Nur Unentschieden

Jogis B-Elf: Was für ein müder Kick gegen Polen

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Deutschlands Shkodran Mustafi (u) und Polens Arkadiusz Milik kämpfen neben Christioph Kramer um den Ball.

Hamburg - Im Testspiel gegen Polen ist die deutsche Nationalmannschaft am Dienstag in Hamburg nicht über ein müdes Unentschieden hinausgekommen. Reaktionen und die Einzelkritik.

Das hatte mit WM noch nichts zu tun: Zwar sicherte das jugendliche Ersatzteam von Joachim Löw im 18. Länderspiel gegen Polen die Serie ungeschlagener Spiele in dieser Saison, doch Aufschlüsse für seine in einem Monat beginnende Titel-Mission in Brasilien konnte der Bundestrainer aus dem faden 0:0 in Hamburg nicht ziehen. Von den zahlreichen Länderspiel-Neulingen konnte sich am Dienstag vor 37.569 Zuschauern niemand ausdrücklich für den endgültigen WM-Kader aufdrängen.

Der wichtigere Brasilien-Test steht für Löw und sein Trainerteam ohnehin am Samstag im DFB-Pokalfinale in Berlin an, wenn gleich sieben WM-Kandidaten des FC Bayern und sechs von Borussia Dortmund aufeinandertreffen. Vier Tage später geht es zum Trainingslager ins Passeiertal nach Südtirol, ehe am 1. Juni in Mönchengladbach die erste richtige Prüfung für die WM-Mannschaft gegen Kamerun auf dem Programm steht.

Der Einsatz von sieben potenziellen Brasilien-Kandidaten in der Startelf gegen Polen sollte der Leistungsschau der Perspektivspieler den Anstrich eines WM-Tests geben, doch tatsächlich war der Vergleich gegen den Nachbarn mit Blick auf die in 30 Tagen beginnende Endrunde ein Muster ohne Wert. Ganze 13 Länderspiel-Einsätze vereinte die von Joachim Löw auf den Rasen geschickte Elf mit der Rekordzahl von acht Neulingen auf sich, das hatte es in der jüngeren Geschichte der Nationalmannschaft noch nicht gegeben. Ein Novum war auch das Durchschnittsalter von gerade einmal 21,4 Jahren. Im Laufe des Spiels gab Löw sogar allen zwölf eingeladenen DFB-Neulingen Spielpraxis.

Deutschland gegen Polen: Bilder der Gähn-Partie

Deutschland gegen Polen: Bilder der Gähn-Partie

Von dem angekündigten „tollen Fußball“ war nach nur einer gemeinsamen Trainingseinheit wenig zu sehen, dennoch wurde deutlich, dass die zusammengewürfelte Mannschaft von Beginn an versuchte, im Löw-System mit schnellem Umschalten zu spielen. Und einige Fingerzeige erhielt der Bundestrainer auch, obwohl die wenigen Routiniers im Polen-Kader draußenblieben: Lars Bender saß nach seiner Oberschenkelverletzung nicht einmal auf der Bank. Benedikt Höwedes, mit 18 Länderspielen noch der erfahrenste Akteur, nahm zunächst am Spielfeldrand Platz und kam erst nach der Pause aufs Feld.

Antonio Rüdiger, beim VfB Stuttgart als Innenverteidiger gesetzt, machte auf der Außenposition eine gute Figur und hatte die rechte Seite gut im Griff. In der 32. Minute bot sich dem 21-Jährigen sogar die beste deutsche Torchance vor der Pause, als der Kölner Slawomir Peszko seinen Kopfball von der Torlinie schlug. Auch Sebastian Rudy und Christoph Kramer als Doppel-Sechs machten ihre Sache gegen die ebenfalls mit einer B-Elf angetretenen Polen ordentlich und versuchten das Spiel nach vorne zu ordnen.

Jogi muss weiter für WM aussieben

Noch vor dem Nachhauseweg am späten Abend sollten die Akteure erfahren, wer von ihnen an der weiteren WM-Vorbereitung teilnehmen darf. Nach den Absagen an die Stoßstürmer Mario Gomez und Max Kruse sowie der Unsicherheit um die Verfassung von Miroslav Klose stand daher für Löw ein Spieler wie Angreifer Kevin Volland besonders im Fokus. Der Hoffenheimer, dem in dieser Saison elf Bundesliga-Tore gelungen waren, wirkte nervös und fand nur wenig Bindung zu seinen Nebenleuten.

Auch seine Nebenleute brachten das Tor von Artur Boruc in den ersten 45 Minuten kaum einmal in Gefahr. Julian Draxler (13.) mit einem Schuss aus 18 Metern und sein Schalker Clubkollege Leon Goretzka (25.), der zur Pause wegen einer Zerrung in der Kabine bleiben musste, hatten noch die vielversprechendsten Möglichkeiten.

Nach der Pause setzte Maximilian Meyer das erste offensive Achtungszeichen. Den abgefälschten Direktschuss des Schalker Youngsters parierte Boruc aber ohne Mühe (58.). Sechs Minuten vor dem Ende verpasste der eingewechselte Andre Hahn aus kurzer Distanz das mögliche 1:0.

Reaktionen zum Länderspiel

Kevin Volland: „Die Polen haben es nicht schlecht gemacht. Deswegen war es ein bisschen schwer.“

Max Meyer: „Ich bin überglücklich, dass ich mein erstes Länderspiel gemacht habe. Es hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht.“

Julian Draxler: „Wenn man mit 20 Jahren Kapitän ist, dann sagt das alles über die Besetzung, die wir heute hatten. Aber ich denke, dass es die Jungs ganz ordentlich gemacht haben.“

Shkodran Mustafi: „Wir haben das heute ganz gut gemeistert, auch wenn wir eine sehr junge Mannschaft auf dem Platz hatten.“

Die Spieler in der Einzelkritik

Zieler:  Die Nummer 3 für die WM war als Ruhepol ohne Fehler, wurde aber auch nicht geprüft. Löw schätzt die Konstanz des Hannoveraners.

Rüdiger: Als Innenverteidiger rechts hinten zweikampfstark, eng am Mann, sicher in der Luft. Sein Kopfball (32.) wurde noch geklärt.

Mustafi:  Ordnete mit vielen Kommandos die Innenverteidigung, viel physische Präsenz, aber Fehler im Aufbau. Nur theoretische WM-Chance.

Ginter: Löw hat den Freiburger schon längere Zeit auf dem Zettel. Im zweiten Länderspiel lange kein Stabilisator in der Bubi-Defensive.

Sorg: Auf der falschen Abwehrseite mit Unsicherheiten. Stabilisierte sich zwar etwas, unsicher nach vorne. Derzeit nicht sein Niveau.

Kramer: Überraschend dabei, überraschend guter Beginn. Machte Räume eng, war fleißig - ließ aber nach. Über 90 Minuten fehlte Konstanz.

Rudy: Dem ältesten Feldspieler in der Startelf war die etwas größere Erfahrung anzumerken. Abspielfehler schlichen sich ein, tauchte ab.

Goretzka: Bekam sein Lampenfieber nicht in den Griff. Bei Chance (25.) zu spät. Die Aussicht auf Südtirol ist nicht gerade gestiegen.

Meyer: Quirlig, gut im Dribbling, aber zu ungenau beim letzten Pass. Der Schalker war viel unterwegs. Suchte den Abschluss (51./58.).

Draxler: Der Prominenteste konnte als Kapitän erst nach der Pause Regie führen. Holte sich die Bälle hinten. Schwacher Standard (29.).

Volland: Dem Neuling mit der größten WM-Chance war die Nervosität anzumerken. Trat als Eckballschütze in Erscheinung - sonst kaum.

Ter Stegen: Kam zur Pause für Zieler, wurde ebenfalls nicht geprüft. Spielte gut mit nach langem Ball (66.). Zur WM darf er nicht.

Höwedes: Als Rechtsverteidiger im zweiten Spielabschnitt dabei. Kam nicht in Schwierigkeiten, setzte aber auch wenig Akzente.

Hahn: Nervös vom Gedanken an die WM. Eingewechselt vergab erst überhastet (49.), dann klärte Rybus (84.) noch auf der Linie.

Jung: Nach Einwechslung für Volland (70.) auf dem rechten Flügel eingesetzt. Mehr als das Debüt verbuchte der Frankfurter nicht.

Arnold: Für Meyer (76.) gebracht blieb ihm nicht viel Zeit. Wie andere Frischlinge muss der Wolfsburger noch reifen.

Günter: Schnupperte noch acht Minütchen Länderspielluft. Muss sich erst noch weiter in der Bundesliga beweisen.

dpa

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