tz-Analyse

Darum wird bei Müller gegen Frankreich der Knoten platzen

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Thomas Müller wartet weiter auf sein erstes Tor bei einer Fußball-EM. Platzt der Knoten gegen Frankreich?

München - Die tz zeigt, warum Thomas Müller im Halbfinale der EM gegen Frankreich der Platz im Sturmzentrum guttut – und warum er seinen Torknoten endlich platzen lässt.

Wer hätte vor wenigen Monaten noch gedacht, dass Mario Gomez im DFB-Team jemals schmerzlich vermisst werden würde. Jetzt tut sein Ausfall richtig weh – ausgerechnet im EM-Halbfinale! Durch die fehlende Wucht des Torjägers ist die deutsche Mannschaft einer wertvollen Offensivwaffe beraubt. Die Präsenz und die Durchschlagskraft des athletischen Angreifers hat die gegnerischen Abwehrreihen zuletzt regelmäßig auseinandergerissen. Diesen Job wird heute Abend wohl Thomas Müller übernehmen. Die tz zeigt, warum dem FCB-Star der Platz im Sturmzentrum guttut – und warum er seinen Torknoten endlich platzen lässt.

„Er ist der einzige, der die Rolle von Gomez nahezu identisch ausfüllen kann“, erklärt Alexander Schmalhofer: „Mit seinen 1,86 Meter ist er nur drei Zentimeter kleiner als Gomez und verfügt über eine ähnliche Präsenz im gegnerischen Strafraum.“ Wie wichtig diese gegen gut geordnete Abwehrreihen ist, bewies Gomez eindrucksvoll. Zwei Tore erzielte er in seinen drei Einsätzen, leitete dazu das 1:0 gegen Italien überragend ein. Vor allem im Strafraum zog er häufig mehrere Gegenspieler auf sich. Diese Aufgabe wartet nun auf Müller. „Als robuster Spieler hat er dann die Aufgabe, die Innenverteidiger zu binden und somit auch Räume für die eigenen Mitspieler zu schaffen. Ganz wichtig wäre, dass er die Position vorne zentral konsequent besetzt“, betont Schmalhofer im Gespräch mit der tz, wie die Mannschaft von Müller als Stoßstürmer profitieren kann. Doch auch der Münchner selbst könnte Nutznießer der neuen Situation werden. „Vielleicht kann er sich durch etwas weniger Laufwege auch mehr auf den eigenen Abschluss konzentrieren“, hofft der Leiter des Fachbereichs Spiel- und Taktikanalyse des Insituts für Fußballmanagement darauf, dass Müller endlich seine Torflaute beendet. „Er kann derjenige sein, der die Angriffe im Strafraum immer wieder abschließt.“

Alexander Schmalhofer ist der Leiter des Fachbereichs Spiel- und Taktikanalyse des Insituts für Fußballmanagement.

Eine wichtige Rolle wird auch wieder auf Toni Kroos zukommen. Im Gegensatz zu den Italienern, die im Angriffspressing extrem früh attackierten und dem deutschen Spielgestalter nur selten Raum zur Entfaltung ließen, greift die Equipe Tricolore den Spielaufbau des Gegners erst in der eigenen Hälfte an. „Es ist zu erwarten, dass die Franzosen im Mittelfeldpressing agieren. Das kann für das deutsche Team von Vorteil sein, weil es so sein perfektioniertes Positionsspiel aufziehen könnte“, glaubt der Taktikexperte. Denn während Kroos mit der Kugel am Fuß den Angriff einleitet, schieben sich die deutschen Außenverteidiger weit nach vorne. Die Flügelspieler rücken dabei ins Zentrum und sorgen mit Özil und dem zweiten Sechser für Überzahl in der Mitte. Der Fachmann des Ismaninger Instituts erklärt, warum diese Strategie so erfolgversprechend ist: „Durch viele Positionswechsel in der Mitte werden sich Räume ergeben, die Kroos mit seiner Spielintelligenz ausnutzen kann.“ Aber: Die Franzosen verteidigen sehr kompakt. „Kroos muss sich darauf einstellen, dass er verfolgt und unter Druck gesetzt wird, sobald er sich im Spielaufbau fallen lässt“, warnt Schmalhofer. Schließlich kann ein Kroos-Pass schon reichen, um es heute wieder müllern zu lassen.

Deutschland gegen Frankreich bei der EM 2016

Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie das Halbfinale Deutschland - Frankreich live im TV und Live-Stream sehen können. Neben einem Live-Ticker zum Halbfinale bieten wir einen Faktencheck sowie einen Blick auf die mögliche Aufstellung.

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