tz-Kolumnist Jörg Heinrich

Vorrunden-Fazit: Neues aus der Fußball-Anstalt

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Zweimal Daumen nach oben: Oliver Welke (l.) und Oliver Kahn haben sich als Expertenduo locker für das Achtelfinale qualifiziert.

München - Die Gruppenphase der EM 2016 ist beendet. Zeit für das erste Zwischenfazit. tz-Kolumnist Jörg Heinrich fällt sein ultimatives Urteil über Kommentatoren und Experten.

Jetzt aber amtlich. Nach Abschluss der EM-Vorrunde veröffentlicht die tz-Stiftung Fernsehtest ihr ultimatives Urteil. Ist Katrin Müller-Hohenstein der Poldi vom Zweiten? Und war es ein Fehler, vier Tage lang Marcel Reif nicht zuzuschauen? Hier die Noten aus dem Fernseh-Testlabor.

Oliver Welke: Überragender Testsieger. Kann mit seinem Kahn als Alleinunterhalter auf jeder Fete auftreten, allerdings zu zweit. Titel ihrer EM-Comedy: Neues aus der Fußball-Anstalt. Bei den Ollis fliegen die Gags hin und her wie früher die Fäuste bei Bud Spencer und Terence Hill. Patschpatschpatsch. Außerdem hält Welke angenehmen Abstand von Schland-Hysterie. Nennt Jogi deshalb gern "Herr Löw". Dass es am Ende nur um Fußball geht, um ein ebenso hübsches wie unwichtiges Spiel, hat seit Marcel Reif niemand mehr so großartig vermittelt. Testnote: sehr sehr gut

Oliver Kahn: Wäre doch gelacht, wenn der Drucktitan ab Herbst nicht neben Welke als Sidekick bei der "Heute-Show" sitzt. Nur beim Fußball sind die beiden verschenkt. Beim hölzernen, steifen Kahn von Usedom 2012 muss es sich um einen anderen Titan gehandelt haben als beim Locker-Olli von 2016. Als ihn Welke als "Mädchen" verspottet, weil es Kahn im Studio zu kühl ist, beißt er nicht mal mehr zu. Der Titan als Mensch. Testnote: sehr gut

Katrin Müller-Hohenstein: Von der Usedomina 2016 zur Ergänzungsreporterin 2012. In Usedom hat das Meer geplätschert, nun plätschert sie in Évian vor sich hin. Sie ist der Poldi vom Zweiten und freut sich, dass sie auch noch da sein darf. Unterschied: Poldi ist gut für die Stimmung. Testnote: ausreichend

ZDF-Kommentatoren: Ach, ZDF - im Studio seid ihr grandios, im Stadion dubios. Béla Réthy ist, trotz Statistikfimmel, noch der Beste, dank solcher Bonmots: "Das Battle of Britain war bisher eine Kissenschlacht." Die Rumpel-Kommentatoren Oliver Schmidt und Claudia Neumann gehören dagegen dem Orden zur heiligen Einfalt an. Bei ihm wird das Stadion zur "Stierkampfarena", wenn Spanien spielt. Und bei ihr sind Österreicher "Alpenkicker". Der Rest ist Schweigen - leider nicht. Testnote: noch ausreichend

ARD-Kommentatoren: Seit dem Messepokalfinale 1967 zwischen Racing Reykjavík und Atlético Allach kommentieren Gerd Gottlob, Tom Bartels und Steffen Simon sämtliche Fußballspiele im Ersten - zumindest fühlt es sich so an. Man nimmt sie hin wie den Besuch der Schwiegermutter oder die Steuererklärung. Hilft ja nix, muss ja. Testnote: ausreichend

Reinhold Beckmann: Eigentlich könnte Beckmanns Sportschule manchmal sogar lustig sein. Würde da nicht Reinhold Beckmann mit seinem "Habt ihr das gesehen, was für ein doller Hecht ich bin?"-Gesicht durch Malente schlurfen. Trotzdem ist man neugierig, was Tim Wiese wieder mit Bestatter Patschinksi zu schnacken hat. Eine Sendung wie Unfall-Gaffen: Man schaut unwillkürlich hin. Und danach schämt man sich. Testnote: mangelhaft

Marcel Reif: Hat sich am Sat.1-Ballermann so wohl gefühlt wie eine evangelische Religionslehrerin im Leierkasten. Er musste während der Sendungen viel ans Schmerzensgeld denken, das ihm Sat.1 überweist. Das hielt Reif aber nicht davon ab, brillante Analysen abzuliefern. Ein Jammer, dass ihm dabei keiner zugesehen hat. Testnote: gut

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