Das sagen Argentinier und Brasilianer

Gaucho-Tanz: Internationale Pressestimmen

WM-Party Berlin: Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, Andre Schürrle, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos
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Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, Andre Schürrle, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos beim Gaucho-Tanz während der Weltmeister-Party in Berlin.

München - Hier sehen Sie Pressestimmen aus Argentinien und Brasilien zum Gaucho-Tanz der Weltmeister. So denken der veräppelte Vize-Weltmeister und der WM-Gastgeber über #gauchogate.

"So gehen die Gauchos, die Gauchos die gehen so", trällerten Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, Andre Schürrle, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos bei ihrem feierlichen Empfang in Berlin vergangenen Dienstag. Dabei gingen sie leicht in die Hocke und mimten die besiegten Argentinier. Einige deutsche Medien fanden das voll daneben. Die Mehrzahl der Fans aber toll. Sogar zum Wiesn-Hit könnte der "Gaucho-Tanz" avancieren. Das sagt zumindest die Oktoberfestband "089" voraus.

Offensichtlich gab es nur in Deutschland heftige Kritik am  "Gauchogate" - ein Begriff, der sich schnell in den sozialen Netzwerken zu dem Vorfall herausgebildet hat. In Südamerika nahm man den Gaucho-Tanz trotz vereinzelter Ausfälle aber offenbar gelassen. Jedenfalls meldete sich die Presse dort deutlich gelassener zu Wort. Wir haben für Sie einige Pressestimmen aus Brasilien und Argentinien gesammelt und übersetzt.

Das sagen brasilianische Medien

"Diario do centro do mundo" schreibt: "Sie wurden als Schweine, Rassisten und - selbstverständlich - als Nazis beschimpft, als unaufrichtig. Ein Teil der deutschen Presse hat sie nicht verschont. Die Zeitung Der Spiegel sagte, dass das "nichts Sympathisches" gewesen sei. Aber die Mehrheit der Kritik kam, wie erwartet, aus Argentinien. Das Blatt Olé, bekannt dafür, die Brasilianer jüngst als 'Äffchen' bezeichnet zu haben, hat den Angriff zur Kenntnis genommen. Für den Journalisten Juan Pablo Méndez sind die Sportler 'erbärmlich'."

"O Globo" berichtet:"Der Tanz der vierfachen Weltmeister am Brandenburger Tor verursacht eine Kontroverse in Deutschland - Das Mimen der Argentinier hat Internet-Usern nicht gefallen, da sie es mit Nazitum in Verbindung brachten.

"O Globo" meint ebenfalls: "Der DFB bittet um Verzeihung für die Provokation der deutschen Spieler - Ihr Benehmen verursachte Aufruhr unter den Argentiniern. Die deutsche Presse ist geteilter Meinung zu dem Vorfall."

Das sagt die argentinische Zeitung Olé

Weit kritischer gegenüber dem Gaucho-Tanz zeigt sich die argentinische Zeitung "Olé": "Welche Notwendigkeit gibt es, einen Gegner so zu erniedrigen? Argentinien hat sehr gut gespielt und hat sich keineswegs als schlechter Verlierer nach dem sehr knappen Spiel erwiesen."

Die Zeitung räumt ein, dass argentinische Fans nicht besonders nett zu den Brasilianern waren. Aber sie macht auch auf den Unterschied zwischen Fans und einer Nationalmannschaft aufmerksam:

"Nach dem 7:1 gegen Brasilien habe ich eine Gruppe Argentinier gehört, die in Richtung einiger Brasilianer gesungen haben: 'Brasilien, du hast sieben gefressen". Das erschien mir zwar unangebracht, aber wir sprechen hier von Fans, nicht von Vertretern eines Landes."

"Sehr polemisch. Sie, die Deutschen, haben etwas Ähnliches durchlebt wie Messi und Co. Der einzige Unterschied ist, dass sie den Titel geholt haben."

Deutsche Internet-User bei Twitter kommentieren

Deutsche Internet-User hingegen sind offenbar eher der Meinung, dass hier viel Lärm um nichts gemacht wird. Sie kommentieren "Gauchogate" auf Twitter:

"Bin klar für ein Verbot von Tangotanzkursen in Deutschland. Das, was da so getanzt wird, ist die wahre Demütigung Argentiniens." (User fberg)

"Ich wollte ja nichts dazu schreiben, aber euch ist schon klar, dass das jede Woche in jedem Stadion der Welt genauso passiert? Das ist Fußball!!!! Das gehört dazu, ihr Event-Fans!!!" (Userin Queenofbuildingshit)

"Endlich haben wir das Haar in der Suppe gefunden! Wäre auch einfach zu undeutsch gewesen, sich einfach nur zu freuen." (User Nic Ole)

Trotz vereinzelter, negativer Reaktionen wird jedoch deutlich, dass sich die deutsche Presse weit mehr über den Fall aufregt als die südamerikanische.

Das sind Gauchos

Falls Sie noch nicht wissen, was es mit dem aktuell vieldiskutierten Begriff eigentlich auf sich hat: Als "Gauchos" werden im Allgemeinen Viehzuchtbetreiber in Argentinien, Südbrasilien, Paraguay und Uruguay bezeichnet, die ihre eigene Kultur entwickelt haben. Sie sind sozusagen die "Cowboys" Südamerikas.

maz

Marcella Zulla

E-Mail:info@merkur.de

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