Hit-Potenzial sucht man vergebens

Offizielle und inoffizielle EM-Songs: Sex-Stars singen über Thomas Müller

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Melanie Müller und Micaela Schäfer geben alles, nur mit dem Singen will es nicht ganz so klappen.

München - Ein Großturnier steht an – das merkt man spätestens daran, dass ständig Fußballsongs laufen. Im Radio, im TV, im Internet. Wir haben uns die Hymnen zur EM 2016 angetan.

Die deutsche Nationalmannschaft sang von der WM 1974 (Fußball ist unser Leben) bis zur WM 1994 (Far away in America) – dann war Gott sei Dank Schluss. International allerdings gab es Stücke, die die Musikwelt bereichert haben. Unschlagbar ist in dieser Kategorie natürlich Football’s coming home von Baddiel, Skinner & Lightning Seeds zur EM 1996 – für viele bis heute die Mutter aller Fußball-Hymnen. Aber auch Força – von Nelly Furtado live bei der EM 2004 im Stadion vorgetragen – sollte unbedingt erwähnt werden.

„Ein guter Fußballsong muss stadiontauglich sein, also einfach mitzusingen und nicht zu platt, und er muss das Mitleiden und die Treue als Fußballfan prägnant und selbstironisch auf den Punkt bringen“, findet Philipp Köster, Chefredakteur des Magazins 11 Freunde. Was also sind die Hymnen zur EM in Frankreich? Die tz hat da hingehört, wo es (teilweise ziemlich heftig) wehtut…

Jeder für jeden von Herbert Grönemeyer und Felix Jaehn ist der offizielle EM-Song der ARD. Die Nationalspieler – wiewohl nicht zu hören – sollen immerhin ein Mitspracherecht gehabt haben. „Das ist das Beben Einer für alle Und alle eins mit Dir Jeder für jeden Das Versprechen Gemeinsam passierts“, heißt’s in dem Song. Er ist im echten Grönemeyer-Stil gehalten – ob das gut oder schlecht ist, bleibt jedem selbst überlassen.

Auch Österreichs Song wird wohl kein Hit

Das ZDF schickt Mark Forster mit Wir sind groß ins Rennen. Der Song hat überhaupt nichts mit Fußball zu tun, was der Interpret auch zugibt. Es gehe einfach um das Gefühl, einen schönen Sommer mit seinen Freunden erlebt zu haben. Forster singt: „Wir fliegen weg, denn wir leben hoch, gewinnen alles und gehen k.o., wir brechen auf, lass die Leinen los, die Welt ist klein und wir sind groß.“ Das Gute an dem Song ist: Er ist dermaßen Mainstream, dass man ihn spätestens zwei Monate nach der EM wieder vergessen hat.

Sex-Stars singen "Ab nach Frankreich"

Apropos zum Vergessen: Melanie Müller hat zusammen mit Stefan Stürmer und Micaela Schäfer Ab nach Frankreich ins Spiel gebracht. Zu sehen gibt’s viel Silikon, zu hören Zeilen wie: „Wir wollen ein T wie Tor von Tho-Tho-Thomas Müller“. Das Lied firmiert auch als Ballermann-EM-Song. Damit ist er hinlänglich kategorisiert.

Auch Österreich hat seine Mannschaft mit einem offiziellen ÖFB-Song ins Rennen geschickt. Das sind wir, heißt er, interpretiert und gesungen wird er von Mr. EAV Klaus Eberhartinger. Der Song hat tatsächlich eine schöne Intro, aber der Refrain? „Nie war es stärker, nie war es härter, nie war es besser – ja, das sind wir.“ Das ist nicht nur sprachlich schief, sondern klingt auch nicht. Schade…

Deshalb lieber komplett auf Kommerz setzen. Die UEFA hat ihren EM-Song bei David Guetta in Auftrag gegeben – der ist immerhin Franzose. Der wiederum hat sich die schwedischen Sängerin Zara Larsson (18) ins Tonstudio geholt. Herausgekommen ist This One’s For You – ein Open-Air-Disko-Song der irgendwie nach Ibiza klingt. Genau genommen aber wie jeder andere David-Guetta-Song. Heutzutage schwer vorstellbar, dass der 48-Jährige mal als angesagt und innovativ galt…

Alles schlecht sollte man meinen – weit gefehlt. Ein Song hat’s nämlich schon hoch in die Charts geschafft. Er heißt Will Grigg’s on fire und handelt vom gleichnamigen nordirischen Stürmer aus Wigan, der gerade Torschützenkönig in der dritten englischen Liga geworden ist. Wigan-Fan Sean Kennedy dichtete den 90er-Jahre-Hit Freed from desire um und stellte ihn ins Netz. Von dort schaffte er es ins Stadion und dann weiter zur Londoner Band Blonde. Mittlerweile steht Will Grigg’s on fire auf Platz sechs der britischen Download-Charts – vor Adele und Coldplay. „Der Song ist überall, wo ich hinkomme“, sagt der Stürmer selbst. Selbst seine Teamkollegen würden ihn permanent singen.

„Die Fans merken, was ins Stadion passt und lassen sich keine Quatsch-Hymnen mit irgendwelchen Marketingaktionen dahinter vorschreiben“, findet 11-Freunde-Chefredakteur Köster. Jogi Löw selbst hört übrigens am liebsten Sarah Connor und Rosenstolz. Über Nationalspieler sagt er: „Die hören Musik, die ich nicht lange ertragen könnte.“ Und dabei haben sie nicht mal EM-Songs auf der Playlist…

Fußball-EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Stadien und Themenseite

In unserem Übersichtsartikel finden Sie alle Informationen zur EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Termine, Ergebnisse, Gruppen und Kurzporträts der Austragungsorte. Außerdem haben wir alle wichtigen Fakten und Hintergründe zu den Stadien der EM 2016 zusammengestellt. Und: Wir bieten Ihnen die wichtigsten Infos zum Kader von Deutschland bei der EM 2016. Alle aktuellen Nachrichten erfahren Sie außerdem auf unserer Themenseite zur Fußball-EM 2016 in Frankreich bei tz.de. Tipps zum Public Viewing in München gibt es hier, den Link zum Tippspiel unter tippkaiser.de.

Bernd Brudermanns

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