Interview mit Federico Balzaretti

Ex-Profi: Italien eine Opatruppe? Das motiviert uns extra!

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Fiebert auch nach der aktiven Karriere mit der Squadra Azzurra: Federico Balzaretti weiß, wie Deutschland zu schlagen ist.

München - Beim überraschenden Sieg Italiens über die DFB-Auswahl im EM-Halbfinale 2012 war Federico Balzaretti einer der Protagonisten. Nun schaut er voraus auf das Wiedersehen.

Er stand auf dem Platz, als Mario Balotelli die deutsche Mannschaft im EM-Halbfinale 2012 mit einem Doppelpack aus dem Turnier schoss und darauf seine Muckis spielen ließ: Federico Balzaretti. Der Ex-Rechtsverteidiger der Squadra Azzurra, der 2015 seine Schuhe an den Nagel hing, stand in der Startelf. In der tz verrät der 34-Jährige, warum Italien auch diesmal auch im heutigen Viertelfinale (21:00 Uhr, live im TV und im Live-Stream) gute Karten hat gegen seinen Lieblingsgegner und was die Azzurri besonders heißt macht.

Signore Balzaretti, haben Sie das EM-Halbfinale 2012 noch in Erinnerung?

Balzaretti: Es war eines der besten Spiele meiner Karriere. Wir hatten den Sieg verdient, ohne Frage, aber ich sehe immer noch diese Hünen von Deutschen im Spielertunnel vor mir. Ich ahnte Schlimmes.

Kam dann aber anders.

Balzaretti: Sie haben sehr gut angefangen, dann haben wir Ende der ersten Hälfte direkt zwei Tore gemacht. Dieses Italien war eines der größten der Ära Prandelli.

Was ging Ihnen vor dem Spiel durch den Kopf?

Balzaretti: Wir haben an uns geglaubt, ein wenig Angst war aber auch dabei. Ist ja auch völlig normal. Nur so konnten wir ohne Arroganz spielen und die Partie bis ins kleinste Detail vorbereiten.

Mit Erfolg: Italien gewann 2:1 und zog ins Finale ein.

Balzaretti: Bellissimo! Es war ein historischer Triumph. Und hinzu kam, dass vor dem Turnier niemand auch nur einen Cent auf uns gesetzt hatte. Darauf haben wir gefeiert, so sehr, dass wir während der Vorbereitung auf das Endspiel schlecht schlafen konnten. Es ging bis vier Uhr morgens, und danach haben wir uns noch alle einen Teller Spaghetti zusammen gekocht.

Deutschland hat Italien bei einem großen Turnier noch nie geschlagen. Spielt das eine Rolle?

Balzaretti: Während des Spiels überhaupt keine, vor Anpfiff wird das der ein oder andere schon im Kopf haben.

Warum wackelt Deutschland immer gegen Italien?

Balzaretti: Ich weiß es nicht. Es kommen neue Spieler, neue Generationen, neue Stile - aber kein neues Ergebnis. Samstag hoffentlich auch nicht.

Hat sich Deutschland seit 2012 verändert?

Balzaretti: Nicht viel. Mich beeindruckt die Arbeit an der Basis in Deutschland, von der Jugend bis hin zur Nationalmannschaft. Die Ergebnisse begleiten sie und mir gefällt ihr Stil sehr. Über unsere Abwehr wird natürlich auch gesprochen, und ich würde sie für nichts in der Welt umtauschen, aber Boateng und Hummels sind auch bärenstark.

Hat Sie Deutschland bei der EM bislang überzeugt?

Balzaretti: Gegen die Ukraine haben sie mir gar nicht gefallen, dann haben sie sich gesteigert und die Slowakei zerlegt. Gegen uns wird es aber anders sein, das wissen sie und haben es auch bereits artikuliert.

Wovor sollte sich der Weltmeister denn nun in Acht nehmen?

Balzaretti: Vor der Organisation. Conte ist der beste Trainer der EM, mit ihm wirkt das Nationalteam fast so solide wie ein Klub.

In Deutschland wurde Italien dagegen als Opatruppe bezeichnet.

Balzaretti: Das gefällt uns, so wachsen wir über uns hinaus. 2012 war es auch so, als sie meinten, dass sie die meisten unserer Spieler nicht kannten. Glauben Sie mir: Das dringt bis in die Kabine durch und sorgt für einen Extraschub an Motivation.

Interview: Mirko Calemme

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