EM-Auftakt des DFB-Teams

tz-Kommentar: Käpt'n Neuer - die richtige Entscheidung

+
Kapitän Neuer: Die richtige Entscheidung von Jogi Löw.

In seinem Kommentar schreibt tz-Redakteur Sven Westerschulze über die Kapitäns-Frage und die kluge Entscheidung von Joachim Löw.

Es war eine der spannendsten Fragen vor dem ersten EM-Spiel des Weltmeisters: Wer wird die Elf in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger auf den Platz führen? Bis zuletzt machte Jogi Löw ein großes Geheimnis um die Rolle des Vizekapitäns, obwohl er seine Entscheidung bereits am Mittwoch getroffen hatte. Warum überhaupt? Mit der Wahl von Manuel Neuer braucht Löw sich nicht zu verstecken, schon gar nicht zu rechtfertigen. Im Gegenteil: Der Bundestrainer ist für diese Entscheidung zu beglückwünschen. Er hat mit dem Torhüter des FC Bayern einen Weltklasse-Mann zum Vertreter von Bastian Schweinsteiger ernannt. Einen, der – siehe seinen Auftritt gegen die Ukraine – auf seiner Position mit Abstand der beste der Welt ist. Dieses Qualitätsmerkmal dürfen sich nicht viele Fußballer auf die Fahne schreiben – außer Neuer vielleicht noch Cristiano Ronaldo als Linksaußen und Lionel Messi als Rechtsaußen.

Neuer ist zuletzt dreimal in Folge zum Welttorhüter ernannt worden – und mittelfristig wird sich an seinem Status auch nichts ändern. Dass der 30-Jährige das Torwartspiel revolutioniert hat, befähigt ihn zwar noch nicht zum Vize-Kapitän, spricht aber für seine außerordentlichen Fähigkeiten. Und die bringen ihm eine Menge Respekt ein: Auf dem Rasen von seinen Gegnern, abseits des Platzes von seinen Mitspielern.

Neuer ist einer der Wortführer in der Nationalmannschaft, ebenso wie beim FC Bayern. Dort hat er vor fünf Jahren allen Widerständen im Umfeld getrotzt und sich als unantastbare Nummer eins ein Standing erarbeitet, dass zuletzt Oliver Kahn als Keeper des Rekordmeisters genoss. Kahn war übrigens auch der bislang letzte Torhüter, der beim DFB-Team die Binde trug. Kritiker werden nun sagen, dass der ehemaliger Schalker als Torwart oft zu weit weg ist. Vom Spielgeschehen, und um in Interaktion mit dem Schiedsrichter treten zu können. Das mag sein, doch ein Kapitänsamt auszufüllen bedeutet weit mehr Verantwortung als nur in den 90 Minuten auf dem Platz. Und da hat Neuer allen internen Konkurrenten eines voraus: Einen zementierten Stammplatz und die Gewissheit, nur selten aus Regenerationsgründen bei Spielen zu fehlen.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer

Kommentare