RTL-Experte übt Kritik

Lehmann: "Habe bei Götze das Gefühl, dass er nichts macht"

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Mario Götze (r.) spielte gegen Norwegen als Sturmspitze – aber glücklos.

München/Oslo - Jens Lehmann beklagt, dass seit dem WM-Titel 2014 Stillstand im DFB-Team herrsche. Das Ziel seiner Kritik: Bundestrainer Joachim Löw und Mario Götze.

Vor einem Jahr hatte Jens Lehmann für Wirbel im Lager der deutschen Nationalmannschaft gesorgt. Nach dem 3:1-Sieg gegen Polen und vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland hatte der RTL-Experte das zu langsame Umschaltspiel kritisiert. Nach der öffentlichen Replik von Joachim Löw musste Lehmann seine Kritik dann relativieren. Am Sonntag nun vor dem Spiel in Norwegen schien der 46-Jährige entschlossen, ein neues Fass aufzumachen.

„Seit der WM herrscht Stillstand“, kritisierte der WM-Dritte von 2006. „Auch die EM war eine Enttäuschung. Denn wir haben doch Superspieler.“ Zumindest, wie am Sonntag bei Thomas Müller gesehen, auf einigen Positionen – weshalb Lehmann nach dem Spiel wieder etwas milder gestimmt war. „Es gibt immer etwas zu meckern, nach einem 3:0 allerdings nicht so viel. Aber um die Mannschaft weiterzuentwickeln, braucht Jogi Löw noch Zeit.“ Vor allem, was das Spieltempo betrifft, sieht Lehmann noch deutlich Luft nach oben: „Wenn Thomas Müller mal schnell spielte, wurde es gefährlich. Aber viele halten den Ball zu lange. Und manchmal fällt die Mannschaft in diesen Ballbesitzfußball zurück.“

Lehmann versteht Löws Personalpolitik nicht

Jens Lehmann.

Die Personalpolitik des Bundestrainers versteht Lehmann nur bedingt. „Brandt, Meyer, Weigl, Bellarabi – warum waren die nicht schon bei der EM dabei?“, fragte der RTL-Experte, der sich von Löw „neue Impulse“ erhofft hatte. Und dann war da noch die Personalie Mario Götze, der in der Spitze ranmusste (Mario Gomez stand ja noch nicht zur Verfügung), wieder nicht glücklich agierte und nach gut 70 Minuten rausging. „Das mit Götze ist problematisch“, so der Ex-Schalker und -BVBler Lehmann. „Für Dortmund war er nicht fit, aber wann ist er mal richtig fit?“ Das Fazit des RTL-Experten: „Bei Mario Götze habe ich das Gefühl, dass er nichts macht.“ Die Frage sei jedoch nicht ,Götze oder nicht Götze’, sondern laut Lehmann grundsätzlicher Natur. Deutschland habe „hervorragende Mittelfeldspieler“ aber bei der Ausbildung von Stürmern gebe es Defizite. Jan Age Fjörtoft, 71-maliger norwegischer Nationalstürmer und Berater des Teams, stimmte Lehmann da zu: „Wo ist die Nummer neun, man braucht diesen Typ“, sagte der 49-Jährige. „Aber das ist ja international ein Problem. Arsenal sucht auch einen solchen Spieler.“

Bilder: Deutschland souverän - einer bekommt Note 1

Lehmann: Darum sollte Manuel Neuer nicht Kapitän sein

Ansonsten markierte das Spiel in Oslo ja nicht nur den Beginn der deutschen Qualifikation zur WM 2018 in Russland sondern auch Spiel eins nach der Ära von Kapitän Bastian Schweinsteiger. Lehmann sieht Manuel Neuer „prädestiniert“ für das Kapitänsamt. „Er hat einen tollen Charakter und keine Skandale.“ Der Ex-Keeper, der selber auch mal die Binde im Nationalteam trug, findet allerdings, dass eine Nummer eins nicht notwendigerweise eine gute Wahl für diese Funktion sei. „Die optimale Position wäre die des defensiven Mittelfeldspielers, denn er stellt die Verbindung zwischen der Offensive und der Defensive her.“

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