daher schwierig zu gewichten sind. Wir wollten es vielmehr genauer wissen und haben 22 TV-Köpfe zur Wahl gestellt: Drei Wochen lang (hier das erste Zwischenergebnis) konnten unsere User darüber abstimmen, wer seinen Job ihrer Meinung nach gut macht und wer nicht.

ZDF-Kommentator Béla Réthy bei Voting nur auf Platz 19 von 22

Ernüchterndes Ergebnis (Stand Dienstag Vormittag): Béla Réthy landete nur auf Platz 19 von 22. Nur von 5.900 Usern (gerundet) gab's einen Daumen hoch. Zum Vergleich: Der Voting-Sieger Mehmet Scholl bekam 10.000 Mal Zuspruch. Ein kleiner Trost für Herrn Réthy dürfte sein: Drei liegen noch hinter ihm, und zwar ARD-Kommentator Steffen Simon, ZDF-Fieldreporter Boris Büchler und ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann. Die Abstimmung läuft übrigens noch, Sie können gerne weiter voten.

WAZ lobt ihn: "Béla Réthy ist nach Reifs Abgang der Letzte seiner Art"

Unter vielen Kritikern kam Béla Réthy während der EM besser an, etwa bei der WAZ. "Béla Réthy ist nach Reifs Abgang der Letzte seiner Art" heißt es in dem Text der Kollegen. Was durchaus positiv konnontiert ist. "Unverwechselbare Originale am Mikrofon werden immer seltener. Nach dem Abgang von Marcel Reif ist Réthy nun der Letzte seiner Art. Die nächste Generation ist stromlinienförmiger – und daher austauschbar."

Die Rheinische Post hingegen stellte ihm nach dem Eröffnungsspiel ein vernichtendes Zeugnis aus: "Der französische Star-DJ Guetta, spottet Réthy, sei der Superstar der Großraum-Discos. Nun ja, vermutlich würde Guetta den ZDF-Kommentator als Superstar der Orientierungslosen bezeichnen. Réthy hat mal wieder 70 Prozent der Spielernamen vertauscht. Und er hat mit einer erstaunlichen Leichtigkeit immer wieder Dinge gesehen, die nur ein Réthy sehen kann." Nicht ohne Réthy auch ein Stück weit in Schutz zu nehmen. In Richtung der Shitstormer, die sich bei jedem Réthy-Einsatz auf ihn einschießen, meint die Zeitung: "Man kann durchaus Kritik anbringen, sollte allerdings niemals den Respekt verlieren. Genau damit haben manche Zeitgenossen allerdings so ihre Probleme." Gemeint war auch der Tweet eines Sportwettenanbieters, der den nötigen Respekt vermissen ließ.

Focus online analysiert die Tatsache, wie Réthy polarisiert, wie folgt: "Man liebt ihn – oder hasst ihn: Bei Béla Réthy scheint es kein Dazwischen zu geben. Dabei macht der Mann doch nur seinen Job. Sagt, was auf dem Spielfeld zu sehen ist, selbst wenn das ziemlich offensichtlich ist. Aber wer weiß, ob nicht irgendwo in Deutschland eine sehbehinderte Seniorin vor ihrem Röhrenfernseher sitzt und sich darüber freut, dass jemand 'Einwurf Island' sagt, während Island einwirft?"

Béla Réthy stammt aus Ungarn und ist seit 1977 beim ZDF

Am Donnerstag beim Halbfinal-Spiel Deutschland gegen Frankreich werden sich also wieder die Béla-Réthy-Befürworter und -Gegner vor den Schirmen und den Twitter-Accounts. Doch nur wenige kennen seine genaue Biografie.

Der 59-Jährige wurde als Béla-Andreas Réthy am 16. Dezember 1956 in Wien geboren. Er studierte Publizistik, Soziologie und Ethnologie an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz. 1977 begann er, beim ZDF zu arbeiten, wurde dort 1987 fest angestellt. Réthy war seit 1986 als Reporter bei allen Fußball-Weltmeisterschaften im Einsatz und saß natürlich auch bei Europameisterschaften am Mikro. Er kommentierte unter anderem die Endspiele von EM/WM 2002, 2004, 2010 und 2012. Zu den Preisen, die Réthy gewonnen hat, zählen der Herbert Award 2008 als bester Reporter.

Der ungewöhnliche Vor- und Nachname rührt von Béla Réthys ungarischer Herkunft. Seine Eltern verließen Ungarn kurz vor seiner Geburt, zogen zwischenzeitlich nach Brasilien. Im Alter von zwölf Jahren kehrte Réthy dann mit seinen Eltern nach Europa zurück.

Sein Privatleben hält Réthy aus der Öffentlichkeit heraus, hierüber gibt es keine aktuellen Informationen. Ist er verheiratet? Hat er Kinder? Im Internet findet sich dazu wenig, lediglich etwa ein zwölf Jahre alter Artikel der Berliner Zeitung, der die Fragen notdürftig beantwortet.

Am Donnerstag beim EM-Halbfinale wird Réthy also im ZDF wieder informieren und polarisieren. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Gegner zügeln. Und nicht vergessen, dass auch Réthy mit Respekt behandelt werden sollte. Oder wie Focus online in einer Kolumne titelt: "Dieses Netz-Mobbing ist einfach nur armselig".

Fußball-EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Stadien und Themenseite

In unserem Übersichtsartikel finden Sie alle Informationen zur EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Termine, Ergebnisse, Gruppen und Kurzporträts der Austragungsorte. Außerdem haben wir alle wichtigen Fakten und Hintergründe zu den Stadien der EM 2016 zusammengestellt. Und: Wir bieten Ihnen die wichtigsten Infos zum Kader von Deutschland bei der EM 2016. Alle aktuellen Nachrichten erfahren Sie außerdem auf unserer Themenseite zur Fußball-EM 2016 in Frankreich bei tz.de. Tipps zum Public Viewing in München gibt es hier, den Link zum Tippspiel unter tippkaiser.de.

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