Wohin entwickelt sich der Sport?

Terrorangst: Die EM als Wegweiser

+
MM-Redakteur Günter Klein.

München - Die freie Welt wird erleichtert sein, wenn es am 10. Juli einen Europameister gibt und niemand zu Schaden gekommen ist. Man wird jedoch Bilanz ziehen müssen, ob der Aufwand zur Absicherung eines Sportfestes - nicht nur bezüglich der Kosten - noch vertretbar ist.

Der Sport, mit dem wir aufgewachsen sind, ist in Gefahr. Er selbst hat sich in Frage gestellt durch Doping, Korruption. Doch er wird auch von außen angegriffen. Früher galt: Während Olympia haben die Waffen weltweit zu schweigen, und eine Fußball-WM war Konsensprogramm, ungeachtet von Weltanschauungen. Und heute? Ist nichts gefährdeter als eine Sport-Großveranstaltung. Vom Friedenskonvent zur Zielscheibe.

Die Europameisterschaft 2016 in Frankreich bestimmt darüber, wie der große Sport sich entwickeln wird. Gelingt es ihm, trotz massiver Bedrohungslage die Atmosphäre zu schaffen, die die Menschen mit einem sommerlichen Fußballfest verbinden? Viele sind jetzt wieder Fans, sie wollen den Fußball erleben wie immer, im Stadion, beim Public Viewing. Die wichtigste Frage soll sein: Gewinnen wir? Nicht: Sind wir in Gefahr?

Ist der Aufwand zur Absicherung eines Sportfestes noch vertretbar?

Die freie Welt wird erleichtert sein wie wohl nie zuvor, wenn es am 10. Juli einen gefeierten Europameister gibt und am 11. Juli in Paris die Bilanz gezogen werden kann, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Dann aber wird man bewerten müssen, ob der Aufwand zur Absicherung eines Sportfestes noch vertretbar ist – nicht nur von den Kosten her. Wird man dem Wesen des Sports als schöner Nebensache noch gerecht? Was ist eine unbeschwerte Ausnahmezeit noch wert, wenn wir dafür den Ausnahmezustand in Kauf nehmen müssen?

Seit 2001 herrscht Nervosität. Die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City lagen näher an Nine-Eleven als die Fußball-EM 2016 am 13. November 2015. Vor 14 Jahren ist der Sport mit der Bedrohung durch Terror fertiggeworden – allerdings galt er nicht als konkret, sondern allenfalls abstrakt gefährdet. Das hat sich geändert. Sport erfährt keine Rücksichtnahme mehr. Er fühlt sich jetzt anders an als der Sport, den wir kannten.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Hamburger SV gegen Werder Bremen: So sehen Sie die Bundesliga heute live im TV und im Live-Stream
Hamburger SV gegen Werder Bremen: So sehen Sie die Bundesliga heute live im TV und im Live-Stream
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"

Kommentare