WM-Gastgeber 2018

Blatter: Bedingungsloses Vertrauen in Russland

FIFA-Präsident Joseph Blatter.
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FIFA-Präsident Joseph Blatter.

Zürich - Joseph S. Blatter vertraut der russischen WM 2018 bedingungslos. Trotz aller Kritik, trotz der drohenden Korruptions-Ergebnisse

Die Lobhudelei des FIFA-Präsidenten wurde extra ins Russische übersetzt - den Rest der Fußball-Welt machte sie sprachlos. Ungeachtet der massiven Kritik vor allem aus Europa hat Joseph S. Blatter dem WM-Gastgeber Russland die „bedingungslose“ Unterstützung für die Endrunde 2018 zugesagt. „Wir vertrauen dem Land und dessen Regierung“, sagte der 78-jährige Schweizer, der im kommenden Jahr auf seinem Thron bestätigt werden will, der Agentur R-Sport. Den Festspielen von Machthaber Wladimir Putin scheint nichts mehr im Wege zu stehen.

Ein Boykott, der laut der Nachrichtenagentur AFP in den vergangenen Wochen von mehreren europäischen Nationen forciert worden sein soll, schloss Blatter erneut kategorisch aus. „Das hat noch nie einen positiven Effekt gehabt“, sagte er: „Russland ist das größte Land der Welt, und wir wissen, dass es unter Beobachtung internationaler Medien steht.“ Der Fußball aber könne Russland „nicht nur vereinen, sondern der ganzen Welt zeigen, dass er stärker ist, als jede Protestbewegung“, meinte Blatter vor der feierlichen Präsentation des WM-Logos am Dienstagabend.

Nach dem höchst umstrittenen Kurs Putins in der Ukraine-Krise waren in den vergangene Monaten auch aus Deutschland große Zweifel an der Endrunde in vier Jahren aufgekommen. Blatter aber verglich die Situation mit den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi, die im Vorfeld aufgrund der unklaren Menschenrechtslage und der Arbeitsbedingungen infrage gestellt worden waren. „Das war die gleiche Situation, aber weder während noch nach den Spielen gab es auch nur ein Wort gegen diese Spiele“, sagte der FIFA-Boss.

Blatter: "Liegen vor im Zeitplan"

Gerade auch wegen der nach außen hin perfekten Organisation im vergangenen Winter wiegt sich der Weltverband in Sicherheit. Erst in letzter Sekunde fertiggestellte Stadien oder Chaos auf den Straßen wie zuletzt in Brasilien wird sich Russland nicht leisten. „Sie liegen vor dem Zeitplan“, sagte Blatter. Auch FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke bescheinigte dem WM-Gastgeber: „Wir sind sehr zufrieden mit den WM-Anlagen.“ Die glänzende Fassade steht.

Einreißen könnten diese Scheinwelt höchstens die Ergebnisse des Ermittlungsberichtes der unabhängigen FIFA-Ethikkommission, die derzeit von der rechtsprechenden Kammer unter Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert begutachtet werden. Anfang November soll eine Entscheidung über den weiteren Umgang mit dem brisanten Material fallen. Ob oder wie die russische WM darin eine Rolle spielt, ist aber völlig offen.

Viel mehr muss die FIFA mit weiterer Kritik zur WM 2022 in Katar rechnen, die laut der inzwischen fast unzähligen Kritiker gar nicht an den Persischen Golf hätte vergeben werden dürfen. Chefermittler Michael J. Garcia hatte sich mit der doppelten WM-Vergabe 2010 befasst, komplett veröffentlicht wird der Bericht aller Voraussicht nach aber nicht.

SID

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