Jetzt reicht ein Punkt aus zwei Spielen

Löw stolz: "Wenn wir Zeit haben, wird es gut"

Glasgow - Das EM-Ticket hat Fußball-Weltmeister Deutschland nach dem 3:2 in Schottland so gut wie sicher. So konnte Bundestrainer Joachim Löw auch die vermeidbaren Gegentore verschmerzen.

Joachim Löw bestieg mit einem zufriedenen Lächeln den Sonderflug LH 343 in Glasgow, Wolfgang Niersbach freute sich derweil schon über die praktisch perfekte EM-Teilnahme. Nach 90 turbulenten Minuten gegen aufopferungsvoll kämpfende Schotten und 50.000 heißblütige Fans waren der Fußball-Bundestrainer und der DFB-Präsident stolz auf ihre eigenen Bravehearts um Tor-Phänomen Thomas Müller.

„Diese Woche hat mir erneut die Überzeugung gegeben: Wenn wir ein bisschen Zeit haben, dann wird es gut“, sagte Löw nach dem 3:2 (2:2) im Hampden Park. Dieser vermeintlich lapidare Satz trug die Überzeugung eines Weltmeisters und sollte wohl auch als beruhigende Botschaft an das zuletzt zweifelnde Fußball-Volk dienen. In einer Woche hatte sich das DFB-Team nämlich nicht nur die vom Bundestrainer geforderten sechs Punkte aus zwei Spielen und die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe D gesichert - sondern nach einem im WM-Rausch taumelnden Jahr auch den unerschütterlichen Glauben an sich selbst zurückgewonnen.

„Ich bin sehr zufrieden, weil wir mit ziemlicher Sicherheit bei der EM dabei sind“, gab Verbandsboss Niersbach zu Protokoll und auch sein Chefcoach hat keine Zweifel an der EM-Teilnahme. „Die Ausgangsposition ist sehr, sehr gut“, erläuterte er. Schließlich reicht in Irland am 8. Oktober ein Punkt, um auch die letzten rechnerischen Zweifel zu beseitigen. „Aber mit einer solchen Zielsetzung gehen wir nie ins Spiel“, versicherte Löw: „Wir wollen in Irland gewinnen und alles klarmachen.“

Gezweifelt habe er sowieso nie, beteuerte Löw: „Ich war jederzeit überzeugt, dass wir die Qualifikation schaffen.“ Er sei aber auch überrascht davon, „wie schnell die Mannschaft Dinge umsetzt, wenn fast alle dabei sind. Schon nach drei oder vier Trainingseinheiten klappen viele Dinge. Das ist eine Stärke dieser Mannschaft.“

Niersbach freute sich derweil über die Rückkehr von ein klein wenig weltmeisterlichem Glanz. Ihm ging vor allem das Herz auf, weil „wir elf Fußballer auf dem Platz haben, die alle wunderbar mit dem Ball umgehen können“. Und die Aufforderung der Schotten zum Kampf entschlossen, aber doch auch abgezockt annahmen.

Die beiden dummen Gegentore konnten Löws Freude deshalb ebenso wenig mindern wie die Erkenntnis, dass auch Emre Can das Problem in der Rechtsverteidigung nicht auf Anhieb lösen kann. „Sorge muss mir dieses Spiel bestimmt nicht machen“, äußerte der 55-Jährige mit demonstrativer Gleichgültigkeit. Die Schotten hätten schließlich „nicht eine Chance aus dem Spiel heraus gehabt“.

Das Eigentor von Mats Hummels (28.) und der zweite Gegentreffer durch James McArthur (43.) legten zwar den Eindruck nahe, dass das Gebilde noch extrem fragil ist. Doch selbst die Schotten gestanden anschließend ein, dass eine Überraschung eigentlich nie wirklich in der Luft lag. „Deutschland hatte auf jede Frage eine Antwort und gezeigt, dass es immer einen Gang hochschalten kann, wenn es nötig ist“, schrieb die Zeitung Scotsman.

Genau dieses kühle Herz in heißen Momenten, gepaart mit der individuellen Klasse einiger Stars gibt Löw den Eindruck, wieder vollkommen in der Spur zu sein. Dabei hatte er den Sieg in Glasgow letztendlich vor allem der Effizienz Müllers zu verdanken, der zwei Treffer im Stile eines echten Torjägers selbst erzielte (18./34.) und das Siegtor von Ilkay Gündogan (54.) mustergültig vorbereitete.

„Thomas hat ein wahnsinnig gutes Gefühl für Situationen“, sagte Löw über Bayern-Star Müller, der die Schotten schon beim 2:1 im Hinspiel mit zwei Treffern fast im Alleingang besiegt hatte und nach fünf Pflichtspielen dieser Saison bereits acht Tore auf dem Konto hat: „Er schleicht sich in Räume und wappnet sich dort schon für Abpraller. Er riecht einfach, wohin der Ball geht. Das kann man nicht lernen, das hat Thomas irgendwie im Blut.“

Die Selbstverständlichkeit scheint bei allen zurück nach dieser Woche im „heißen Herbst“.

SID

Rubriklistenbild: © dpa

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