Das Tablet in der Kabine

Was hat der Gegner drauf? Apps für die Nationalelf

Evian-les-Bains – „Früher musste ich einen Packen Unterlagen mitführen“, um unbekannte Gegner zu analysieren, sagt Chefanalyst Christopher Clemens. Nun liefert eine Software alles in einem Augenblick.

Oliver Bierhoff war auf Studienreise in den USA. Das neue große Thema des Nationalmannschafts-Managers und Leiter des Projekts DFB-Akademie sind: Daten. „Big Data“ – und wie man mit Informationen den Fußball beeinflussen und entwickeln kann. Er ist also in der Innovationsschmiede in Palo Alto/Kalifornien gewesen und beim Football-Klub San Francisco 49ers. „Da werden während des Spiels taktische Anweisungen auf Tablet-Computern erklärt. Auf dem Spielfeld.“ Das hat Bierhoff imponiert. „So weit sind wir noch nicht.“ Die Verbände wie die UEFA ließen das nicht zu – er hält das für falsch.

„Auf der Bank haben wir ein Tablet dabei, dürfen aber nicht online sein“, sagt Co-Trainer Thomas Schneider, doch in der Kabine, wenn die Aufstellung des Gegners bekannt wird, dann wird noch auf die Bildschirme geschaut. Der Softwarekonzern SAP, der mit der Nationalmannschaft schon 2014 zusammenarbeitete, hat zwei neue Applikationen entwickelt – für den kleinen exklusiven Kreis der sportlichen DFB-Spitze. „Der Endverbraucher“, sagt Bierhoff, „sind die Nationalspieler und die Trainer“.

Software liefert Informationen in einem Augenblick

Sie bekommen nun in der App „Challenge Insights“ kurz vor dem Spiel vorgeführt, was die gegnerischen Spieler draufhaben. Das soll eine wichtige Quelle sein, wenn man auf Teams trifft, deren Akteure keine international beleuchteten Topstars sind. „Früher musste ich da einen Packen Unterlagen mitführen“, so Chefanalyst Christopher Clemens. Nun liefert eine Software alles in einem Augenblick.

Die zweite App, die dazugekommen ist: „Penalty Insights“ – eine Datenbank, wie Elfmeter geschossen werden: links, rechts, hoch, flach, stramm. Das System Spickzettel – 2006 geschrieben von Torwarttrainer Köpke, angewendet von Jens Lehmann im Viertelfinale gegen Argentinien – hat ausgedient. Ein Algorithmus verrät, wohin der Schuss gehen könnte.

„Wir versuchen, Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen und Risiken zu minimieren“, sagt Analyst Christopher Clemens. Doch auch ihm, dem Freak, ist bewusst: „Am Ende entscheidet schon noch der Mensch.“  

gük

Rubriklistenbild: © dpa

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