Gewinner, Verlierer und Ausblick auf 2016/17

Hart aber Felix: Meine Bilanz der abgelaufenen Saison

+
Für die tz analysiert Kolumnist Felix Magath immer montags die Lage im deutschen Fußball.

München - Felix Magath analysiert in der tz-Kolumne die Lage im deutschen Fußball. Zum Abschluss der Saison 2015/16 zieht der Meistertrainer seine ganz persönliche Bilanz.

Gewinner der Saison: Die Leistung von Darmstadt 98 darf man getrost als kleines Wunder bezeichnen. Dass ein Aufsteiger zu Beginn einer Saison Punkte holt, liegt auch oft an der herrschenden Euphorie. Aber Darmstadt hat konstant gepunktet und sich so den Klassenerhalt redlich verdient. Dirk Schuster gebührt deshalb der Titel Trainer des Jahres. Was er in den letzten drei Jahren geschafft hat, ist enorm. Erst der Durchmarsch von der Dritten in die Erste Liga, nun der Klassenerhalt. Das alles mit wirklich bescheidenen Mitteln, denn der Kader war sicherlich personell nicht besser als der von Stuttgart und Hannover. Sicherlich weckt dieser Erfolg nun Begehrlichkeiten. Man könnte es Dirk Schuster nicht verdenken, wenn er diese Leistung für sich nutzen würde und ein lukrativeres Angebot annehmen würde. Allerdings passt es zwischen ihm und den Vereinsverantwortlichen sehr, diese funktionierende Konstellation sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Verlierer der Saison: Was sich in Stuttgart abgespielt hat, ist eine einzige Katastrophe. Mit dieser Mannschaft durfte der VfB nie und nimmer absteigen. Aber die Probleme waren hausgemacht. Gleich zweimal wurde auf der Trainerposition ein Fehler begangen. Dass auch Stuttgarts zweite Mannschaft abgestiegen ist und zudem im früher einmal vorbildlichen Nachwuchsbereich nicht viel voran geht, zeigt die strukturellen Probleme des VfB. So schlimm der Abstieg auch ist, immerhin bietet er die Chance zum Neuanfang. Die Mannschaft war nicht so schlecht, der Verein muss sich verändern.

Spieler der Saison: Natürlich waren die Leistungen von Thomas Müller, Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang konstant gut und hochklassig. Aber ein echter Gewinner ist Dortmunds Julian Weigl. Vor einem Jahr spielte er noch bei 1860 gegen den Abstieg in die Dritte Liga, jetzt hat er den Sprung in die Champions League geschafft. Er ist in den internationalen Spielen nicht nur mitgelaufen, er hat viel Arbeit im Mittelfeld verrichtet, ist passsicher, spielt erstaunlich routiniert, gewinnt wichtige Zweikämpfe. Und das mit gerade einmal 20 Jahren. Daher kann man davon ausgehen, dass Julian Weigl ein Spieler ist, der in den kommenden Jahren die Nationalmannschaft auf Kurs halten wird. Er wird sicher heute im vorläufigen EM-Kader von Joachim Löw auftauchen. Durch den Ausfall von Ilkay Gündogan und die Zweifel an der Fitness von Bastian Schweinsteiger ist er eine gute Alternative für den Bundestrainer auf der Sechser-Position.

Ausblick auf 2016/17: Die Bundesliga verliert mit Hannover und Stuttgart zwei Traditionsvereine mit großem Zuschauer-potenzial. Aber nicht nur deshalb ist die Liga auf dem Weg, sehr viel Mittelmaß zu produzieren. Wenn die DFL internationale Bedeutung mit dem Produkt Bundesliga erreichen will, reicht es nicht, nur die Bayern zu haben, die als einzige Mannschaft Chancen auf einen Titel hat. Und Attraktivität einer Liga bedeutet nicht, dass am Ende noch zwei, drei Mannschaften absteigen können und die Fans am letzten Spieltag etwas mitfiebern können. Auch das Schneckenrennen um die internationalen Plätze macht nicht gerade Mut für die kommende Europapokal-Saison. Zu einer attraktiven Liga gehört ein spannendes Meisterschaftsrennen und heiße Duelle, aber nicht so viele gähnend langweilige Spiele wie in der abgelaufenen Saison. Da die Bayern sich jetzt schon wieder sehr gut verstärken, kann ihnen bereits zum nächsten Meistertitel gratuliert werden. 2017 bekommen sie die Schale zum fünften Mal in Folge.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
Schmutzige Geldgeschäfte von Ronaldo, Özil und Co. enthüllt
BVB: "Sahnehäubchen" Gruppensieg - oder lieber nicht?
BVB: "Sahnehäubchen" Gruppensieg - oder lieber nicht?
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
FC Barcelona gegen Real Madrid: So endete der Clasico
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer
Britischer Fußballskandal: 350 mutmaßliche Missbrauchsopfer

Kommentare