So besiegt DFB-Elf ihr Trauma

Fünf Taktik-Tricks gegen Angstgegner Italien

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Raus mit Applaus? Die DFB-Auswahl will am Samstag die Italiener nach Hause schicken.

Evian - Im neunten Anlauf will die DFB-Auswahl endlich ein Pflichtspiel gegen Italien gewinnen. Ein Taktikexperte zeigt fünf Kniffe auf, damit das am Samstag klappt.

Knaller? Kracher? Oder doch lieber Klassiker? Egal, wie man das ewige Duell zwischen Deutschland und Italien bezeichnet - im EM-Viertelfinale geht es am Samstagabend (21 Uhr, ARD und im Live-Stream sowie bei uns im Liveticker) um alles. Die beiden besten Mannschaften des bisherigen Turniers treffen in Bordeaux aufeinander, Jogis Jungs wollen den Traum vom Titel weiterleben. Dafür müssen sie aber endlich das tief verwurzelte Italien-Trauma besiegen. Noch nie konnte eine deutsche Mannschaft ein K.o.-Duell mit den Südeuropäern für sich entscheiden, doch das soll sich nun ändern.

Bundestrainer Jogi Löw freut sich auf "ein wahnsinnig brisantes Spiel" und will die Schmach für das bittere Halbfinal-Aus vor vier Jahren tilgen. Gemeinsam mit Alexander Schmalhofer, dem Leiter des Fachbereichs Spiel- und Taktikanalyse des Instituts für Fußballmanagement, zeigt die tz, wie die Italiener diesmal zu knacken sind.

Deutschland gegen Italien: Die Top-Elf der Spielerfrauen

Forsches Flügelspiel: "Mit den drei Innenverteidigern und ihrem Mittelfelddreieck machen die Italiener das Zentrum extrem dicht. Besonders die Außenspieler Draxler und Müller, die sonst eher stark einrücken, könnten auf dem Flügel bleiben - und dort mit den hochschiebenden Außenverteidigern Hector und Kimmich Überzahl schaffen."

Italiens Pressing kaltstellen: "Schließen die Italiener einen eigenen Angriff ab, bleiben sie im Angriffspressing. Gegen Spanien attackierten sie dann bereits am gegnerischen Strafraum und zwangen Ramos & Co. zu langen Bällen. Die Konsequenz: Die Spanier taten sich unglaublich schwer, ihr geliebtes Kombinationsspiel aufzuziehen. Damit die deutsche Mannschaft nicht die gleichen Probleme bekommt, muss sie versuchen, das Angriffspressing der Italiener auszuspielen. Dafür müssen entweder die beiden Sechser Kroos und Khedira tief stehen und absolute Passsicherheit ausstrahlen oder die deutsche Elf bedient sich gezielter Chipbälle, um die erste Pressinglinie zu überspielen. Ganz wichtig: Der Ball muss dann von einem Mittelfeldspieler behauptet werden, damit die eigenen Mitspieler nachrücken können."

Bundestrainer Joachim Löw.

Zentrum dichtmachen:"Elementar ist die vertikale Spieleröffnung der Italiener. Sie eröffnen das Spiel meistens durch flache oder hohe vertikale Zuspiele in die Halbräume oder direkt in die Spitze auf Pellè. Der behauptet den Ball und leitet ihn weiter. Anhand der Laufwege erkennt man ein klares Muster im Spiel durchs Zentrum. Italien leitete auch alle fünf Tore des Turniers durch das Zentrum ein. Um das italienische Aufbauspiel effektiv zu stören, sollte die deutsche Mannschaft den kontrollierten, vertikalen Pass unterbinden. Das heißt: Die Italiener schon sehr früh unter Druck setzen."

Konter rechtzeitig unterbinden: "Was gegen Spanien auffiel: Standen die Italiener tiefer, so versuchten sie nach Balleroberung in der eigenen Hälfte extrem schnell umzuschalten. Da die Spanier aufgrund ihrer Spielidee sehr weit aufrückten, gab es immer wieder Räume im Konterspiel. Auch Deutschland rückt im Ballbesitz sehr weit auf, um auch direkt wieder ins Gegenpressing zu gehen. Gegen die Italiener ist dabei äußerste Vorsicht geboten - einfache Fehler in der Spieleröffnung sind unbedingt zu vermeiden. Wichtig ist die Balance im Gegenpressing nach Ballverlust in der gegnerischen Hälfte."

Blitzschnelles Umschaltspiel: "In Ballbesitz rücken die Außenverteidiger nach vorne, auch die Halbraumspieler des Mittelfelds sind offensiv orientiert. Nach Ballverlusten in der gegnerischen Hälfte besteht deshalb ein erhöhtes Risiko, Lücken im Verbund zu hinterlassen. Im Turnier entstanden immer wieder gefährliche Kontersituationen, da die Italiener systembedingt im Umschaltspiel eher auf dem Flügel anfällig waren."

Sven Westerschulze

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