Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson

Islands Erfolgsduo: Der Zahnarzt und ein "alter Schwede"

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Lars Lagerbäck (r.) und Heimir Hallgrímsson.

Paris - Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson sind das einzige gleichberechtigte Trainer-Duo der EM. Das ungleiche Paar ist der Garant des Erfolges.

Gegen Island zu spielen, ist so angenehm wie eine Wurzelbehandlung - das weiß niemand besser als Heimir Hallgrímsson, der Nationaltrainer der EM-Sensation. Hallgrímsson ist von Beruf Zahnarzt und mit seinem gleichberechtigten Kollegen Lars Lagerbäck das Duo hinter dem aufsehenerregenden fußballerischen Erfolg der kleinen Atlantikinsel.

"Meine Berufserfahrung hilft mir im Trainerjob", sagt Hallgrímsson. Die meisten Leute hätten ja Angst, wenn sie zu ihm kämen, er müsse auf jeden Patienten individuell eingehen. "Das ist im Umgang mit Fußballern ähnlich", meint er. Einen seiner Spieler hat er aber noch nicht behandelt, "und nein, ich habe auch keine Reisepraxis hier in Frankreich", sagt Hallgrímsson und lacht.

Seine Praxis in Heimay, einer der ständig von Vulkanausbrüchen bedrohten Westmännerinseln südlich von Island, leitet derzeit ein Kollege. Hallgrímsson hat ja auf dem Kontinent zu tun. Überhaupt hat er zuletzt nur noch einen halben Tag pro Woche dort gearbeitet, "um in der Übung zu bleiben". Wenn er im Sommer komplett von Lagerbäck übernimmt, lässt er seinen Beruf gänzlich ruhen.

Hallgrímsson (49) wird den "alten Schweden" vermissen. "Zusammen sind wir ein guter Coach", sagt er über den 67-Jährigen. Sie haben sich kennengelernt, als Hallgrímsson in England seine A-Lizenz erwarb. Als Lagerbäck Island im Herbst 2011 übernahm, wurde Hallgrímsson sein Assistent, nach der erst in den Play-offs verpassten Qualifikation für die WM 2014 rückte er zum Partner auf.

"Wir sind sehr unterschiedlich", sagt Hallgrímsson, sein Kollege sei eher konservativ. Der Jüngere, der stets ein schelmisches Grinsen im Gesicht hat, gilt als hervorragender Analyst, Mehmet Scholl würde ihn einen "Laptop-Trainer" nennen. Der Ältere setzt auf Grundsätze wie Eigenverantwortung, Wille und Zusammenhalt, die sich über Jahrzehnte bewährt haben - Lagerbäck spielte mit Schweden und Nigeria sechs große Turniere. "Er hat alles erlebt - auf und neben dem Platz", sagt Hallgrímsson.

Dessen Verdienst ist es, die Fans hinter die Mannschaft gebracht zu haben. Vor Heimspielen besucht er traditionell den Fanklub Tólfan (Zwölf) in einem Pub in Reykjavik, um die Anhänger über Startelf und Taktik zu informieren. Anfangs kam ein gutes Dutzend, inzwischen sind es mehr als 400 Leute. "Die Kultur hat sich verändert", sagt Hallgrímsson. Neben den Handballern sind nun auch die Kicker in.

Lagerbäck, der für seine Motivationsreden berühmt ist, riss die Spieler mit. "Vor einem Amateur aus Island hätten sie nicht denselben Respekt gehabt wie vor Lars", sagt Hallgrímsson. Doch auch der Ältere lernt vom Jungen, wenngleich Lagerbäcks Isländisch noch immer zu wünschen übrig lässt, wie Hallgrímsson schmunzelnd bemerkt. "Bei der Hymne bewegt er zwar seine Lippen", sagt er, "aber da kommen nur sehr seltsame Worte aus seinem Mund."

Lagerbäck erlebt trotzdem "einen der besten Momente" seiner Trainerkarriere. Nächster "Patient" des "alten Schweden" und seines Zahnarztes: England, im EM-Achtelfinale am Montag (21.00 Uhr/live im TV und Live-Stream) in Nizza.

Das war Islands Kult-KOmmentar beim Österreich-Spiel

sid

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