Abwehrmann wird zu Löws Schlüsselfigur

Jogi, wohin mit Herrn Höwedes?

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Benedikt Höwedes schießt, Mario Götze staunt.

Evian - Deutschlands Abwehrkette im EM-Auftaktspiel gegen die Ukraine ist nach wie vor die große Unbekannte. Lässt Jogi Löw eine Dreier- oder Viererkette ran? Mit eher offensiver oder eher defensiver Ausrichtung? Zum Schlüsselspieler wird Benedikt Höwedes.

Für seinen Verein absolvierte Benedikt Höwedes in der Rückrunde gerade einmal drei Spiele, der FC Schalke musste lange Zeit auf die Dienste seines verletzten Kapitäns verzichten. Erst zweimal stand der 28-Jährige in diesem Jahr über 90 Minuten auf dem Platz, doch für den Bundestrainer ist er kurz vor dem EM-Auftakt plötzlich der wichtigste Mann. Mit dem Schalker legt Löw die Abwehr-Ausrichtung fest! Also, Jogi, wohin mit Herrn Höwedes?

Entscheidet Jogi sich wie im letzten Test gegen Ungarn (2:0) für den Schalker als Rechtsverteidiger, wählt er die defensivere Variante. Denn Höwedes ist hauptberuflich Innenverteidiger, zeichnet sich durch andere Stärken als den Vorwärtsdrang und gefürchtete Flankenläufe aus. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass Löw ihn nach der Verletzung von Antonio Rüdiger ins Zentrum zieht – dann wäre rechts der Weg für Joshua Kimmich oder Emre Can frei. Einen Plan gibt es bereits, nur verraten will Höwedes ihn noch nicht. Gestern unterhielt er sich beim Training länger mit Löw, vom Inhalt des Gesprächs wollte er allerdings wenig preis geben. „Das bleibt erstmal unter uns. Natürlich haben wir über gewisse Möglichkeiten gesprochen“, so der Abwehrmann, der alle Nachfragen schnell erstickte: „Es war ein guter Austausch zwischen Spieler und Trainer. Mehr sage ich dazu nicht.“

Wie plant Löw mit Höwedes? Die tz hat bei zwei ehemaligen Europameistern nachgehakt. Manfred Kaltz, Europameister 1980 und als Rechtsverteidiger aufgrund seiner „Bananenflanken gefürchtet“, spricht sich gegen den etatmäßigen Innenverteidiger auf außen aus. „Rechter Verteidiger ist die falsche Position für ihn. Da muss man spielerisch stark sein, vor allem für die Aktionen in der Offensive“, meint Kaltz. Und von denen erwartet er in der Gruppenphase reichlich, „die Gegner werden sich – mit Ausnahme von Polen vielleicht – hinten reinstellen“. Ähnlich sieht es Thomas Helmer. Der ehemalige FCB-Star hatte als Innenverteidiger 1996 großen Anteil am bislang letzten deutschen EM-Titel. „Ich denke, dass Löws Entscheidung immer auch vom Gegner abhängt. Benedikt wäre die defensive Lösung“, so der 70-malige Nationalspieler, der Kimmich gute Chancen auf einen Platz in der Start-elf einräumt. „Ich traue Joshua Kimmich diese Aufgabe zu. Er wäre die spielerische Variante und würde im Spiel nach vorne für mehr Offensivdrang sorgen“, meint auch Helmer und betont zugleich: „Das ist und bleibt unsere am schwierigsten zu besetzende Position.“

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Sven Westerschulze

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