Hoeneß für 25 Minuten in der Bayern-Kabine

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Uli Hoeneß

München - Nach der Pokal-Blamage löst sich der FC Bayern München so langsam aus seiner Schockstarre und richtet den Blick auf das große Finale in der Champions League. Uli Hoeneß hatte am Montag Gesprächsbedarf.

Beim Weg zum Training dürften den gedemütigten Stars von Bayern München die riesigen Plakatwände nicht entgangen sein: „Pack ma's“ und „Mia san mia“ ist in der ganzen Stadt zu lesen. Das „Finale dahoam“-Fieber hat München trotz des Pokal-Debakels gepackt. Auch die von Borussia Dortmund beim 2:5 entzauberten und vom eigenen Vorstandschef hart kritisierten Bayern-Profis lösen sich langsam aus ihrer Schockstarre und richten den Blick auf das große Endspiel am Samstag (20.45 Uhr/Sky und Sat. 1) gegen den FC Chelsea.

Beim Training am Montag wurde schon wieder das eine oder andere Mal gelacht - nach dem Motto: Jetzt erst recht. Dies dürfte auch Präsident Uli Hoeneß den Spielern noch einmal eindringlich vor Augen geführt haben, als er für rund 25 Minuten im Kabinentrakt verschwand.

Luxus pur: Das Trainingszentrum des FC Bayern

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Eigentlich war das Training für 10 Uhr angesetzt - doch da kam Hoeneß dazwischen. Er fuhr mit seinem Audi vor und verschwand in der Kabine bei den Spielern. Die Einheit begann erst gegen 10:25 Uhr.

Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger forderte anschließend von seinen Kollegen, „dass wir Stärke zeigen und zusammenstehen müssen“. Schon in Berlin habe man einen entsprechenden „Schwur“ geleistet, verriet Arjen Robben. Dennoch richtete auch Spielführer Philipp Lahm einen deutlichen Appell an die Mannschaft: „Wir müssen uns aufrichten und das Dortmund-Spiel schnell vergessen.“

Dies rät auch Ex-Keeper Oliver Kahn, der mit seiner Einstellung „weiter, immer weiter“ oft genug Erfolg hatte: „Am besten, man verdrängt das. Sie müssen die Löschtaste betätigen und sich total darauf konzentrieren, was sie jetzt erreichen können. Die Champions League zu gewinnen, das steht über allem.“

Nur so können die Bayern ihre Saison noch retten, die bisher in der Liga und im Pokal enttäuschend verlaufen ist. Entweder es steht am Samstag der größte Triumph der Vereinsgeschichte - oder die erfolgsverwöhnten Münchner werden als Vize-Bayern in Anlehnung an „Vizekusen“ (2002) zum Gespött der Nation.

Doch soweit soll es nicht kommen. „Das Champions-League-Finale ist längst nicht verloren. Und ich mag mir nicht vorstellen, dass der FC Bayern am Ende ohne Titel dasteht“, schrieb „Kaiser“ Franz Beckenbauer in seiner Bild-Kolumne. Dies will sich auch Superstar Franck Ribery vor dem „wichtigsten Spiel meiner Karriere“ nicht ausmalen. Entsprechend kämpferisch gibt sich der Franzose. „Wir werden alles geben. Wenn wir gewinnen, ist alles gut.“

Und damit sie gewinnen, sprechen sich die von Dortmund erneut vorgeführten Bayern Mut zu. „Wir haben in der Champions League bisher herausragende Leistungen gezeigt. Wir haben zuletzt den spanischen Meister besiegt. Am Samstag können wir die Saison krönen. Das Finale überstrahlt alles“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. „Ich bin fest davon überzeut: Wir können das schaffen. Wenn nicht im eigenen Stadion - wann dann?“, ergänzte Schweinsteiger.

Der Druck ist auf jeden Fall riesig, nicht erst seit Samstag, als auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge seine Profis ins Gebet genommen hatte. „Ich verlange von der Mannschaft, dass mit Leidenschaft und Wille und auch mit der Aggressivität gespielt wird, um einen Gegner wie Chelsea zu besiegen“, sagte Rummenigge.

Geht es nach Ex-Kapitän Stefan Effenberg, 2001 mit den Bayern Champions-League-Sieger, müsse jetzt ohnehin „nicht mehr viel“ geredet werden. „Wenn du jetzt noch jemanden motivieren musst, dann läuft etwas total falsch“, sagte der Sky-Experte. Und die Pleite gegen Dortmund? „Raus damit aus den Köpfen. Was Größeres als die Champions League gibt es jetzt nicht“, sagte der frühere „Cheffe“ und fügte mit einem Schmunzeln an: „Da wäre ich gerne noch einmal Spieler.“

Einen Effenberg, beim letzten Triumph zusammen mit Kahn die Führungsfigur der Bayern schlechthin, könnte der Rekordmeister gegen Chelsea gut gebrauchen. Vor allem der lange Zeit verletzte Schweinsteiger wurde im Pokal-Finale seinem Anspruch wieder einmal nicht gerecht.

Entsprechend nimmt ihn Effenberg auch in die Pflicht. Auf die Frage, ob dies für den Mittelfeldspieler nun der „ultimative Test“ als Führungsspieler sei, antwortete er: „Ja. Irgendwann musst du da sein und die Mannschaft führen. Auf ihm ruhen die Hoffnungen.“ Nach seiner Verletzung habe Schweinsteiger „jetzt keine Zeit mehr. Er muss funktionieren. Ich bin aber gespannt, ob er das Tempo halten kann. Er muss intelligent und clever spielen.“

Dass nicht nur Schweinsteiger gegen die erfahrenen Engländer die Wende gelingt, davon ist Bundestrainer Joachim Löw überzeugt: „Ich bin sicher: Sie zeigen gegen Chelsea eine Riesen-Reaktion - und werden die Saison mit einem Titel krönen. Sie haben die Mentalität, zurückzukommen.“ Pack ma's.

sid

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