Der Kaiser im Zentrum der Affäre

Grindel: Beckenbauer hat Wissen verschwiegen

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DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel fordert umfassende Aufklärung.

Köln - DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel fordert die Verantwortlichen auf, endlich alles offenzulegen. Besonders Franz Beckenbauer habe noch nicht sein ganzes Wissen geteilt.

DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel hat nach dem Rücktritt von Verbandspräsident Wolfgang Niersbach die lückenlose Aufarbeitung der WM-Affäre gefordert und das damalige Organisationskomitee unter Vorsitz von Franz Beckenbauer in die Pflicht genommen. „Wir haben die Erwartung, dass alle, die zur Aufklärung des Sachverhaltes der Vorwürfe gegenüber dem OK der WM 2006 beitragen können, dazu auch ihr Wissen offen legen“, sagte Grindel dem MDR: „Dazu gehören vor allem die anderen Mitglieder des Vorstandes des WM-Organisations-Komitees.“

In der Bringschuld sieht Grindel daher die damaligen OK-Vize-Präsidenten Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt, besonders aber Beckenbauer. „Vor allem bei Herrn Beckenbauer haben wir den Eindruck, dass er noch nicht in ganz vollem Umfang sein Wissen vollständig mitgeteilt hat“, erklärte Grindel: „Wir würden uns freuen, wenn er dieses nachholen würde.“

Der 54-jährige Grindel, gleichzeitig Bundestagsabgeordneter für die CDU und stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses, gehört neben Interimspräsident Rainer Koch (56) und DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock (59) zu den aussichtsreichsten Kandidaten auf die Nachfolge Niersbachs.

Am Dienstag hatten die DFB-Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball bestätigt, dass Beckenbauer das von den Ermittlern der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer gefundene Skandal-Dokument, das im Zuge der WM-Affäre 2006 den versuchten Stimmenkauf nahelegt und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) schwer in Bedrängnis bringt, unterzeichnet hat.

Anti-Korruptionsexpertin sieht Franz Beckenbauer im Zentrum der Affäre

Die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk setzt in der WM-Affäre auf Erkenntnisse durch Aussagen von Franz Beckenbauer. Der OK-Chef der WM 2006 sei „der Dreh- und Angelpunkt“, sagte Schenk dem SID am Rande einer Podiumsdiskussion Thema „Olympia in Hamburg - Lohnendes Investment oder finanzielles Vabanque-Spiel?“ mit Blick auf die Aufklärung.

Beckenbauer müsse, so die Juristin von Transparency International weiter, „nach allem was wir bisher gehört haben, wissen, für was die 6,7 Millionen Euro ursprünglich verwendet wurden und ob es möglicherweise weitere Vorgänge gab, die vielleicht gar nicht mit diesem Geld in Zusammenhang standen“.

Da Beckenbauer vor den vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) beauftragten Ermittlern der Wirtschaftskanzlei Freshfields bereits ausgesagt habe, müsse man nun den Abschlussbericht abwarten, so Schenk: „Wenn er dort alles auf den Tisch gelegt hat, ist das gut.“

Zum Rücktritt von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident am Montag sagte Schenk: „Ich habe Respekt für den Schritt von Wolfgang Niersbach, dass er die politische Verantwortung übernommen hat, aber das darf jetzt nicht heißen, dass alle sagen, da ist einer gegangen und sich zur Ruhe setzen. Die Aufklärung fängt eigentlich erst an.“

Die durch einen Spiegel-Bericht geschürten Zweifel an der Neutralität der Kanzlei, die demnach den wegen Korruption lebenslang gesperrten Katarer Mohamed Bin Hammam bei seiner vergeblichen Kandidatur für die Präsidentschaft beim Weltverband FIFA beraten haben soll, teilt Schenk indes nicht: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die etwas unterdrücken angesichts der Gemengelage. Sie haben deutlich gesagt, dass sie mit Bin Hammam und Vorgängen um die WM 2022 nichts zu tun hatten. Wenn das zutrifft, ist das aus meiner Sicht in Ordnung.“

SID

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