Reaktionen auf Viertelfinal-Einzug

Löw nach souveränem Sieg: "Jetzt kommen andere Kaliber"

Lille - Deutschland steht im EM-Viertelfinale, aber alle wissen: Die dicken Brocken kommen erst noch! Die Reaktionen nach dem deutlichen Sieg.

Nächster Halt: Viertelfinale! Praktisch im Vorbeigehen hat die deutsche Mannschaft am Sonntag die Slowakei im EM-Achtelfinale aus Lille gefegt. Zum ersten Mal im laufenden Turnier münzten Jogis Jungs ihre drückende Überlegenheit auch mal in Tore um und legten der Kozak-Truppe drei Eier ins Nest, jeweils eines von Jerome Boateng, Mario Gomez und dem überragenden Julian Draxler. Jogi Löw zufrieden: „Wir hatten immer die Kontrolle über das Spiel.“ In der Tat.

Chancenausbeute war das Keyword vor der Partie in Lille. Doch was tun, wenn die Stürmer vorne nicht treffen? Richtig, einfach mal Verteidiger draufhalten lassen. Boateng zum Beispiel. Die Wade der Nation war gerade noch fit geworden und ließ nach acht Minuten direkt mal einen raus. Ecke Özil, Skriniar klärt zu kurz und Boateng fackelt nicht lange. Abgezogen, abgefälscht, abgeschossen. „Ich bin froh, dass er rein ist, wurde ja auch Zeit“, grinste er. Einen Dank an Mull & Co. gab’s auch. Fürs Fitmachen, versteht sich.

Und keine fünf Minuten später hätte das Ding eigentlich auch schon durch sein können. Skrtel zog Gomez etwas zu doll am Dress, Schiri Marciniak zeigte auf den Punkt, doch Kozacik wollte noch nicht heim und kratzte Özils Schuss aus der rechten Ecke. War aber egal. Die deutsche Mannschaft machte weiter mit Einbahnstraßenfußball in Richtung Slowaken-Kasten und nahm die Defensive vor allem mit Kimmich über rechts und dem bärenstarken Götze-Ersatz Draxler über links ein ums andere Mal auseinander. Nur ins Tor wollte es eben nicht, das Bällchen. Weder bei einem Abschluss von Özil (24.), noch bei einem Kopfball von Müller (27.), der immer noch auf ein Erfolgserlebnis bei einer EM wartet.

Und was geschieht, wenn man vorne nachlässig agiert? Man wird hinten bestraft. Aber nur dann, wenn man keinen Manuel Neuer im Kasten stehen hat. Der Schlussmann, der bei der EM bislang in etwa so viel zu tun hatte wie der Friseur von Arjen Robben, glänzte aus dem Nichts mit einer Glanztat nach einem Kucka-Kopfball (41.). Draxler war das eine Chance zu viel. Der Wolfsburger, der in der Zwischenzeit zu einer Mischung von Tsubasa Ozora (der Superfußballer aus den japanischen Mangafilmen) und Zinedine Zidane (der Superfußballer aus Frankreich) mutiert war, zauberte sich über links durch und servierte Gomez das zweite Tor auf dem Silbertablett. Gomez ließ sich nicht zweimal bitten: 2:0.

Der auf die Bank verbannte Götze dürfte die Draxler-Party wohl mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen haben, der Moment des deutschen Messi schlägt aber bekanntlich eh erst im Finale. Und Draxler? War mittlerweile in einer anderen Sphäre. Ecke Kroos, Kopfball Hummels und Zidane-Volley des Ex-Schalkers ins Glück (63.). 3:0.

Ein halbes Stündchen war zu diesem Zeitpunkt noch zu spielen, Jogi Löw war mit seinem Kopf aber bereits im Viertelfinale. Einmal Benedikt Höwedes für Boateng ins Spiel, für Zinedine Draxler kam Lukas Podolski und für den erneut etwas blassen Sami Khedira kam in der Schlussphase noch Bastian Schweinsteiger, anders als gegen die Ukraine reichte es diesmal aber nicht für ein Tor. Und jetzt? „Kommen andere Kaliber“, so Löw. Spanien oder Italien. Die beiden Gespenster. Neuer: „Das sind zwei Hochkaräter. Aber es ist auch unangenehm, gegen Deutschland zu spielen.“ Nach dem Spiel am Sonntag allemal…

lop, sw

Die Stimmen im Überblick

Joachim Löw (Bundestrainer, im ZDF): "Wir hatten immer die Kontrolle über das Spiel und haben den Ball gut laufen lassen. Es war ein ungefährdeter Sieg. Normalerweise ist Jerome Boateng immer nur zur Absicherung eingeteilt, aber den Ball nimmt er natürlich überragend. Es war ein super Auftakt. Diese 'eine' Mannschaft gibt es nicht. Ich weiß nicht, wer im nächsten Spiel spielt. In den nächsten Spielen müssen wir gucken - dann kommt mit Italien oder Spanien ein anderes Kaliber. Die Spanier sind der leichte Favorit aber Italien ist zu allem fähig und kann den Spaniern heftige Gegenwehr leisten. Für mich ist er Ausgang offen."

Jan Kozak (Trainer Slowakei): "Die Deutschen sind eine Turniermannschaft. Sie wissen, wann sie aufdrehen müssen. Wir müssen den Deutschen ein Kompliment aussprechen. Sie haben exzellent gespielt, ein frühes Tor erzielt. Wir haben uns aufgelehnt, ihnen aber keine Probleme bereiten können. Hätten wir den Ausgleich erzielt, wäre das ein anderes Spiel geworden. Aber die Deutschen waren in voller Fahrt. Es war dennoch ein hervorragendes Turnier für uns, wir hatten vier Spiele."

Jerome Boateng (im ZDF): "Ich bin froh, dass er reingegangen ist. Ich habe gesagt, ich hebe mir das erste Tor für das Turnier auf. Ich freue mich aber besonders für die Mannschaft, die sehr gut gespielt hat. Die Ärzte und Physios haben alle Vollgas gegeben, sonst hätte ich heute nicht spielen können. Die Wade ist am Ende etwas fest geworden, es war eine Vorsichtsmaßnahme."

Mario Gomez (im ZDF): "Es ist nie leicht. Die Flexibilität, die wir in den letzten zwei Spielen hatte, ist genial. Das ist ein schöner Moment, ich will gar nicht zurückdenken. Ich freue mich, dass mir die Mannschaft vertraut. Nach hinten verteidigen wir sehr, sehr gut. Es macht Riesenspaß. Unser Ziel ist der Titel, deshalb müssen wir diese Nationen schlagen."

Julian Draxler (im ZDF): "Ein sehr schöner Tag für mich und die Mannschaft. Ich habe im Training Vollgas gegeben, dass ich da bin. Ich hoffe, dass ich im nächsten Spiel wieder ran darf. Italien und Spanien sind Riesen-Fußball-Nationen, wir sind gespannt, wer der Gegner wird."

Manuel Neuer (im ZDF): "Es war wichtig, mit einem 2:0 in die Pause zu gehen. Ich bin froh, dass wir das so zustande gebracht haben. Gegen die Mannschaften, gegen die wir gespielt haben, durften wir uns keine Fehler erlauben."

Oliver Bierhoff (DFB-Teammanager im ZDF): "Wir haben heute keine Schwächen gezeigt, die Räume genutzt und Tore gemacht. Es hat bisher mit den Einwechslungen hingehauen, das ist sehr wichtig in einem solchen Turnier. Die gute Abwehrarbeit ist natürlich sehr wichtig, wir sind von Spiel zu Spiel gewachsen und effizienter geworden. Spanier oder Italien das wird ein anderer Test."

Reinhard Grindel (DFB-Präsident im ZDF): "Die Entscheidung für Julian Draxler war richtig. Favorit waren wir ja fast schon vor dem Turnier, jetzt geht es richtig los. Im Viertelfinale spielen wir gegen eine Mannschaft, die ist auch Mitfavorit. Wir haben eine tolle Innenverteidigung. Es gibt heute nichts zu beklagen."

Marek Hamsik (Slowakei): "Es ist schon schade, so klar zu verlieren. Aber wenn ich auf die gesamte EM samt Qualifikation zurückblicke, können wir schon stolz sein. Sie hatten sehr viel Ballbesitz, wir wollten kontern, aber mehr als eine Chance sprang dabei nicht heraus."

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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