Nach der Europameisterschaft

Diese Stürmer können das deutsche Torproblem lösen

Paris - Nach Torlos-Müller und Torlos-Götze bei der EM in Frankreich sucht die deutsche Nationalmannschaft nach einer Lösung des Sturmproblems. Wir prüfen, wer dafür infrage kommt.

Sieben Tore gelangen Deutschland im Laufe der Europameisterschaft. Sogar Turnier-Neuling Island traf einmal mehr. Ohne die Treffsicherheit von Thomas Müller war die DFB-Elf auf Stürmer Mario Gomez (zwei Tore) angewiesen. Nach dem Halbfinal-Aus gegen Frankreich stellt sich Fußball-Deutschland die Frage: Wie geht es weiter mit dem deutschen Sturm? Kandidaten gibt es genügend - wir sagen, wer das Potenzial hat, das deutsche Sturmproblem auch in Hinblick auf die WM 2018 in Russland zu lösen.

Mario Gomez: Vertraut Löw dem Ex-Bayern-Stürmer wieder?

Istanbuls Stürmer Mario Gomez

Die Lösung für den deutschen Angriff hieß bei der EM Mario Gomez. In vier Partien traf der 31-Jährige zweimal. Wichtiger aber: Mit seiner Präsenz im Strafraum schuf Gomez Lücken für die anderen Offensivspieler. Mit 26 Saisontoren brachte er seine Karriere bei Besiktas Istanbul wieder so richtig in Schwung. Jedoch: Der 31-Jährige hatte immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen.  Gomez wird während der kommenden WM 2018 seinen 33. Geburtstag feiern. Es scheint schwer vorstellbar, dass sich der stark auf seine körperliche Präsenz angewiesene Stürmer da noch auf Top-Nivau bewegt. Selbiges trifft auch auf Stefan Kießling zu - auf eine Nominierung des inzwischen 32-Jährigen verzichtet Bundestrainer Joachim Löw bekanntermaßen schon länger. 

Thomas Müller: Der Bayern-Knipser für die Zentrale?

Bayerns Thomas Müller

Bei der EM in Frankreich erlebte der 26-Jährige sein persönliches Tor-Desaster. Schon bei der EM 2012 blieb der Bayern-Angreifer torlos. Generell aber weiß Löw um die Torjägerqualitäten Müllers. Bei der WM 2010 ballerte sich der 26-Jährige zum Schützen des Turniers und erhielt den Goldenen Schuh. Fünf Tore erzielte er in Südafrika, bei der WM 2014 waren es ebenfalls fünf. 

Durchaus denkbar ist, dass der spielintelligente Angreifer künftig im Zentrum eingesetzt wird. Es wäre eine Mischung aus Kopfballstärke und Spielstärke zugleich - quasi ein Kompromiss zwischen Gomez und Mario Götze. Was dafür spricht: Viele deutsche Talente drängen in den kommenden Jahren in die A-Elf. Allerdings sind vor allem Flügelspieler dabei. Denkbar wäre daher, dass Müller ins Zentrum rückt und auf den Außen Platz für aufkommende Stars macht.

Max Kruse: Kehrt der schwierige Wolfsburg-Stürmer zurück?

Wolfsburgs Stürmer Max Kruse

Einer, der vor einigen Monaten noch fest mit einem Kaderplatz für das Turnier rechnen konnte, war Max Kruse. Wären da nicht seine Eskapaden, mit denen der Wolfsburg-Stürmer für Aufsehen sorgte. Unter anderem ließ er viel Geld in einem Taxi liegen. Dann kam es zu einer Auseinandersetzung mit einer Journalistin bei der Feier seines 28. Geburtstags. 

Sportlich gesehen lief die Saison für Kruse ebenfalls alles andere als gut. Mit dem VfL Wolfsburg verpasste er das Erreichen der internationalen Plätze, er selbst konnte nur sechs Saisontore beisteuern. Auch wenn Kruse auf eine Rückkehr in die Nationalmannschaft hofft: Es wird wohl bei seinen bislang 14 Einsätzen für das A-Team des DFB bleiben.

Draxler, Schürrle, Götze: Setzt Löw auf die "falsche Neun"?

Bayerns Mario Götze

Am Anfang der EM versuchte es Löw mit Mario Götze als Sturmspitze. Sein Job: spielerische Qualität in den Angriff bringen und selbst für Torgefahr sorgen. Zumindest letzteres gelang dem Bayern-Spieler nicht, er blieb torlos. Doch ist damit das Konzept der "falschen Neun" gescheitert? Für diese Option kämen auch Julian Draxler oder Andre Schürrle infrage. 

Die beiden Wolfsburger sind technisch versiert. Draxler bewies seinen Tordrang im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei, als er eiskalt einnetzte und zum besten Spieler der Partie gewählt wurde. Schürrle kam dreimal als Edel-Joker rein und suchte sich den Weg in der Spitze. Genau in dieser Form ist die "falsche Neun" in der Nationalmannschaft weiterhin denkbar: Technisch versierte Spieler bringen als Einwechselspieler frischen Wind rein. Ein weiterer Kandidat dafür: Der 20-jährige Noch-Schalker Leroy Sané.

Davie Selke: Youngster als neue Option?

Leipzigs Davie Selke

Nach einem Turnier wandert der Fokus auch automatisch in den Kreis neuer potenzieller Kandidaten für die Nationalmannschaft. In diesem Fall lohnt sich der Blick. Junge Spieler könnten schon bald in den Fokus rücken. Dazu gehört Davie Selke von RB Leipzig. Der 20-Jährige läuft für die deutsche U21 auf, traf in sechs Spielen fünf Mal. Mit seinem Verein ist der Ex-Bremer in die Bundesliga aufgestiegen. 

Ob und wie schnell sein Weg beim A-Team der Nationalmannschaft beginnt, hängt vor allem von dieser Saison ab. Setzt sich Selke endgültig als Stammspieler bei den Leipzigern durch und weiß zu überzeugen, könnte er schon bald in Löws Aufgebot landen. Konkurrenz macht ihm ein neuer Vereinskamerad: Timo Werner. Der 20-jährige wechselte für zehn Millionen Euro von Absteiger VfB Stuttgart zu RB Leipzig - vor einer Nominierung muss Werner aber erst einmal im neuen Verein seine Torjägerqualitäten nachweisen.

Rubriklistenbild: © dpa

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