Hosengate, Randale, Flitzer

EM 2016: Diese Szenen bekamen Sie im TV nicht zu sehen

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Die Kroaten jubeln - und die Ordner beseitigen den störenden Flitzer.

München - Die UEFA zeigt bei der EM nur, was ihr gefällt. Das ist meist die heile Welt. In Deutschland stößt das auf Kritik. Wir zeigen, was nicht gezeigt wurde.

Hier sehen Sie richtig - aber nur, was uns gefällt: Die Europäische Fußball-Union (UEFA) zensiert während der Europameisterschaft alle Spiele. Das "Weltsignal" zeigt meist nur Traumtore, jubelnde Fans und schwitzende Trainer. Krawalle auf den Tribünen, Flitzer und Böller hingegen bleiben vielen Zuschauern verborgen. Die EM wirkt dadurch wie eine heile Welt, die sie gar nicht ist.

Zwar könnten die deutschen Sender - aus Frankreich übertragen ARD, ZDF und später Sat.1 - theoretisch bei jedem EM-Spiel bis zu zehn eigene Kameras aufstellen. Das rentiert sich vor allem bei deutschen Spielen. "Da können wir deshalb alle journalistisch relevanten Szenen zeigen", sagte Gruschwitz. Bei den Öffentlich-Rechtlichen gebe es keine Zensur.

Bei den Übertragungen aus den deutschen Bundesliga-Stadien werden keine Bilder herausgeschnitten. Wenn beispielsweise Pyrotechnik brennt, ist das meist auch zu sehen. Bei den EM-Spielen sind die TV-Anstalten aber von der UEFA abhängig.

Als am Samstag nach dem Hochrisiko-Spiel zwischen England und Russland auf den Tribünen des Stade Velodrome die Ausschreitungen begannen, als Familien voller Angst vor der Hooligan-Gewalt flüchten mussten (siehe unten), gab es deshalb davon im deutschen Fernsehen ganz wenig zu sehen. Offiziell geht es der UEFA, die das TV-Signal für viele Millionen Euro verkauft, darum, den Randalierern keine Bühne zu bieten und möglichen Nachahmern kein Vorbild zu liefern.

Dennoch bleibt die Frage, wie weit die Zensur gehen darf. Als am Sonntag im Pariser Prinzenpark ein kroatischer Fan glückselig auf den Platz stürmte und den Treffer von Luka Modric gegen die Türkei mit seinen Idolen feierte, war das im Fernsehen für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen. Passiert ist nichts, spätestens in der Wiederholung hätten die Bilder niemandem geschadet - wohl aber offenbart, welche Sicherheitslücken es in den Stadien gibt. Das gefällt der UEFA selbstverständlich überhaupt nicht.

Wir zeigen Ihnen, welche Szenen bei den Partien der EM von der UEFA-Regie ignoriert wurden oder von den Fernsehkameras tatsächlich nicht aufgenommen wurden. 

Belgien vs. Italien: Der Tor-Sturz von Gianluigi Buffon

Nach dem Abpfiff der Partie Belgien gegen Italien (0:2) stürmte Torhüter Gianluigi Buffon über das gesamte Spielfeld in Richtung italienischer Fankurve, sprang im Überschwang der Gefühle an die Latte des Tores - und stürzte äußerst unsanft in den Kasten. "Ich habe mich ein bisschen verletzt", gab Buffon nach dem Spiel zu. "Aber ich habe nichts gespürt, da der Adrenalinspiegel so hoch war." Die Fans vor den TV-Bildschirmen bekamen von dem Sturz allerdings nichts mit, das internationale TV-Bild, das die ARD ausstrahlte, zeigte die Szene nicht.

Deutschland vs. Ukraine: Hosengate-Affäre um Löw

Das erste Gruppenspiel der DFB-Elf gegen die Ukraine war nervenaufreibend, das 2:0 (1:0) hart erkämpft. Das brachte wohl auch Bundestrainer Joachim Löw ins Schwitzen. Zweimal griff sich der Weltmeister-Coach, der sich offenbar von den Hundertschaften Kameras unbeobachtet fühlt, in die Hose. Zunächst ein Griff vorne zwischen die Beine mit anschließendem Schnuppern, dann hinten. Diese Szenen wurden im deutschen TV-Bild nicht gezeigt, dafür aber vom italienischen Sender RAI, der mehr Kameras eingekauft hatte.

England vs. Russland: Randale auf der Tribüne

Schon im Vorfeld des Spiels der Gruppe B zwischen England und Russland (1:1) im Stade Vélodrome in Marseille gab es üble Ausschreitungen in der Stadt. Doch als kurz nach dem Abpfiff russische Hooligans einen Block der Engländer stürmten, als Familien voller Angst vor der Gewalt flüchten mussten, gab es davon in der ARD wenig zu sehen.

Türkei vs. Kroatien: Flitzer jubelt mit den Kroaten

Als Luka Modric die kroatische Nationalmannschaft im ersten Spiel der Gruppe D gegen die Türkei (1:0) in der 42. Minute in Führung brachte, bejubelte das Team den Treffer überschwänglich. Doch fast unbemerkt stürmte auch ein kroatischer Fan auf den Rasen und enterte die Jubeltraube. Blitzschnell schaltete die TV-Regie um auf eine andere Kamera, sodass die Ordnungskräfte den Anhänger wegziehen konnten - und das ohne, dass die Fernseh-Zuschauer etwas davon mitbekamen. Passiert ist nichts, spätestens in der Wiederholung hätten die Bilder niemandem geschadet - wohl aber offenbart, welche Sicherheitslücken es in den Stadien gibt.

fw mit SID und dpa

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