Anschläge in Paris

tz-Redakteur kehrt zurück an den Ort des Terrors

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In Angst waren die Fans in den Innenraum des Stade de France gestürmt.

Paris - Am 13. November wurde Paris von den schrecklichen Terroranschlägen heimgesucht. Damals vor Ort: tz-Reporter Sven Westerschulze. Nun kehrte er zurück an den Ort des Schreckens und sagt: Paris ist zu schön für Terror-Angst

Bonjour, Paris! Als ich Mittwochmittag gegen 12 Uhr in der Hauptstadt ankam, dachte ich nur an eines: die EM! Nicht an die schrecklichen Terroranschläge aus dem vergangenen November, die ich im Stade de France aus nächster Nähe miterlebt habe. Und auch nicht an neue Attacken, weil Paris jederzeit wieder ein potenzielles Ziel solcher Attentäter sein könnte. Die schlimmen Ereignisse von diesem Abend damals sind natürlich nicht gänzlich aus meinem Kopf verschwunden. Das ist auch, glaube ich, nicht ohne Weiteres möglich, wenn man in dem Moment zum ersten Mal richtige Angst um sein Leben hatte. Wenn man beim hundertsten Stadionbesuch zum ersten Mal nicht weiß, ob man es lebend verlassen wird.

Ich erinnere mich immer noch gut, schließlich war es für mich keine gewöhnliche Reise. Es war eine meiner ersten mit dem DFB, meine allererste nach Paris überhaupt. Und nur wenige Meter von einem der Anschlagsorte entfernt saß ich am Abend vor dem Spiel noch mit Kollegen zusammen. Manchmal sind die Erinnerungen vielleicht noch ein bisschen zu gut. Aber bei meiner Rückkehr nach Paris spielten sie Mittwoch – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle. Mal abwarten, ob das Donnerstagabend auf der Tribüne noch genauso ist.

Sven Westerschulze befand sich am 13. November 2015 in Paris.

Mittwoch machte sich in mir allerdings viel mehr die Hoffnung breit, endlich echte EM-Stimmung zu erleben. Paris – wenn nicht hier, wo dann? Hier starteten die Franzosen vergangene Woche mit ihrem emotionalen Last-Minute-Sieg ins Turnier, hier stehen gleich zwei EM-Stadien in einer Stadt, hier findet am 10. Juli auch das Finale statt. Wo also, wenn nicht bitte in der (Fußball-)Hauptstadt, im wunderschönen Paris, soll die Begeisterung der Franzosen schlummern?

In Evian hält sie sich zugegebenermaßen in Grenzen, in Lille deutete bis wenige Stunden vor Spielbeginn auch nicht viel auf ein Fußball-Fest hin. Von gnadenloser Euphorie war allerdings auch hier in Paris nicht so viel zu spüren. Die Franzosen scheinen sich mehr mit den Streiks ihrer Fluggesellschaften, des Zugverkehrs und der Müllabfuhr zu beschäftigen, als mit der EM. Doch solange sie nicht erneut die Trauer eines feigen Terroranschlags verpacken müssen, habe ich immer noch die Hoffnungen, das Fußball-Fieber hier doch noch irgendwo zu entdecken.

Fußball-EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Stadien und Themenseite

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