EM-Experten unter Beobachtung

TV-Kritik: Starke Vorstellung von Effe

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Effenberg und Bommes, im Hintergrund Delling.

München - In seiner TV-Kritik schreibt Jörg Heinrich über den Fußballexpertenmarkt, Entertainer Mehmet Scholl und das ARD-Unglück.

Tolle Nachrichten für Andrea Nahles! Die Arbeitslosigkeit geht im Juni voraussichtlich um stolze 3,9 Prozent zurück – und das nur wegen des Job-Booms auf dem Fußballexpertenmarkt. ARD und ZDF, Sport1 und Sat.1, ermöglichen bei der EM Heerscharen von Ex-Fußballern und Ex-Trainern erstmals wieder eine geregelte Arbeit. Die Opposition kritisiert allerdings die kurzfristige Natur der Maßnahmen. Alwine Pökeldorfer-Schlattmann, fußballexpertenpolitische Sprecherin der Grünen: „Nach der EM sind all diese Menschen wieder sich selbst überlassen.“ Das Nahles-Ministerium verweist dagegen auf Weiterbildungsmaßnahmen. Ein Teil der Experten soll im Bereich Wurftaubenschießen qualifiziert werden, um bei Olympia in Rio als Wurftaubenschießexperten arbeiten zu können. Hier die neuesten Nachrichten vom Expertenmarkt.

Stefan Effenberg: Aus der zweiten Liga abgestiegen, ins Erste Deutsche Fernsehen aufgestiegen – es läuft wieder für Effe, der die Tattoos und das Ego von Ibrahimovic analysieren durfte. Mit beiden Themen kennt er sich aus. Der resozialisierungswillige Effe kam im Büßergewand – Dreiteiler, Krawatte, allerdings untenrum Jeans. Vielleicht hat er ja gemeint, er ist vom ZDF engagiert, und darf sitzen. Alex Bommes gab sich dermaßen verliebt, dass Claudi am Fernseher vor Eifersucht grün wurde. „Ich freue mich total auf den Tag mit diesem Mann!“, jubelte der ARD-Ranwanzer. Einige Dialoge waren lustig. Zum Beispiel, als Effe erklärte: „Den Gegner musst du erstmal in Schacht halten.“ Darauf Bommes: „Hommage ans Ruhrgebiet!“ Insgesamt aber eine überraschend starke Vorstellung von Effenberg, der clever analysierte. Eigentlich ein Gewinn für jeden Sender – wenn Effe nur nicht Effe wäre, und wenn man nicht ständig diese schlimmen Bilder vom Oktoberfest im Kopf hätte, von der Brunftzeit mit Claudi.

Mehmet Scholl: Deutschlands Lieblings-Experte bleibt ein brillanter Unterhalter – zum Beispiel, wenn er über das legendäre Schweini-Solo vom Ukraine-Spiel spöttelt: „Notfalls wäre Müller-Wohlfahrt da gewesen, um ihn zu reanimieren.“ Scholl läuft aber zunehmend Gefahr, sich auf seinem Talent als Entertainer auszuruhen. Taktisch, analytisch, bieten ein Meijer oder ein Metzelder auf Sky längst mehr, sind näher dran am aktuellen Fußball. Dass Scholl Belgiens Topstar Romelu Lukaku „nicht mehr live gesehen hat, seit er 18 war“, also seit fünf Jahren, spricht nicht für seinen Arbeitseifer. Der eine oder andere Besuch in der Premier League würde Mehmet guttun. Nachdem die ARD nun so gut wie alle Fußball-Liverechte verloren hat, hat er ja bald Zeit dafür.

Reinhold Beckmann: Auch in der zweiten Ausgabe seines psychedelischen Wirrwarr-Schnacks aus der Sportschule Malente traf ARD auf LSD. Ein entrückt wirkender Beckmann begrüßte Christoph Daum und Hans Meyer mit den Worten: „Schön, dass Ihr da seid, hier im Bernsteinzimmer des deutschen Fußballs. Ich liebe Euch alle.“ Selbst Meyer wunderte sich, wie das ARD-Unglück passieren konnte: „Ich dachte, man hat Malente nach der WM 1974 eingeebnet. Aber es lebt, es steht.“ Und das ist schade. RTL II würde über „Beckmanns Sportschule“ sagen: „Kinder, das können wir nicht senden, das ist zu krank. Lasst uns lieber was Seriöseres machen. Wie wär’s, wenn Micaela Schäfer nackt im Duett mit Costa Cordalis singt, und dabei mit ihren Glocken im Takt bimmelt?“

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