DFB-Manager über Sicherheit und Ziele

Bierhoff im tz-Interview: Verlieren nicht den Boden unter den Füßen

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Geldvermehrer in Aktion: Oliver Bierhoff bei einem PR-Termin.

Ascona - Im tz-Interview spricht Oliver Bierhoff (48), Manager der Nationalmannschaft, über Sicherheitsvorkehrungen und die Ziele bei der EM-

Oliver Bierhoff (48), der Manager der Nationalmannschaft, schaut auf die Berge, dann schweift sein Blick auf den Lago Maggiore. „Wunderschön“, sagt er, „wir haben einen Ort angetroffen, an dem wir uns in aller Ruhe auf die EM vorbereiten können.“ Schafft Bierhoff einen erneuten Triumph? Das tz-Interview.

Herr Bierhoff, haben Sie aufgrund der Sicherheitssituation in Frankreich eine Risikoversicherung für die Nationalspieler abgeschlossen?

Bierhoff: Wenn es so ist, müssen wir darüber jedenfalls nicht öffentlich reden. Klar ist aber, das Sicherheitsniveau wird sich natürlich erhöhen. Die Franzosen stellen in Evian mehrere Special Forces. Das sind harte Burschen.

Kommt die Kanzlerin ins Quartier nach Evian?

Bierhoff: Nein. Angela Merkel hat angekündigt, zu einem Spiel zu kommen. Welches, wissen wir noch nicht. Ich hoffe natürlich auch, dass sie am 10. Juli nach Paris reisen wird. Dann würden wir im Endspiel stehen…

…und es gäbe wieder schöne Kabinenfotos. Oder gibt es bei der Nationalmannschaft inzwischen ein Facebook-Verbot?

Bierhoff: Social Media gehört mittlerweile dazu. Aber es gibt natürlich Regeln: Kein Trash gegen Mitspieler oder Gegner, keine internen Meldungen ins Netz stellen. Die Spieler wissen, was sie dürfen und was nicht.

Gehört auch das perfekte Marketing dazu? Zuletzt schrieb der Stern, die Nationalmannschaft sei ein Marketingmonster, ein Kunstprodukt. Und sie seien der Verursacher…

Bierhoff: Solche Vorwürfe bedrücken mich nicht, aber ich beschäftige mich natürlich damit. Oft handelt es sich dabei um oberflächliche Betrachtungsweisen. Was mich juckt, ist, wenn bewusst falsche Informationen gestreut werden. Wenn Dinge verkehrt transportiert werden. Das kostet Nerven. Zum Beispiel wurde einmal aus Spaß gesagt, wir hätten gefordert, einen Swimmingpool in unserem Quartier mit Salzwasser zu füllen. Plötzlich hieß es: Jetzt sind die völlig übergeschnappt, die wollen sogar noch ihren eigenen Pool bauen.

Werden Sie trotz der Kritik die Vermarktung weiter vorantreiben?

Bierhoff: 2006 musste der DFB noch eine Menge Geld bezahlen für die Bekleidung und Koffer der Spieler und des gesamten Trosses. Und jetzt bekommen wir von unseren Partnern alles gestellt. Von einer professionellen Vermarktung und den Einnahmen, die wir bei der EM erzielen, profitieren der DFB und die Basis, nämlich die kleinen Klubs.

Werden Sie diesen Weg weiter gehen?

Bierhoff: Ja. Wenn wir die Vermarktung der Mannschaft nicht konsequent, aber auch mit Fingerspitzengefühl vorantreiben, würde man uns vorwerfen: Schaut euch mal die Engländer an oder die Franzosen. Alle anderen sind schon in etwa auf dem US-Markt angekommen, nur wir nicht. Die Mannschaft ist das Aushängeschild des DFB. Wir müssen weiter den Mut haben, die Nationalmannschaft als Premiumprodukt zu positionieren. Das heißt doch nicht, dass wir den Boden unter den Füßen verlieren. Ist es denn noch zeitgemäß, wenn wir dem kleinen Fußballfan einen Prospekt in die Hand drücken? Oder ist es besser, wenn wir einen erfrischenden Spot drehen, den er sich anschaut? Wir müssen gerade junge Menschen erreichen.

Angesichts der jüngsten, unappetitlichen Diskussion um Motive der Nationalspieler auf Kinderschokoladen – wäre es ein klares Signal an die Öffentlichkeit, wenn ein dunkelhäutiger Spieler wie Jerome Boateng die Mannschaft als Kapitän auf den Rasen führen würde?

Bierhoff: Sami Khedira hat die Mannschaft einmal als Kapitän angeführt. Er ist ein Spieler mit Mi­grationshintergrund. Ich habe zuletzt mit sechs Spielern an einem Tisch gesessen, deren Eltern irgendwann nach Deutschland kamen. Das ist Symbolik genug.

Interview: ms., tg.

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