EM 2016

tz-Kommentar: Zensur – so oder so keine Lösung

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Szenen wie diese vom Spiel zwischen England gegen Russland wurden im TV nicht gezeigt.

München - Die UEFA zensiert während der EM alle Spiele. Bilder von Ausschreitungen auf den Rängen wurden nicht gezeigt. Die Alarmglocken schrillen. Ein Kommentar von Bernd Brudermanns.

Was haben Bilder von im Stadion schlägernden Hooligans mit einem sich in die Hose greifenden Joachim Löw zu tun? Sie führen uns zur Grundsatzfrage, was im Fernsehen gezeigt werden soll, darf oder muss. Und damit wären wir schnell bei der Zensur – und da sollten bei jedem die Alarmglocken schrillen.

Aber der Reihe nach: Als russische Hooligans im Stadion von Marseille englische Zuschauer attackierten, zeigte die UEFA in ihrem „Weltsignal“ davon nur ganz wenig. Das erzürnt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Er fordert, dass angesichts der „brisanten gesellschaftspolitischen Lage alle relevanten Szenen im Weltsignal zu sehen sein sollten. Als wiederum die Bilder von Löws eher unappetittlichem Hosengriff von einem italienischen TV-Sender gezeigt wurden, erregte man sich beim DFB. Solche Bilder wolle man nicht sehen.

Bernd Brudermanns

Die UEFA zensiert Bilder von Flitzern und Hooligans, um nicht noch mehr dazu zu ermuntern. „Die Problematik des Nachahmens ist nicht von der Hand zu weisen, sagt der Münchner Medienwissenschaftler Michael Schaffrath. Weil beim Fußball auch Kinder vor dem Fernseher sitzen, sollten Gewaltexzesse wie in Marseille nicht im Live-Signal zu sehen sein, sie müssen aber den Sendern zur Verfügung gestellt werden. Und wenn ein italienischer Sender glaubt, Bilder von Löws Hosengriff zeigen zu müssen, weil das eine Relevanz hat – nun gut, damit muss man dann eben leben. Hier Zensur zu fordern und dort die Freigabe der Bilder einzuklagen – das funktioniert nicht.

Offiziell geht es der UEFA darum, den Randalierern keine Bühne zu bieten und möglichen Nachahmern kein Vorbild zu liefern. Dennoch bleibt die Frage, wie weit die Zensur gehen darf. Als am Sonntag im Prinzenpark ein kroatischer Fan auf den Platz stürmte und den Treffer von Luka Modric gegen die Türkei mit seinen Idolen feierte, war das im Fernsehen für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen. Er bewies damit, welche Sicherheitslücken es in den Stadien gibt. Das gefällt der UEFA selbstverständlich nicht.

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