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DFB-Test: Das war gut und das muss besser werden

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Jubel beim Weltmeister Deutschland über den 2:0-Sieg gegen Ungarn.

Mit 2:0 hat die deutsche Nationalmannschaft den letzten Test vor Beginn der EM 2016 gewonnen. Einige Dinge liefen gut, andere haben noch Verbesserungspotential.

Das lief gut beim DFB-Test

Offensiv hat Löw die Qual der Wahl! Trotz des bitteren Ausfalls von Marco Reus sind die Offensiv-Positionen stark besetzt. Thomas Müller ist aus dem Team nicht wegzudenken und auf der rechten Außenbahn gesetzt. Auch Mesut Özil hat seinen Platz in der ersten Elf sicher, doch auf welcher Position? Normalerweise agiert der Regisseur hinter der einzigen Spitze, doch da schwankt Jogi Löw noch zwischen Mario Götze und Mario Gomez. Der Münchner ist im DFB-Dress kaum wiederzuerkennen und liefert regelmäßig gute Leistungen ab, seine Flexibilität tut der Offensive gut. Gomez dagegen ist ein reiner Mittelstürmer, doch seine Torjägerqualitäten sind gerade gegen die defensiv eingestellten Gegner gefragt. Wenn der Bundestrainer beide Marios in die Startelf integrieren will, könnte Özil wie in der zweiten Halbzeit auf Schalke ins defensive Mittelfeld rutschen und von dort aus Impulse geben. Auf dem linken Flügel setzt Löw auf Julian Draxler. Der Wolfsburger zeigte gegen die Slowakei und Ungarn vielversprechende Ansätze, wirkte ab und zu aber noch etwas übermotiviert.

Gomez scheiterte zunächst…

Toni Kroos ist in Top-Form! Mit dem Selbstbewusstsein des frisch gebackenen Champions-League-Siegers stieß Toni Kroos vergangene Woche zum DFB-Team dazu. Am Donnerstag absolvierte er die erste Trainingseinheit mit der Nationalmannschaft, am Samstag stand er schon in der Startelf – und aus der ist Kroos auch nicht wegzudenken. Der Star von Real Madrid ist beim Weltmeister der Taktgeber, lässt sich immer wieder fallen, um das Spiel aufzubauen. Der Mittelfeldstratege sorgt für die Struktur, öffnet mit seinen langen Pässen viele Räume und ist Initiator vieler Angriffe. Da seine Nebenleute Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind, wird Kroos für das Team noch wichtiger. Sollte Löw tatsächlich den offensiv ausgerichteten Özil auf die Sechs beordern, muss Kroos dazu auch noch das Gleichgewicht zwischen Angriff und Abwehr herstellen. Eine Aufgabe, um die sich sonst Schweinsteiger und Khedira kümmern.

EM 2016: Das lief beim Test gegen Ungarn nicht gut

… doch Müller besorgte den 2:0-Siegtreffer!

Löw muss noch auf zu viele Spieler verzichten! Dass Mats Hummels die Vorrunde insgeheim schon abgehakt hat, ist kein Geheimnis mehr. Wenn überhaupt, reicht es beim 27-Jährigen für das letzte Gruppenspiel gegen Nordirland, doch planen kann Löw mit ihm noch nicht. Als Ersatz steht Antonio Rüdiger parat. Der Roma-Legionär machte seine Sache gegen Ungarn ordentlich, doch für höhere Aufgaben empfahl er sich in seinen elf Länderspielen noch nicht. Auch im defensiven Mittelfeld plagen den Bundestrainer Personalprobleme. Bastian Schweinsteiger gab am Samstag zwar sein Comeback nach zweimonatiger Verletzungspause, doch für 90 Minuten reicht es beim Kapitän noch nicht. Auch er dürfte erst für die K.o.-Runde eine richtige Alternative werden. Das nächste Fragezeichen steht hinter Sami Khedira, der wie schon gegen die Slowakei auch beim 2:0-Sieg über Ungarn nur eine Halbzeit lang auf dem Platz stand. Die letzten drei Liga­spiele mit Juventus Turin verpasste er ebenso wie das italienische Pokalfinale. Löw sprach bei Khediras Auswechslung von einer „reinen Vorsichtsmaßnahme“, doch ähnlich äußerte sich der 56-Jährige zu Beginn des Trainingslagers auch über Marco Reus.

Der passende Rechtsverteidiger ist immer noch nicht gefunden! Nachdem Löw in Ascona und im Test gegen die Slowakei Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger getestet hatte, ließ er in Gelsenkirchen Benedikt Höwedes auf dieser Position ran. Dass der Schalker, ein hauptberuflicher Innenverteidiger, auch außen verteidigen kann, hat er als Linksverteidiger bei der WM 2014 eindrucksvoll bewiesen. Doch damals wie heute fehlen ihm die Qualitäten in der Offensive. Defensiv sorgt der 28-Jährige für Stabilität, doch Druck nach vorne kann er kaum entwickeln. Denkt Löw noch einmal um? Gut möglich, dass er doch Youngster Kimmich gegen die Ukraine ranlässt. Der hat zwar erst ein Länderspiel zu bieten, aber eben auch deutlich mehr Vorwärtsdrang.

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