"Möchte Spieler, die sich auf Fußball konzentrieren"

Löw streicht Kruse aus DFB-Aufgebot

Max Kruse
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Nicht im Kader für die kommenden Testspiele: Wolfsburgs Max Kruse.

Wolfsburg - Bundestrainer Joachim Löw hat Nationalspieler Max Kruse aus dem Kader der DFB-Elf gegen England und gegen Italien geworfen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

81 Tage vor EM-Start strich Löw den 28 Jahre alten Stürmer vom VfL Wolfsburg wegen seiner Auftritte im Berliner Nachtleben und wiederholter Undiszipliniertheiten aus dem Aufgebot der Fußball-Nationalmannschaft für die Länderspiele am Samstag in Berlin gegen England (20.45 Uhr/ZDF) und drei Tage später in München gegen Italien.

„Max hat sich zum wiederholten Male unprofessionell verhalten. Das akzeptiere ich nicht“, begründete Löw sein hartes Durchgreifen. Schon vergangene Woche habe er Max Kruse klar gesagt, „was ich von ihm erwarte, sowohl auf als auch neben dem Platz. Ich möchte Spieler, die sich auf den Fußball und die EM konzentrieren, auch zwischen den Spielen. Der Vorfall am zurückliegenden Wochenende widerspricht meinen Erwartungen.“

Löw: "Brauchen Spieler, die fokussiert sind"

Die Suspendierung betrifft zunächst die beiden bevorstehenden Länderspiele - doch eine Teilnahme Kruses an der EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) scheint ausgeschlossen. „Die Europameisterschaft im Sommer wirft ihre Schatten voraus, dort haben wir mit der Nationalmannschaft große Ziele. Wir brauchen Spieler, die fokussiert und konzentriert und sich auch ihrer Vorbildrolle bewusst sind“, sagte Löw. Schon 2014 soll er Kruse aus disziplinarischen Gründen nicht mit zur WM nach Brasilien genommen haben.

Den neuerlichen Fehltritt soll sich Kruse in der Nacht zu Sonntag morgens um 2.00 Uhr in einem Berliner Klub geleistet haben. Der Fußball-Profi habe sich am Rande der Feier seines 28. Geburtstags eine Auseinandersetzung mit einer Reporterin geliefert, die ihn auf der Tanzfläche fotografieren wollte, berichtete Bild.

„Natürlich war ich irgendwann genervt und habe dann vielleicht etwas unpassend reagiert“, sagte Kruse. Der ehemalige Gladbacher habe laut Bild der Journalistin das Handy aus der Hand genommen und die betreffenden Bilder gelöscht. Kruse habe den Vorfall in einem persönlichen Gespräch mit der Reporterin ausgeräumt, hieß es. Kruses Berater war zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

Abstimmung mit Allofs und Hecking

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff betonte, dass die Entscheidung der DFB-Spitze in Abstimmung mit den VfL-Verantwortlichen getroffen worden sei. „Wir waren auch ständig in Kontakt mit dem VfL Wolfsburg und haben uns eng mit Klaus Allofs und Dieter Hecking abgestimmt“, sagte Bierhoff.

Wolfsburg-Manager Allofs kritisierte das Verhalten des Angreifers harsch. „Das ist ein Lebenswandel, den er so nicht weiterführen kann. Er hat der Mannschaft und dem Verein mit seinem Verhalten einen Bärendienst erwiesen“, sagte er der Sport Bild: „Wir haben ihm bei der Verpflichtung ganz klar umrissen, dass wir derartige Schlagzeilen nicht wollen.“

Kruse war erst vor einer Woche vom VfL wegen eines nächtlichen Ausflugs nach Berlin und dessen Begleitumstände zu einer saftigen Geldstrafe über 25.000 Euro verdonnert worden. Der 14-malige Nationalspieler soll am 18. Oktober 2015 in den frühen Morgenstunden bei einem Berlin-Besuch 75.000 Euro in einem Taxi liegen gelassen haben.

Gestandene Nationalspieler im Kader

Auch wegen des Vorfalls mit Kruse will Löw seinen EM-Kandidaten in dieser Woche vor dem Länderspiel in Berlin besonders ins Gewissen reden. „Wir haben einen größeren Kader nominiert, um mit den Spielern zu sprechen, was wir erwarten“, sagt der WM-Macher im SID-Interview. Und das ist neben tadellosem Verhalten vor allem: Leistung.

Löw, der schon in der Personalie Kevin Großkreutz zuletzt hart durchgegriffen hatte, setzt bei den Länderspiel-Klassikern gegen England und Italien verstärkt wieder auf gestandene Kräfte wie die Rio-Helden Bastian Schweinsteiger und Mario Götze. Die Jugend muss indes noch warten. „Aber die Tür“ zur Euro in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli), betont Löw im SID-Interview, ist auch für Youngster wie Joshua Kimmich oder Leroy Sane „offen“ - für Kruse ist sie hingegen wohl endgültig geschlossen.

sid

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