SCHWERE AUSSCHREITUNGEN IN MARSEILLE

England und Russland ausschließen: Schläger raus?

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In Marseille sind russische und englische Hooligans aufeinander losgegangen.

Lille - Die Forderung ist naheliegend, aber auch populistisch, die Aussperrungspraxis rechtlich umstritten. Das gesamte Turnier würde in Schieflage geraten. Ein Kommentar von Merkur-Reporter Günter Klein.

Update vom 19. Juni 2016: In der Gruppe B trifft Russland auf Wales. Hier erfahren Sie, wie Sie das letzte Gruppenspiel zwischen Wales und Russland live im Free-TV und im Live-Stream anschauen können.

Update vom 15. Juni 2016: Gareth Bale gegen England: Hier erfahren Sie, wie Sie das zweite Spiel der Gruppe B, England gegen Wales, am Donnerstag live im Free-TV und im Live-Stream verfolgen können.

Vieles an England ist großartig und unverzichtbar im Fußball. Wir zählen mal auf: Der englische Verband, die FA, kuscht nicht vor der FIFA (im Gegensatz zum DFB). Die Nationalmannschaft hat den höchsten Unterhaltungswert aller EM-Teams, auch in einer Zeit nach Wayne Rooney wird es Spieler geben, die in Puffs Autogramme hinterlassen und mit Haarverpflanzungen tagelang die Nachrichtenlage bestreiten. Man hat sogar den alten Trainer Roy Hodgson liebgewinnen können, den Fußball-Weisen Gary Lineker mag man sowieso. Und, jetzt sind wir schon bei fünftens: Englands Fans sind klasse. Wie sie singen können – und was: „God Save the Queen“. Das hat Stil.

Viele Fans von der Insel haben ihn, eine beträchtliche Anzahl jedoch hat ihn nicht. Die vergangenen Tage in Marseille haben gezeigt, dass in England der Gewalttourismus wieder floriert. Die Jagd-, Prügel- und Zerstörungsszenen erinnern an Charleroi 2000. Vor sechzehn Jahren war während der EM die belgische Stadt belagert gewesen von Engländern – gekommen, um Krieg zu spielen. Nun sind sie in Südfrankreich eingefallen. Es ist erschreckend zu sehen, dass sich nichts geändert hat.

Fußball ist nicht ihr Primär-Interesse

Hooliganismus war damals auch schon hässlich, jedoch besser verkraftbar. Die Polizei konnte sich der damit verbundenen Probleme annehmen, weil es keine anderen gab. Der Gedanke, islamistischer Terror könnte Leib und Leben der Teilnehmer an einer Sportveranstaltung gefährden, war im Jahr 2000 und in noch schlimmerer Fußballgewalt-Zeit davor einfach nicht existent. Nun muss alle Kraft der Absicherung eines Sportfestes gegen einen Angriff von außen gelten – das mitzutragen, sollte ein Anliegen aller sein, die nach Frankreich kommen. 

Zu überleben ist auch das Interesse von Chaoten. Wer die Sicherheitskräfte mit seinem Krieg beschäftigt, sorgt aber für Schwächung an anderen Stellen. Was die Problematik verschärft: Auch in östlicheren Teilen Europas hat sich eine Hooligan-„Kultur“ etabliert. Fans aus Russland und Polen kommen mit Kampfsportlern, Ex-Militärs, Türstehern. Nur zu bereitwillig sind sie auf die von den Engländern initiierte Randale eingestiegen. Fußball ist nicht ihr Primär-Interesse.

Forderung nach Ausschluss ist naheliegend

Man muss nicht so sein, wie sie sind. Waliser und Iren, hier bei der EM vertreten, entstammen dem gleichen (Fußball-)kulturkreis wie die Engländer, sie sind nicht Belastung, sondern Bereicherung. Zu erwähnen auch, welch schönes Entree die Albaner hatten.

England, Russland ausschließen? Die Forderung ist naheliegend, aber auch populistisch, die Aussperrungspraxis rechtlich umstritten, das gesamte Turnier würde in Schieflage geraten. Die UEFA muss halt drohen. Man wünscht sich in den betroffenen Ländern mittel- und langfristig einfach mal einen Aufstand der Anständigen – und aktuell den Teams England und Russland von ganzem Herzen den fünftbesten dritten und letzten Gruppenplatz bei der EM.  

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