Mehr Spieltempo, mehr Räume

Taktikanalyse: So klappt's gegen das nordirische Bollwerk

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Mario Gomez (r.) könnte gegen die Nordiren eine Option für das Sturmzentrum sein.

München - Gegen Nordirland wartet auf die deutsche Nationalelf wieder ein Abwehrbollwerk. Wie können Jogis Jungs dieses überwinden? Ein Taktikexperte gibt Tipps, wie es funktionieren könnte:

Viel wurde diskutiert über die harmlose Offensive des Weltmeisters gegen Polen. Jerome Boateng sprach die fehlende Power im Angriffsspiel offen an, auch Manuel Neuer und Jogi Löw waren mit den Offensivaktionen alles andere als zufrieden. Das Hauptproblem: Zu wenig Tempo, um Lücken in eine gut gestaffelte Abwehr zu reißen. Mit Nordirland wartet am Dienstag wieder ein Gegner, der auf eine kompakte Defensive setzt. Um die zu knacken, müssen Jogis Jungs deutlich agiler als zuletzt agieren. Bitte mehr Bewegung!

Alexander Schmalhofer vom Institut für Fußballmanagement.

„Auch die Nordiren werden erstmal auf die Sicherung ihres eigenen Tores bedacht sein, tief stehen und hinten teilweise mit einer Fünferkette agieren. Davor positioniert sich ein kompaktes Dreiermittelfeld, in das sich situativ auch noch ein Angreifer fallen lässt. Insofern wird die DFB-Elf oftmals gegen eine 5-4-1-Formation anrennen müssen“, hat Alexander Schmalhofer den nächsten Gegner für die tz unter die Lupe genommen. Wieder einmal wartet ein Bollwerk auf die deutsche Elf, wieder muss sie Lücken finden. Der Weltmeister braucht neue Lösungen. Schmalhofer zeigt mögliche auf. „Es wird vor allem auf das offensive Eins-gegen-Eins ankommen. Dabei ist es enorm wichtig, dass sich die deutschen Offensivspieler bei der Ballan- und -mitnahme bereits in einer offenen Stellung befinden, um das Tempo des Passes direkt aufzunehmen“, sagt der Leiter des Fachbereichs Spiel- und Taktikanalyse des Instituts für Fußballmanagement und erklärt in der tz warum: „Wenn sie mit Geschwindigkeit auf den Gegenspieler zudribbeln, wird dieser gezwungen zu reagieren. Dann ergeben sich Räume für den Mitspieler oder den Ballführenden selbst.“

Doch nicht nur die offensive Mittelfeldreihe des Weltmeisters ist für mehr Zug zum Tor verantwortlich. „Auch Toni Kroos könnte seine Rolle offensiver interpretieren, um seinen perfekten tiefen Pass nicht nur in die Schnittstelle des Mittelfelds, sondern auch der gegnerischen Viererkette zu spielen“, meint der Taktik-Experte und deckt die Nachteile der nordirischen Mauertaktik auf. „Das hat zur Folge, dass sie die äußeren Mittelfeldräume häufig nicht besetzen können. Dort wird es für die deutsche Mannschaft Räume für kontrollierte Hereingaben in den Strafraum geben“, prophezeit Schmalhofer (s. Abbildung rechts). Dann muss aber auch der Strafraum besetzt sein – vorzugsweise mit Angreifern, die Flanken verwerten können. Chance für Mario Gomez? „Er würde immer mindestens zwei Verteidiger auf sich ziehen. Und Thomas Müller könnte situativ als zweite Spitze immer wieder um ihn herum mit allen Freiheiten für Verwirrung sorgen“, glaubt der Fachmann des Fußballinstituts. So schlecht wie manch anderer Experte hat er den Auftritt des DFB-Teams gegen Polen nicht gesehen. „Die Mannschaft hat es ja durchaus geschafft, ins vordere Drittel einzudringen. Das zeigt, dass die grundlegende Spielidee funktioniert“, meint Schmalhofer und sieht den Optimierungsbedarf „weniger im mannschaftstaktischen, sondern mehr im individualtaktischen Bereich.“ Ein wenig frischer Wind könnte für mehr Tempo reichen...

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Sven Westerschulze

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