Deutschlands Nummer 1 im tz-Interview

Neuer: "Die EM kann auch ohne Titel erfolgreich sein"

+
Fokussiert: Neuer ist die klare Nummer eins im Tor des DFB-Teams.

Ascona - Manuel Neuer ist die unumstrittene Nummer 1 in der deutschen Nationalmannschaft. Im Interview spricht er über die Aussichten bei der EM und den Test gegen Ungarn.

Joachim Löw sieht die Nationalmannschaft nach dem Trainingslager in der Schweiz voll im EM-Plan und bereit für den Vorbereitungsendspurt. „Grundsätzlich sind wir auf einem guten Weg“, sagte der Bundestrainer am Freitag in Ascona. In den zehn Tagen in der Schweiz sei es gelungen, fast alle Spieler auf ein Niveau zu bekommen. „Die Mannschaft hat sehr fokussiert gearbeitet“, sagte Löw vor seinem fünften Turnier als Chefcoach. „Umso näher es zum Turnier geht, umso mehr steigt die Spannung.“

Keiner hat seinen Platz in der Startelf so sicher wie Manuel Neuer. Der Welttorhüter ist die unumstrittene Nummer eins beim Weltmeister und auch in Frankreich auf dem Weg zum Titel wieder gefordert. Im tz-Interview spricht der Keeper des FC Bayern über das Turnier, die Erwartungshaltung und den letzten Test gegen Ungarn (live im TV und im kostenlosen Live-Stream).

Herr Neuer, das Trainingslager ist beendet. Hat es seinen Zweck erfüllt?

Manuel Neuer: Für mich war es ein sehr gutes Trainingslager, trotz des nicht immer schönen Wetters. Wir haben unter besten Bedingungen trainiert, die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut. Die Voraussetzungen stimmen für eine gute EM.

Neuer: "Ungarn ist der wichtigste Test des Jahres"

Welche Rolle spielt nun das Testspiel am Samstag gegen Ungarn?

Wir spielen gegen einen EM-Teilnehmer. Der ein oder andere Spieler will sich noch einmal dem Bundestrainer zeigen. Es ist wichtig, jetzt die möglichst beste Formation auf dem Platz zu haben, um sich einzuspielen. Das ist der wichtigste Test des Jahres für uns.

Es deutet sich an, dass Jo­shua Kimmich als Rechtsverteidiger getestet wird. Wie sehen Sie ihn?

Ich finde es sehr positiv, wie er seine Rollen annimmt. Er ist trotz seines jungen Alters selbstbewusst, hat keine Angst und hat bei großen Spielen tolle Leistungen gezeigt. Dass er sehr mutig ist, hat man gerade zuletzt noch im Pokal-Finale gesehen. Es ist gut, dass wir in ihm einen flexiblen Spieler haben. Ich vertraue ihm zu 100 Prozent und habe ein gutes Gefühl. Er ist sehr bodenständig trotz des Trubels.

Die Abwehr wirkte zuletzt nicht sicher. Liegt da der Schlüssel zum Erfolg?

Grundsätzlich ist es für ein Turnier wichtig, eine stabile Defensive zu haben. Daran arbeiten wir. Wir probieren noch verschiedene Systeme, um zu sehen, was am besten zu uns passt. Aber auch unser Anlaufverhalten muss besser werden. Die Slowaken hatten zum Beispiel viel zu viel Zeit, um ihre Pässe zu spielen.

Wann würden Sie die EM als Erfolg bezeichnen?

Unser Ziel ist natürlich der Titel. Für mich ist aber auch wichtig, wie wir auftreten, wie wir den deutschen Fußball repräsentieren. Wir haben eine sehr erfrischende Mannschaft, die einen guten Fußball spielen kann. Die aber nicht vergessen darf, defensiv zu denken. Grundsätzlich kann man auch gegen starke Mannschaften ausscheiden. Ich konnte zum Beispiel das Champions-League-Aus gegen Atlético Madrid akzeptieren, weil es einfach so gewollt war. Wir haben uns gut verkauft, klasse Fußball gespielt. Das war keine Schande für den Verein. Daher können wir durchaus eine erfolgreiche EM spielen, auch wenn es am Ende nicht zum Titel reicht.

Viele haben Zweifel nach der holprigen Qualifikation.

Das hatte doch Gründe. Jeder wollte den Weltmeister schlagen. Wir mussten uns neu ordnen, neue Spieler integrieren. Das Turnier kann man nicht mit einer Qualifikation vergleichen. Eine deutsche Mannschaft kann sich immer auf den Punkt vorbereiten. Wenn wir über einen längeren Zeitraum zusammen sind und gut arbeiten, dann haben wir uns anschließend immer gut präsentiert.

Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels gehen angeschlagen ins Turnier.

Es ist wichtig, dass nur 100 Prozent fitte Spieler auf dem Platz stehen, damit sie voll leistungsfähig sind und so der Mannschaft helfen können. Ich denke nicht, dass es Spieler gibt, die so egoistisch sind und nicht ehrlich zu sich und dem Team sind.

Weitere Interviews mit Nationalspielern

Auch mit Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller haben wir schon Interviews geführt. Während der DFB-Kapitän über sein Comeback-Vorhaben sprach, äußerte sich der Offensivmannzu seiner Rolle als Spaßmacher im Kader von Jogi Löw.

Fußball-EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Stadien und Themenseite

In unserem Übersichtsartikel finden Sie alle Informationen zur EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Termine, Ergebnisse, Gruppen und Kurzporträts der Austragungsorte. Außerdem haben wir alle wichtigen Fakten und Hintergründe zu den Stadien der EM 2016 zusammengestellt. Und: Wir bieten Ihnen die wichtigsten Infos zum Kader von Deutschland bei der EM 2016. Alle aktuellen Nachrichten erfahren Sie außerdem auf unserer Themenseite zur Fußball-EM 2016 in Frankreich bei tz.de.

auch interessant

Meistgelesen

Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer

Kommentare