Deutschland spielt gegen Italien

EM-Viertelfinale: Avanti, zum Fußball-Klassiker!

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Italienische Fans feiern vor dem Siegestor bei der EM 2012.

München - Am Samstag ist München schwarz-rot-gold. Ganz München? Nein. Eine kleine unbeugsame italienische Gemeinde hofft darauf, dass es endet, wie es bisher fast immer geendet hat bei großen Turnieren: mit einer deutschen Niederlage. 

Knapp 28 000 Italiener leben in der Isar-Metropole, und in den unzähligen Osterien, Pizzerien und Eiscafés laufen die Vorbereitungen für das brisante Aufeinandertreffen auf Hochtouren. Die Telefone stünden seit ein paar Tagen nicht mehr still, sagen Gastwirte. Zusätzliche Flachbildschirme werden aufgestellt, und die Tischdichte auf den Freischankflächen steigt. 

„Wir sind für Samstagabend komplett ausgebucht“, heißt es zum Beispiel bei „H’ugo’s“. In dem italienischen Szene-Lokal, wo auch ab und an Fußball-Profis des FC Bayern anzutreffen sind, wird das Spiel auf 17 Bildschirmen und fünf Leinwänden gezeigt. Danach steigt eine italienisch-deutsche Party. 

Mit den meisten Fans rechnet die Polizei „erwartungsgemäß“ an der Leopoldstraße. Gerade bei einem Gegner wie Italien sei von einem besonderen Interesse und mehreren tausend Fans auszugehen, sagt Polizeisprecher Florian Hirschauer. Und egal, wer am Samstagabend gewinnt, es dürfte zu Partys und einem Autocorso auf der Flaniermeile kommen. Wir haben einige bekannte Münchner mit deutschen und italienischen Wurzeln gefragt, wie das Spiel ausgeht.  

mm

Der Münchner Sternekoch Mario Gamba.

Mario Gamba, Sternekoch: 

Deutschland gegen Italien ist immer eine gesunde und freudige Konkurrenz. Man schaut gemeinsam und tröstet sich gegenseitig. Respekt ist das Wichtigste. Es sind zwei sehr starke Mannschaften. Ich tippe 2:1 für Deutschland, hoffe aber natürlich, dass Italien gewinnt – obwohl die deutsche Nationalmannschaft und Jogi Löw bei mir Stammgast sind. 

wes

Schauspieler Rinaldo Talamonti mit Ehefrau Roswitha: 

Ich bin gerade in Italien und schaue mir hier das Spiel zwischen Deutschland und Italien an. Das wird sehr emotional, die Fahnen wehen schon überall in Rot-Weiß-Grün. Es kommen deutsche und italienische Freunde zum Fußballschauen. Ich drücke natürlich Italien die Daumen, ich bin schließlich Patriot. Das ganze Jahr über bin ich Fan des FC Bayern, aber bei einer so großen Meisterschaft muss ich passen. Da bin ich für die Squadra Azzurra, das ist klar. Meine Frau hält natürlich zu Deutschland, da spalten sich in der Familie die Meinungen. Ich denke aber, dass die Italiener keine schlechte Chance haben. Sie werden kämpfen und versuchen zu gewinnen. Ich tippe auf 1:0 für Italien, vielleicht geht es sogar 2:1 aus.

wes

Klaus Lemke, Regisseur:

Regisseur Klaus Lemke.

3:1 für Deutschland. Das ist gewagt, aber sie können es schaffen. Löw hat ja unvorsichtigerweise gesagt, das Trauma (Anm. d. Red.: Deutschland hat in gro- ßen Turnieren nie gegen Italien gewonnen) gibt es nicht. Das soll Stärke beweisen, aber es ist Loser-Verhalten, denn das Trauma gibt es. Jeder hat es in den Knochen. Aber gerade deswegen können sie es schaffen. Es geht darum, das Trauma nicht wegzulügen. Man darf nicht sagen: Es ist nicht da. Damit tut Löw auch den Fans keinen Gefallen, denn die wissen auch, dass es das gibt. Ich habe ja keinen Fernseher, aber ich gehe während des Spiels von Restaurant zu Restaurant, von Café zu Café. Es ist lustig zu sehen – hier ist die Stimmung so, dort ist sie so. Meist ist die Stimmung da besser, wo Mädchen sind. Jungs haben schon so viel Fuß- ball gesehen, da ist nicht so viel los. Mädchen sind die besseren Fans, die machen bessere Stimmung. Es ist lustig, einfach herumzugehen. Leider kann ich das nicht filmen, weil dieRechte so teuer sind.

wes

Christl Estermann, Wirtin im „Löwenstüberl“: 

Italien ist ein gefährlicher Gegner, aber das haben wir im Kreuz. Je gefährlicher der Gegner, desto besser spielen wir. Eigentlich bin ich ja Italien-Fan, weil ich dorthin immer in den Urlaub fahre. 

"Löwenstüberl"-Wirtin Christl Estermann.

Aber ich halte selbstverständlich zu Deutschland. Ich tippe auf ein 2:1 oder 3:1 für uns. Das Spiel kann ich mir diesmal nicht im Löwenstüberl anschauen, sondern bei meiner Tochter – die feiert am Samstag Geburtstag.

kv

 Francesco Ziosi, Leiter Istituto Italiano:

 Natürlich hoffe ich, dass Italien gegen Deutschland gewinnen kann, aber es ist nicht einfach vorherzusagen. Ich tippe auf 2:1 für Italien. Denn Italien ist dann am besten, wenn es schwierig wird. Von der italienischen Mannschaft finde ich Pellè besonders gut. Das Spiel ist ein großer Klassiker. Ich werde es mir mit ein paar italienischen Freunden anschauen.

Francesco Ziosi leitet das Istituto Italiano.

wes

Ute Wessels

Ute Wessels

E-Mail:info@merkur.de

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