Deutschland siegt gegen Nordirland

TV-Kritik: Ey Reif, geh mal arbeiten

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Das Sportschau-Team Opdi und Scholli.

Paris - Bei der TV-Übertragung von Deutschland gegen Nordirland bei der EM fiel vor allem Mehmet Scholl positiv auf. Tom Bartels dagegen verirrte sich heillos.

Unser Spiel gegen Nordirland hat zahllose Fragen aufgeworfen: Verkraftet es Wirrwarr-Tommy Bartels mental, dass zwei Jungs auf dem Platz stehen, die „Mario G.“ heißen? (Antwort vorab: Nein). Was hat Joshua Kimmich mit Nordkorea-Pummel Kim Jong-un zu schaffen? Wie hindern wir Grönemeyer am Singen? Und ist Wolfsburg-Trainer Dieter Packing als Experte zu Gast, um die nordirische Packing-Rate zu analysieren? Wir versuchen, Fragen zu beantworten und teilweise Licht ins finstere Dunkel zu leuchten.

Wie war Scholl? Nicht so schlecht. Vor allem hat er den Zusehern seinen neuen Fetisch erspart, der ihn massiv erregt, das Packing. Es war über weite Phasen eine Packing-freie Übertragung, dafür kann man dem Packing-Weltbotschafter gar nicht dankbar genug sein. Seine wichtigsten Informationen: „Nordirland macht Aua“ und „Ein Franzose hat mich in diesem Stadion aufgeschlitzt“. Sagen wir so: Es gibt Experten, bei denen erfährt man deutlich mehr über das Spiel (Servus, Herr Meijer!), aber unterhaltsamer als Mehmet ist keiner.

Sang Grönemeyer? Ja, aber gottlob erst im späten Spätprogramm. Sein EM-Lied „Jeder für jeden“ versetzt das Land ja seit Wochen in Furcht und Schrecken, und ist bei iTunes mittlerweile auf Platz 743 vorgeprescht. Grönemeyer war mit seinem Partner Felix Jaehn, offenbar einem jungen Elektronik-Musikanten mit steiler Frise, zu Gast im Ersten. Die Deutschen seien „geschmeidig und spielverliebt, früher waren wir ja eher die Schlepper“. Nach Sky-Darling Thomas Hayo war das erneut ein schlagender Beweis, dass fachfremde Prominente vor einem Fußballspiel irrsinnig lästig sind.

Hat Opdenhövel schlaues Zeug erzählt? Geht so. Opdi ist halt Opdi, und macht seinen Job innerhalb seiner Grenzen recht anständig. Er hoffte, dass die Deutschen „clever und smart statt Fix und Foxi“ spielen. Viel amüsanter war aber ARD-Reporter Jens Ottmann, der über Josh Kimmich wusste: „Das ging schnell: Joshua Kimmich, vor 21 Jahren geboren, jetzt bei der EM dabei.“ Mensch, sie werden so schnell groß! Normalerweise dauert es nach so einer Geburt ja 40, 50 Jahre, bis man reif für eine EM ist.

Hat Delling gedichtet? Oh ja, und wie! Der ARD-Hoteltester reimte im Anbieder-Talk mit Bierhoff über die Jogi-Taktik: „Der Plan ist gemacht, er ist gut durchdacht.“ Da wusste man als Zuschauer: „Wenn der Delle dichtet, ist der Gegner beinah schon vernichtet.“

War Tom Bartels schlimm? Nö, er war schlimmer. Der ARD-Konfusius verbreitete mysteriöse Weisheiten wie diese: „Mario Götze zieht’s auch in die Mitte. Er verteilt sich in den Räumen rund um Mario Götze.“ Raumverteiler Bartels referierte nicht über Kimmich, sondern über „Kim ich“, offenbar pflegt er eine Leidenschaft für Nordkorea. Der Claudius Neumann vom Ersten erzählt grundsätzlich das, was man als Zuschauer auch von selbst sieht: „Es geht heute um den Gruppensieg.“ Ach, wirklich? Das klang ungefähr so wie: „Wenn’s morgen nicht regnet, bleibt’s trocken.“ Schlimm, wie verächtlich er Nordirlands Will Grigg als „unterklassigen Fußballer“ abqualifizierte. Und wie er sich beömmelte, als der Linienrichter den Ball in die „Eier, wir brauchen Eier“ bekam. Das hätte man auch nie gedacht, dass man mal Steffen Simon vermisst. Entscheidende Frage: Warum lungert Marcel Reif am Sat.1-Ballermann rum? Die ARD hat einen Job zu besetzen. Ey, Reif, geh mal arbeiten!

Plus & Minus: EM-Schmankerln am Rande

Plus: Marcel Reif fühlt sich am Sat.1-Ballermann im Freizeitpark Rust sichtlich nicht wohl, analysiert aber weiterhin brillant. Erkenntnis am Montagabend: „Das Turnier ist aufgebläht – aber nicht um die Waliser, sondern um die Russen.“

Minus: Wie kommen eigentlich die Teams von ARD und ZDF von den Spielorten ins Hauptquartier nach Évian? Antwort: Sie fliegen luxuriös mit dem Privatjet. Das fand die FAZ heraus, die über „Anstalts-Airways“ spottet.

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