EM-Kader

tz-Kommentar: Löws Entscheidung ist mutig

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Bundestrainer Joachim Löw setzt bei der EM auf seine Youngster.

Ascona - Joachim Löw setzt bei der EM 2016 auf Bubis. Die Entscheidung ist mutig, kann aber durchaus belohnt werden. Der tz-Kommentar.

Die größte Überraschung bei der Benennung des endgültigen Kaders war am Dienstag der Verzicht auf Marco Reus. Zumindest auf den ersten Blick. Denn schließlich hatte der BVB-Akteur selbst noch vor ein paar Tagen gesagt, dass er in dieser Woche „wieder ganz normal trainieren“ wolle. Hätte Jogi Löw am Wochenende bereits angedeutet, einen Spieler wohl aus Verletzungsgründen streichen zu müssen – jeder hätte auf Bastian Schweinsteiger oder Mats Hummels getippt. Die beiden sind dabei, Reus nicht. Löw und der Ärztestab um Dr. Müller-Wolfahrt glaubten nicht daran, dass der 27-Jährige im Laufe des Turniers noch fit geworden wäre.

tz-Redakteur Sven Westerschulze

Was bei der tragischen Geschichte um das erneut so kurzfristige Turnier-Aus des Dortmunder aber fast ein wenig unterging, waren die weiteren Entscheidungen Löws. Und da tun sich – auf den zweiten Blick – auch einige Überraschungen auf. Denn für die EM-Endrunde hat der Bundestrainer drei seiner vier Asse aus dem Youngster-Quartett aus dem Ärmel gezogen. Bayerns Flexibilitätsgenie Joshua Kimmich, Schalkes Speedwunder Leroy Sane und Dortmunds Passmaschine Julian Weigl fahren mit nach Frankreich. Und dabei lässt die Bubi-Connection etablierte Nationalspieler wie Karim Bellarabi und Sebastian Rudy hinter sich.

Zwar sind weder der Leverkusener noch der Hoffenheimer Stammkräfte in der DFB-Elf, doch Löw weiß, was er an den international erfahrenen Akteuren hat und was er von ihnen erwarten kann. Doch bei den Spielern in der zweiten Reihe hat er sich diesmal für andere Attribute entschieden. Jung, frech, frisch – die drei Shootingstars Kimmich (21), Sane (20) und Weigl (20) sollen dem Team den Schuss Unbekümmertheit geben, der der Ansammlung an Topstars und Weltmeistern vielleicht ab und zu fehlt. Löws Entscheidung ist erfrischend und selbstbewusst, zugleich aber auch mutig. Denn sollte sich ein Thomas Müller, ein Sami Khedira oder ein Toni Kroos tatsächlich verletzen, müsste er die Jungspunde ins kalte Wasser werfen.

Angst davor hat Löw aber keine, das hat er schon mit der Aufstellung von Christoph Kramer im WM-Finale gezeigt. Und das ist auch gut so, denn die fußballerische Klasse allein wird für den Titel in Frankreich nicht ausreichen. Da muss Die Mannschaft, wie der DFB sein Aushängeschild medienwirksam inszeniert, tatsächlich eine Mannschaft sein. Und Löw ist nicht nur für die Taktik, sondern auch für das Teamgefüge zuständig. Er muss die Charaktere finden, die sich am besten zu einer Einheit formen (lassen). Mit der Kombination aus erfahrenen Weltmeistern und unbeschwert aufspielenden Neulingen glaubt er die richtige Mischung gefunden zu haben. Wie gesagt: Diese Entscheidung ist auch mutig. Doch Mut wird ja meistens belohnt.

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