Die EM ist vorbei

TV-Kritik: Motten-Mehmet auf Kuschelkurs

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Das ARD-EM-Dream(?)team: Opdenhövel (l.) und Scholl.

Paris - Adieu, Paris! Bom dia, Rio! Nach vier Wochen EM war gestern Schicht im Schacht für alle Fußballfans – die nun 25 Tage Zeit haben, sich physisch, aber auch körperlich auf Olympia vorzubereiten.

Aus Brasilien werden die Öffis im Fernsehen und im Internet 1.280 Stunden live übertragen – das sind 75,3 Stunden am Tag! Wer das alles sehen will, muss sich ranhalten. Wenn’s arg stressig wird in Rio, werden wir irgendwann vielleicht sogar Opdenhövel, Scholl und Drama-Queen Gerd Gottlob („Die Tränen sind da!“) vermissen. Auch wenn man sich’s nach dem gestrigen Finale kaum vorstellen kann. Hier die letzten TV-Notizen von der EM.

Mehmet Scholl: Als gestern die Motten übers Stade de France herfielen, stellten sich zahlreiche Fragen. Hat Scholli seine Haustiere mitgebracht, hat er vor dem Spiel seine Taktik-Mottenkiste ausgepackt? Waren aber gar nicht Mehmets Motten, es waren einheimische Frankreichmotten. Scholl wollte auch gar nicht mehr über Taktik reden, er war stattdessen massiv auf Kuschelkurs mit dem Bundestrainer: „Bitte Jogi, nicht zurücktreten!“ Ein Fahnderl im Wind ist eine stabile Konstruktion im Vergleich zu unseren Fernseh-Koryphäen. Immerhin erklärte Mehmet nochmal, warum wir gegen Frankreich ausgeschieden sind: „Weil wir es nicht geschafft haben, nach der Pause auszugleichen.“ Darüber sollten wir jetzt nachdenken, bis Olympia anfängt.

Matthias Opdenhövel: Packte voller Stolz die letzte Packing-Statistik der EM aus, nach der sich viele Zuschauer seit Donnerstag nicht gesehnt haben. Sie ergab: Bei den überspielten Gegnern lagen wir gegen Frankreich 348:226 Packings vorne, bei den überspielten Verteidigern waren wir aber 21:38 Packings hinten, und deshalb haben wir verloren. Hoffentlich nimmt das Erste den Quatsch nicht mit nach Rio, und erfindet Speerwerf- und Kugelstoß-Packing. Ansonsten war die ARD-Übertragung bescheiden wie gewohnt. Opdi schaffte es allen Ernstes, die Meldung vom Sammer-Rücktritt vorzulesen, ohne Scholl danach zu fragen. Lachnummer! Und die Vorberichterstattung bestand wie üblich aus YouTube-Clips zu Ronaldo und Griezmann, die sich die ARD aus dem Internet zusammengeklaut hatte, und für die sie nicht einmal Quellen nannte. Mottenkugeliger geht’s kaum.

Gerd Gottlob: Kein deutscher Spieler im Finale, kein deutscher Schiri – da musste sich der ARD-Kommentator darauf verlegen, McDonald’s-Einlaufkind Zoé Stehle vom Bodensee, die „süße Zoé“, zu loben und zu preisen. So ist das bei unseren Reportern: Hauptsache irgendwas Deutsches! Im Spiel begann Gottlob bereits nach zehn Minuten relativ unmotiviert zu brüllen: „Rui Patrício, der hier ALLES aufbringen muss.“ Man erschrickt immer ein bisserl, wenn man ihm zuhören muss. Bei Cristiano Ronaldos Verletzung mutierte Gottlob endgültig zur Frauke Ludowig des Fußballs: „Die Tränen! Sie sind da!“ Er plapperte und plapperte, statt die traurigen Bilder wirken zu lassen: „Was für ein Drama ist das! Was für ein Drama ist das! Er weiß, ich kann Euch nicht helfen, ich schaffe es nicht, mein Knie tut so weh!“ Man wünschte sich dreierlei: Dass Gottlob schweigt, dass Cristiano weiterspielen kann – und dass ein pensionierter Sportmoderator keinen Grund hat, sich zu freuen. Er hatte sich bei Lanz fürs Finale gewünscht: „Ich will Cristiano Ronaldo weinen sehen.“ Nun weinte Ronaldo tatsächlich, und es war zum Heulen.

Plus und Minus

Plus: Die ARD war gestern nochmal dran, das ZDF hat dagegen bereits Kassensturz gemacht. Durchschnittlich 12,47 Millionen Zuschauer sahen die 23 EM-Spiele im Zweiten. Chefredakteur Peter Frey: „Die EM ist doch noch ein echtes Fußballfest geworden.“

Minus: Die EM-Radioübertragungen bei Sport1.fm waren exzellent. Schade, dass der Internetsender nur noch ein Jahr die Bundesliga übertragen darf. Dann übernimmt Amazon die Senderechte.

jh

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