Unzufriedenheit nach schwacher Leistung gegen Polen

Özil vs. Boateng: Jetzt kracht's im deutschen Team

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Uneins: Jerome Boateng (l.) und Mesut Özil.

Evian - Jerome Boateng und seine Kritik an der Offensive beim 0:0 gegen Polen – die meisten seiner Kollegen zollten dem Abwehrboss für seine klare Ansage Respekt. Aber nicht alle. Jetzt kracht's im deutschen Team.

Andre Schürrle gestand seinem Mitspieler die offenen Worte zu, Manuel Neuer wollte ebenfalls nicht widersprechen. Warum auch? Die fehlende Entschlossenheit im Angriff war für jedermann ersichtlich, auch Jogi Löw hatte die Mängel im Offensivspiel seiner Mannschaft erkannt. Nur einer interessierte sich für Boatengs Weckruf herzlich wenig. „Das ist seine Meinung“, raunzte Mesut Özil in der Mixed Zone, als er mit den Aussagen seines Kollegen konfrontiert wurde, und antwortete süffisant in Richtung des Abwehrchefs: „Er weiß ja, wie man vorne spielt…“ Nach der Nullnummer kracht‘s beim Weltmeister!

Unmittelbar nach Abpfiff hatte Boateng seine Mannschaft für das ideenlose Offensivspiel gegen die Polen kritisiert und in den kommenden Partien eine andere Einstellung gefordert: „Sonst kommen wir nicht weit.“ Auch später in den Katakomben bewahrte der Abräumer des FC Bayern seine Haltung. „Wir hatten vorne zu wenig Bewegung. Das geht nicht. Wenn man gegen so tief stehende Mannschaften spielt, muss man mehr Laufwege finden“, betonte der 27-Jährige erneut, nahm aber das gesamte Team in die Pflicht: „Da muss auf jeden Fall mehr kommen, dafür ist die ganze Mannschaft verantwortlich.“ Die eingeschnappten Aussagen Özils konterte er souverän, als die tz ihn darauf ansprach: „Um diese Kritik äußern zu können, muss ich nicht vorne spielen. Das hat jeder gesehen. Aber das ist auch keine Kritik an Mesut, sondern an der ganzen Mannschaft.“

Die hatte am Donnerstagabend gegen die erwartet starken Polen mehr Mühe als erwartet. Lewandowski & Co. dominierten zwar nicht, hatten aber die klar besseren Chancen im Stade de France. „Wir können froh sein, dass das Spiel 0:0 ausgegangen ist“, sagte Boateng ehrlich und Mario Gomez ergänzte: „Wir haben uns sehr schwergetan.“ Die Defensive zeigte sich im Vergleich zum Spiel gegen die Ukraine stark verbessert. „Mit der Abwehr war ich sehr zufrieden“, meinte Löw. Das war es dann aber auch mit dem Lob. Denn im Spiel nach vorne lief wenig zusammen. „Wir haben uns relativ wenig Torchancen herausgespielt“, befand der Bundestrainer und ging gleich in die Analyse: „Das Problem war unser gesamtes Spiel im letzten Drittel. Da haben wir häufig das Tempo nicht erhöht, sondern rausgenommen.“ So hatten die gut organisierten Polen immer wieder genug Zeit, sich hinter dem Ball zu formieren. Auch für Neuer war die Abteilung Attacke zu harmlos. „Wir sind nicht einmal in Überzahl gewesen vorne, auch nicht in Gleichzahl. Da war es schwierig für uns“, erkannte der Welttorhüter und bemängelte darüber hinaus eine weitere Schwäche – die Standards. „Dass wir da so ungefährlich waren, ist schon ein bisschen traurig. Wir überlegen uns ja vor dem Spiel auch einige Dinge, die konnten wir aber nicht umsetzen.“

Gegen die Nordiren muss Löw sich etwas einfallen lassen, denn die Überraschungsmannschaft der Gruppe C wird auch sehr kompakt auftreten. Gomez drängt in die erste Elf, seine Wucht und seine Präsenz würden dem Weltmeister gegen die dicht gestaffelten Abwehrreihen gut tun. Götze blieb gegen Polen weitgehend blass, die Taktik von Löw mit einem wendigen Angreifer gegen die großgewachsenen Abwehrleute Glik und Pazdan ging nicht auf. Fazit: „Uns hat in der ganzen Offensive die Durchschlagskraft gefehlt.“ Mal sehen, ob sie bis Dienstag zurückkehrt…

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Sven Westerschulze

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