Zaster-Olli und der Radebrecher

TV-Kritik: Wer verdient zu viel, wer nicht? Der Check

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Oliver Kahn.

München - In seiner TV-Kritik widmet sich tz-Kolumnist Jörg Heinrich der Gagen-Debatte beim öffentlich-rechtlichen EM-Rundfunk - und analysiert, wer überbezahlt ist und wer nicht.

Hallo, wir sind’s wieder, die sympathischen Jungs vom tz-Controlling! Wir sind ja ständig auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten – bei uns selber, aber auch bei anderen. Zum Beispiel beim ZDF. Viele fragen sich: Muss es unbedingt Oliver Kahn sein, der Ferrari unter den Experten, das absolute Luxusmodell, die Druck-Granate aus Karlsruhe? Könnte das Zweite nicht auch mit einem soliden Mittelklasse-Fußballerklärer auskommen, mit einem Experten-Opel wie Didi Hamann, oder gar mit einem Analyse-Dacia wie Olaf Thon? Um das zu beurteilen, haben wir am Freitag auf unserem tz-Röhrenfernseher beim Belgienspiel genau hingeschaut.

Oliver Welke: Also wenn ein einziger Mensch im deutschen Fernsehen NICHT überbezahlt ist, dann ist es Oliver Welke. Der Kost-Westfale aus Bielefeld kann ja vom Kahn-Gehalt nur träumen. Viele nennen die beiden schon „Der arme und der reiche Olli“. Hallo, ZDF: Egal, was Welke bekommt – gebt ihm ne Gehaltserhöhung! Oder richtet ein Sendenkonto für ihn ein. Herrlich, wie er über den galoppierenden Unfug vor dem Italienspiel spottete: „Wir sind vertraglich verpflichtet, am Tag vor einem deutschen Spiel wild und haltlos herum zu spekulieren.“ Und wie er sich über Kahns „Konjunktivfestival“ amüsierte. Trotzdem drücken natürlich beide Ollis die Daumen, dass der bisher einzige deutsche Elfmeter-Versager bei einer EM – Mesuli Hoezil (Foto) – heute keine Gesellschaft bekommt.

Oliver Kahn: Zaster-Olli hatte Goldstaub im Haar, die Flasche Shampoo soll 28 000 Euro kosten. Aber er kann sich’s leisten. Mehmet würde sagen: Der Olli-Garch ist als Experte ein Statussymbol für alle, die ein Statussymbol brauchen. Aber er macht einen sehr guten Job, vor allem dank Welke. Kahn zum Spar-Olli über die mutmaßliche Jogi-Aufstellung: „Das könnte ein Bluff sein.“ Darauf Welke: „Meinst du, er lügt?“ Prächtig, die beiden. Wobei das soziale Gefälle im Fußball natürlich überdeutlich wurde. Denn der belgische Trainer kann vom Kahn-Honorar auch nur feucht träumen. Er rechnet noch in Marc, und nicht in Euro.

Katrin Müller-Hohenstein: Das ZDF hatte am Freitag weitere finanzielle Rückschläge zu verkraften – ein Frachtcontainer mit Ausrüstung für Olympia in Rio im Wert von 400.000 Euro wurde geklaut. Viele bangten: Hoffentlich war KMH bereits drin im Container! Aber, Pech jehabt, Frau Müller-H. ist immer noch da und befindet sich im 37. Monat ihrer Bedeutungsschwangerschaft. Aufgeregt verkündete sie Neuigkeiten: „Auf dem Weg zum Titel stehen als nächstes die Italiener im Weg.“ Was sagt man dazu? Nun: Frauen verdienen ja im Durchschnitt weniger als Männer, und in diesem einen Fall ist es auch gerechtfertigt.

Oliver Schmidt: Wurde auch nicht geklaut, was schade ist. Keiner will ihn. Aber es besteht Hoffnung. Denn dem ZDF ist ja nicht nur die Olympiaausrüstung abhanden gekommen, sondern auch Sportchef Gruschi Gruschwitz, dessen Ausscheiden gestern bekannt wurde. Hurra. Vielleicht hat ja sein Nachfolger Thomas Fuhrmann mehr übrig für Kommentatoren, die der deutschen Sprache mächtig sind. Schmidt lieferte wieder Ulk-Sätze wie „Raus geht’s in die in Rot getränkte Arena“ oder „Die Belgier haben mal aufs den Ball geschaltet“. Auch schön gewesen wäre: „Die Wales-Nuss ist schwer zu knacken.“ Schmidtchen könnte in der Werbung viel Geld verdienen: „Darauf ein Radebrecher!“

Jörg Heinrich

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