Nationalspieler über Pilger-Fotos und mehr

Interesse der Bayern? Das sagt Özil im Exklusiv-Interview

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Mesut Özil wurde von den Fans des FC Arsenal zum Spieler der Saison gewählt.

Ascona - Im Exklusiv-Interview spricht Mesut Özil über die EM, die AfD-Äußerungen im Fall Boateng und das angebliche Interesse  des FC Bayern.

Hinter Mesut Özil (27) liegt ein erfolgreiches Jahr. Die Arsenal-Fans wählten ihn zum Spieler der Saison. Auch vom Fanclub Nationalmannschaft wurde er zum besten Kicker 2015 gekürt. Dennoch scheiden sich an Özils Spielweise noch die Geister. Das tz-Interview.

Herr Özil, Sie hatten 45 Pflichtspiele mit Arsenal in der abgelaufenen Saison und haben zunächst im Trainingslager ausgesetzt. Spüren Sie trotzdem Lust auf die EM?

Özil: Die Woche Pause hat enorm gutgetan. Es war einfach gut, dass der Bundestrainer meine Belastung in diesen ersten Tagen etwas zurückgefahren hat. Aber jetzt freue ich mich auf die EM. In einem Trainingslager vergeht die Zeit einfach nicht. Man will, dass das Turnier anfängt. Die EM wird eine riesige Bühne, da will jeder dabei sein.

Die Bayern und Sami Khedira sind als Double-Sieger angereist. Mario Gomez wurde Meister, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger Pokalsieger. Sie sind leer ausgegangen.

Özil: Sprüche musste ich mir deshalb zumindest nicht anhören. Immerhin belegten wir Platz zwei in der Premier League. Ich freue mich für die Jungs. Schließlich spielt man Fußball, um Titel zu gewinnen. Das hilft letztlich auch uns als Mannschaft, weil sie mit einem positiven Gefühl kommen. Wir haben eine gute Mischung: junge, erfolgshungrige und erfahrene Spieler. Man sieht, dass wir eine Einheit sind und spürt die Energie. Alle sind positiv. Wir wollen diesen Pokal in Paris holen.

Manche Kritiker behaupten, dass Sie in guten Spielen glänzen. Wenn es aber nicht läuft, würden Sie auch abtauchen.

Özil: Mal ganz ehrlich, für einen Spieler ist entscheidend, was der Trainer denkt. Er gibt mir das Vertrauen, und ich will mich auf dem Platz durch meine Leistung dafür bedanken. Was andere Leute sagen, interessiert mich deutlich weniger.

Apropos andere Leute. Wie denken Sie über die Äußerungen der AfD im Fall Boateng?

Özil: Ehrlich gesagt halte ich es eigentlich für besser, nicht viel darüber zu sprechen. Da wollen sich bloß welche wichtigmachen. Das beeinflusst uns als Team nicht.

Sie wurden auch angegriffen. Ihr Pilger-Foto nach Mekka nannte die AfD ein „antipatriotisches Signal“.

Özil: Es gibt immer Leute, die stets etwas Negatives am Menschen suchen. Die nutzen die Bühne eines solch großen Turniers, um sich wichtigzumachen. Ich bin Sportler, konzentriere mich auf Fußball und will die EM gewinnen. Davon lasse ich mich auch von solchen Äußerungen nicht abbringen.

Sie sind gläubiger Muslim. Am 6. Juni beginnt der Fastenmonat Ramadan. Wie lässt sich das mit einer EM vereinbaren?

Özil: Gar nicht. Das Wetter ist im Sommer zu warm. Wir haben intensive Trainingseinheiten und Spiele. Da ist es für mich unmöglich, zu fasten.

Stimmt es denn, dass Sie Ihre Ernährung radikal umgestellt haben?

Özil: In der Tat achte ich mehr auf Kleinigkeiten, esse dosierter. Aber ich verzichte doch nicht komplett auf Brot, wie geschrieben wurde. Genauso ist es im Fitness-Bereich. Als ich länger verletzt war, habe ich viel trainiert, dabei Muskelmasse zugelegt. Plötzlich spürte ich auf dem Platz, dass ich die Beweglichkeit verloren hatte. Ich trainiere zwar, aber nicht um zuzulegen, sondern um einzelne Körperpartien zu definieren. Mein Grundgewicht war lange 74 Kilogramm, jetzt bin ich bei 72.

Wie sieht Ihre Zukunft bei Arsenal aus? Es wurde behauptet, der FC Bayern habe Sie im Visier.

Özil: Davon weiß ich nichts. Ich konzentriere mich zunächst auf die Nationalmannschaft. Nach der EM habe ich Urlaub, dann führen wir Gespräche, und da ist Arsenal mein erster Ansprechpartner. Mein Vertrag läuft ja noch zwei weitere Jahre.

Viele rätseln, was Ihr Torjubel zu bedeuten hat. Sie nuckeln stets am Daumen und bilden mit den Fingern ein M.

Özil: Der gilt meiner Nichte Mira, deshalb das M-Zeichen. Als sie geboren wurde, habe ich nach einem Tor so gejubelt. Das hat mir Glück gebracht. Seitdem mache ich das immer so. Auch wenn sie längst nicht mehr am Schnuller nuckelt. Sie ist ganz schön frech, läuft mittlerweile und redet schon ein bisschen.

Ihre Augen leuchten richtig. Klingt so, als würden Sie auch gerne Vater werden.

Özil: Ich konzentriere mich erst mal auf Fußball. Bei dem anderen Thema mache ich mir keinen Druck (lacht).

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Interview: Marcel Schwamborn

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