UEFA, Brauerei und Co.

tz-Kolumne: Die wahren Gewinner und Verlierer der EM 2016

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Einen Monat lang dauerte die EM 2016 in Frankreich.

Paris - Die EM 2016 ist vorbei. Doch wer sind eigentlich neben Portugal und der UEFA die wahren Gewinner und Verlierer dieses Turniers? Darüber schreibt Rainer Kalb in seiner tz-Kolumne.

Das muss man sich bildlich vorstellen. Frankreichs größter Hauslieferant von Pizzas hat während der EM-Heimspiele der Equipe Tricolore zwischen 18 und 23 Uhr in jeder Sekunde – Sekunde! – fünf Pizza-Bestellungen gehabt. Macht 115.000 pro Abend – ein Zuwachs von 70 Prozent zum normalen Geschäft. Kronenbourg, ein Brauer, dessen Gebräu nun wirklich nicht zu den besten Europas gehört, hat im EM-Zeitraum 40 Millionen Liter mehr als normal verkauft. 

Die Euro 2016 war für Frankreich ein Segen. Ersten seriösen Schätzungen zufolge ist das Bruttosozialprodukt dank ausländischer EM-Touristen und einheimischer Spielbesucher um 1,27 Milliarden Euro gewachsen. Das sind zwar nur 0,5 Prozent, aber für Frankreich zählt jedes Zehntel. Allerdings haben sich die Sicherheitskosten nach den Anschlägen vom 13. November entgegen den ursprünglichen Planungen verdoppelt; in Bordeaux beispielsweise von zwölf auf 24 Millionen Euro. Frankreichs Trikothersteller Nike will keine Verkaufszahlen nennen; es wird mit 300.000 bis 600.000 spekuliert. 

Die Hotels in Nizza und Lille melden eine Buchungsquote von 90 Prozent. In Nizza waren die Hotels an Spieltagen zu 100 Prozent ausgebucht, in Lille zu 95, schlimmer als bei einer Etappe der Tour de France in der Provinz. Die maroden Stadien wurden für 1,7 Milliarden Euro renoviert oder neu gebaut, von denen 775 Millionen direkt der EM zuzurechnen sind. Die Konsequenz: Der Stadionbesuch ist im letzten Jahr bei Ligaspielen schon um 15 bis 20 Prozent gestiegen. Auch das dürfte in den nächsten Jahren, wie in Deutschland nach 2006, ein Wirtschaftsfaktor bleiben. 

Allerdings beklagt Frankreich auch einen Steuer-Ausfall von 150 bis 200 Millionen Euro. Egal ob UEFA, FIFA oder IOC – sie vergeben keine Spiele, wenn sie nicht abgabenfrei davonkommen. Immerhin hat der viel gescholtene Michel Platini dafür gesorgt, dass die Städte erstmals eine Stadionmiete von der UEFA erhielten. Außerdem: Es wurden 26.000 (Teilzeit)-Arbeitsplätze geschaffen. 

Großer Gewinner aber sind neben der UEFA, die mit einem Plus von fast zwei Milliarden aus dieser EM geht, die Sponsoren. Sie schöpfen 50 Millionen ab, ohne sie in Frankreich zu versteuern.

tz-Kolumnisten vertreten ihre von der Redaktion unabhängige Meinung. Rainer Kalb im Internet unter www.gazetta24.de.

Apropos Gewinner und Verlierer: Drei Deutsche wurden in die offizielle EM-Elf gewählt - und gleich drei Bayern-Stars in die Flop-Elf.

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