DFB-Verteidiger im Interview

Boateng: Darin sind mir die Italiener voraus

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Zählt schon jetzt zu den Gewinnern des Turniers: Jerome Boateng glänzt in Frankreich mit herausragenden Leistungen.

Evian - Jerome Boateng hat nicht nur auf dem Platz einen großen Sprung gemacht. Der DFB-Verteidiger geht in Frankreich voran. Im Interview spricht er auch über Privates.

Jerome Boateng spielt bislang eine herausragende EM und ist einer der Garanten dafür, dass die DFB-Elf als einziges Team noch ohne Gegentor ist. Vor dem Viertelfinal-Kracher gegen Italien am Samstag (21 Uhr, bei uns im Liveticker) spricht der Abwehrchef über seine neue Rolle in der Mannschaft und seine private Seite.

Herr Boateng, Sie sind Kabinen-DJ. Muss man sich diesen Titel verdienen?

Jerome Boateng: Die Jungs sagen meistens, dass ich mich um die Musik kümmern soll. Aber es läuft nicht immer nur mein Handy, manchmal auch das von Mario Götze oder dem ein oder anderen aus unserem Betreuerstab.

Welche Klänge bringen den Weltmeister in Fahrt?

Boateng: Wir hören ziemlich alles: RnB, HipHop, wir haben nach einem Spiel auch schon mal Viva Colonia gehört. Manche Jungs hören auch auf Kopfhörern ihre eigene Musik, Toni Kroos zum Beispiel. Aber das ist nicht schlimm, das mache ich beim FC Bayern manchmal auch. Ich kann nicht immer die spanische oder brasilianische Musik von Rafinha hören (schmunzelt).

In Deutschland bestimmen Sie nicht die Musik, aber die Schlagzeilen. Bekommen Sie das mit?

Boateng: Ja, ich bekomme schon einiges mit. Nicht alles, aber vieles.

Alles an Ihnen wird aufgegriffen.

Boateng: Es ist schön, wenn man etwas Positives über sich liest. Es dreht sich dabei ja auch um Dinge wie Musik oder Schmuck. Ich bin aber hier, um Fußball zu spielen.

Macht sich diese Popularität auch in Ihrem Umfeld bemerkbar?

Boateng: Klar merke ich, dass es inzwischen mehr Nachrichten gibt. Vor allem bei Turnieren. Da läuft das Handy nach Spielen deutlich heißer als nach Partien in der Bundesliga.

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Würden Sie der Bezeichnung "bester Abwehrspieler der Welt" widersprechen?

Boateng: Ich bin nicht derjenige, der das zu beurteilen hat. Ich kann immer nur versuchen, gute Leistungen zu bringen und mich weiter zu verbessern. Im Moment läuft es gut, aber ich weiß auch, wie schnell es in die andere Richtung gehen kann.

Schwächen sucht man bei Ihnen vergeblich…

Boateng: Ich habe auch Schwächen. Aber die werde ich nicht verraten (lacht). Man kann sich immer verbessern. Die italienischen Abwehrspieler haben zum Beispiel ein besseres Stellungsspiel als ich. Die sind über Jahre taktisch besser geschult.

Ihr Vater sagt, Sie seien nicht der lauffreudigste Spieler.

Boateng (lacht): Ja, vielleicht hat er recht - zumindest wenn der Ball nicht in der Nähe ist. Auf dem Platz mache ich jeden Meter, aber was er damit meint, bezieht sich auf das Training. Vorbereitung, Laktattest - da gibt es Spieler, die das weitaus lieber machen als ich.

Zum ersten Mal bei einem Turnier sind Sie als Innenverteidiger gesetzt. Eine weitere Bestätigung Ihrer Klasse?

Boateng: Als ich neu in die Nationalelf gekommen bin, konnte und wollte ich keine Ansprüche stellen. Ich war jung und froh, dass ich überhaupt spielen durfte. Rückblickend muss ich sagen, dass mir die Erfahrungen als Außenverteidiger geholfen haben. Nicht nur beim DFB, auch in den Vereinen wie bei Bayern und dem HSV. Ich habe gelernt, gegen kleine und wendige Stürmer zu spielen.

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat gesagt, es wäre ein "tolles Symbol", wenn ein dunkelhäutiger Spieler wie Sie irgendwann zum Kapitän der Nationalelf aufsteigen würde.

Boateng: Ich habe schon mal gesagt, dass es eine Riesenehre für mich wäre. Es wäre was Besonderes, ich möchte das auch nicht erzwingen. Aber klar, es wäre ein Zeichen.

Evian ist ein recht stiller Ort. Werden Sie hier trotzdem häufig erkannt?

Boateng: Ja, denn ich sitze immer im gleichen Cafe. Die Leute erkennen mich auch und fragen nach Autogrammen oder Fotos, aber dann lassen sie mich auch in Ruhe. Sie wissen, dass ich Zeit für mich und meine Familie haben möchte.

In dieser Woche scheint die Sonne, Ihre Mitspieler können endlich die Sonnenbrillen tragen, die Sie ihnen vor der EM geschenkt haben.

Boateng: Die sind bis jetzt gut angekommen (lacht). Ich habe viele Kollegen gesehen, die sie an den freien Tagen getragen haben. Sie scheinen ihnen zu gefallen. Kritik habe ich noch nicht gehört, vielleicht trauen sie sich aber auch einfach nur nicht.

Hat sich Alexander Gauland eigentlich getraut, sich für seine Aussagen über Sie persönlich zu entschuldigen?

Boateng: Nein, das ist für mich gerade aber auch überhaupt kein Thema. Ich weiß nicht, ob da nach der EM noch was kommt. Aber nach so einer Aussage nehme ich ihn als Politiker auch nicht mehr ernst.

Aufgezeichnet von Sven Westerschulze

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