Hoeneß: Jetzt zählen wir zu den Größten!

Madrid - Uli Hoeneß sieht den FC Bayern nach dem zweiten Einzug in ein Finale der Champions League innerhalb von 24 Monaten unter Europas Topteams etabliert.

Als Bastian Schweinsteiger um exakt 23.12 Uhr den entscheidenden Elfmeter verwandelte, wurde aus der „Hölle Bernabeu“ für Bayern München der siebte Himmel. Die Spieler tanzten völlig losgelöst über den Rasen und erdrückten ihren Helden Manuel Neuer vor Freude fast. Auf der VIP-Tribüne platzte Uli Hoeneß, der zuvor einem Herzinfarkt nahe schien, fast vor Stolz und umarmte so ziemlich jeden, der ihm gerade über den Weg lief.

Nach dem 3:1 im Elfmeterschießen (1:2 n.V.) bei Real Madrid, das den großen Traum vom „Finale dahoam“ am 19. Mai gegen den FC Chelsea wahr werden ließ, war die Münchner Glückseligkeit perfekt. Spieler und Verantwortliche des deutschen Rekordmeisters ergingen sich nach dem Triumph über Jose Mourinho und dessen Königliche in Superlativen, die sich zwischen „magisch“, „fantastisch“, „herausragend“ und „historisch“ bewegten.

„Der FC Bayern gehört eindeutig zu den Großen der Welt“, betonte Hoeneß nach dem „Nervenkrieg“ von Madrid und bedankte sich übervoll mit „purer Freude“ bei denen, die den seit zwei Jahren währenden Traum des Klubs und vor allem seines Präsidenten vom Finale in der eigenen Arena wahr gemacht hatten. „Man kann der Mannschaft und dem Trainer nicht genug danken, dass sie diesem unglaublichen Druck standgehalten haben“, sagte Hoeneß.

Für Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist der neunte Einzug ins Endspiel des wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs sogar „das Intensivste und Emotionalste gewesen, was ich beim FC Bayern bisher erlebt habe. Solche Spiele gehen in die Geschichtsbücher des Fußballs ein“, sagte er bei der Bankett-Rede im noblem Westin-Palace-Hotel, wo die müden Stars kurz nach 1.00 Uhr nachts von rund 500 Edel-Fans mit Standing Ovations gefeiert wurden.

Die Gefühlslage der Spieler, die die Party-Nacht individuell ausklingen ließen und am Donnerstag mit kleinen Augen, aber umso breiterem Grinsen in den Flieger stiegen, brachte Schweinsteiger auf den Punkt: „Wir sind alle tot, aber überglücklich.“ Er könnte damit auch Hoeneß gemeint haben, denn der Präsident war nach 120 dramatischen Minuten mit den Nerven bereits am Ende. Als nach Toni Kroos auch Philipp Lahm im Elfmeterschießen verschossen habe, „habe ich gedacht, ich sterbe. Ich habe da oben gezittert“, sagte Hoeneß nach dem „Wahnsinn“.

Selbst Bundestrainer Joachim Löw konnte sich der Faszination des Giganten-Duells, das für die Bayern mit zwei frühen Gegentoren durch Superstar Cristiano Ronaldo (6./Handelfmeter und 14.) katastrophal begonnen hatte, nicht entziehen. „Das war außergewöhnlich und ein tolles Erlebnis. Die Bayern haben eindrucksvoll bestätigt, dass sie zu den besten Teams in Europa zählen“, sagte er.

Es war in der Tat eindrucksvoll, wie sich die Münchner vom Rückstand, aber auch von der hitzigen Atmosphäre im Bernabeu nicht beirren ließen. Belohnung war das 1:2 durch einen von Arjen Robben verwandelten Foulelfmeter (27.). Das Hinspiel-Ergebnis war egalisiert, danach wurden die Bayern ihrem Ruf als eine „bestia negra“ von Real mal wieder gerecht.

„Die Mannschaft hat Unglaubliches geleistet. Das war Fußball auf allerhöchstem Niveau“, lobte Hoeneß nach „dem Spiel der Spiele“. Sogar Mourinho kam hinterher in die Bayern-Kabine und gratulierte, was Sportdirektor Christian Nerlinger als „große Geste“ einstufte und Trainer Jupp Heynckes, der 1998 mit Real schon einmal die Champions League gewonnen hat, „mächtig stolz“ machte: „Wir haben gezeigt, dass wir eine große Mannschaft haben.“

dpa

Rubriklistenbild: © Getty

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