Nicht alle wollen vor Ort mitfiebern

Spielerfrauen vor Auftakt gegen Ukraine in Terror-Angst

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Ein Bild der Spielerfrauen-Tribüne bei der WM 2014.

München - Nach den Paris-Attentaten am 13. November 2015 ist nichts mehr, wie es einmal war. Auch nicht bei den Frauen, den Familien und Freunden unserer Nationalspieler. Viele kommen nicht zur EM nach Frankreich.

Eigentlich wollte der DFB in der Nähe des Basiscamps, dem Vier-Sterne-Hotel Eritage, Hotelzimmer oder Appartements reservieren, um die Familienangehörigen unter zu bekommen. Dazu ist es bislang aber nicht gekommen. Ein DFB-Mitarbeiter sagte der tz: „Es gibt bislang erst eine Anfrage, aber keine einzige Anmeldung. Offensichtlich ist die Unsicherheit bei den Freunden und Familien der Nationalspieler zu groß. Wir hoffen, dass sich das im Verlauf des Turniers ändert.“

Jerome Boatengs Familie wird nicht kommen. „Das Risiko ist mir einfach zu groß“, sagt Boateng. Zuletzt seien viele Dinge passiert, die einen nachdenklich machen. „Ich fühle mich einfach wohler, wenn meine Familie nicht im Stadion sitzt und ich mich voll auf meine Leistung konzentrieren kann.“

Da nutzt es auch nichts, dass der DFB für die Sicherheit der Nationalelf 800.000 Euro ausgibt. Auch für die Familien und Freunde hätte der Verband speziell geschultes Personal abgestellt. Aber noch ist die Angst bei einem Großteil der Spielerfrauen zu groß.

Es gibt aber auch Nationalspieler, die darauf vertrauen, dass die EM zu einem friedlichen Fußballfest wird. Die darauf hoffen, dass die rund 90.000 Sicherheitskräfte in den EM-Orten für die höchstmögliche Sicherheit sorgen werden. „Natürlich haben wir zu Hause über das Thema Sicherheit gesprochen“, sagte Weltmeister André Schürrle der tz, „selbstverständlich beschäftigt das einen. Aber ich habe da Vertrauen in den DFB. Deshalb wird meine Familie wieder mit dabei sein.“ Und auch die Angehörigen seiner Freundin Montana „werden aus Kanada nach Frankreich reisen“, berichtete der Angreifer aus Wolfsburg.

Allein in Paris sind 13.000 Sicherheitskräfte stationiert. Die Regierung hat bis nach dem Ende der Tour de France (2. bis 24. Juli) den Ausnahmezustand verhängt. Während die Stadien durch dreifache Sicherheitsringe und -kontrollen relativ gut zu schützen sind, bleiben die Fanfeste wie das in Paris unterhalb des Eiffelturms, wo rund 100.000 Besucher täglich feiern sollen, die „weichen“ Ziele, die nie in Gänze zu kontrollieren sein werden. Neben der Terrorgefahr beschäftigen den Staat zudem die drohenden Ausschreitungen unter Hooligans, die zu Tausenden versuchen, ins Land zu kommen. 15 der 36 Vorrundenpartien und damit 41 Prozent sind Risikospiele, darunter auch die deutschen Partien gegen Polen am 16. Juni im Stade de France und am 12. Juni in Lille gegen die Ukraine. Die deutsche Polizei schickt deshalb Beamte ins Nachbarland, die unterstützen sollen. Es ist eben nichts mehr, wie es einmal war.

Terror-App fürs Handy

Anschlagswarnung auf dem Handy: Die französische Regierung hat eine App vorgestellt, die Smartphone-Nutzer im Falle eines Anschlags warnt. Die kostenlose App informiert Handybesitzer mit einem roten Hinweis auf dem Bildschirm über einen Anschlag oder den Verdacht auf einen Anschlag in ihrer Nähe und gibt Verhaltenstipps. Nutzer können dazu die Standortübermittlung freischalten oder bestimmte Regionen eingeben. Die App „SAIP“ – die Abkürzung steht für Alarm- und Informationssystem für die Bevölkerung – gibt es auf Französisch und Englisch. Bei einem Anschlag wird binnen weniger Minuten ein Warnhinweis auf die Handys geschickt, bei dem Angaben über die Art des Vorfalls gemacht werden. Smartphone-Nutzer bekommen dann Verhaltensanweisungen: sich in Sicherheit bringen, andere warnen, den Anordnungen der Sicherheitskräfte Folge leisten – und nicht mehr den Notruf wählen, um eine Überlastung der Notrufzentrale zu vermeiden.

Fußball-EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Stadien und Themenseite

In unserem Übersichtsartikel finden Sie alle Informationen zur EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Termine, Ergebnisse, Gruppen und Kurzporträts der Austragungsorte. Außerdem haben wir alle wichtigen Fakten und Hintergründe zu den Stadien der EM 2016 zusammengestellt. Und: Wir bieten Ihnen die wichtigsten Infos zum Kader von Deutschland bei der EM 2016. Alle aktuellen Nachrichten erfahren Sie außerdem auf unserer Themenseite zur Fußball-EM 2016 in Frankreich bei tz.de. Tipps zum Public Viewing in München gibt es hier, den Link zum Tippspiel unter tippkaiser.de.

Thomas Gassmann

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