Bundestrainer vor Neustart mit Baustellen

Löw: Keine ewiger "Treue-Bonus" für Podolski

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Der Bundestrainer und sein Problem-Kind: Joachim Löw (r.) mit Lukas Podolski.

Mainz - Bundestrainer Löw nutzt einen Fernsehauftritt zu deutlichen Ansagen vor dem Länderspielstart 2015. Die Spieler dürfen sich nicht mehr im WM-Glanz sonnen - Veränderung heißt die Botschaft.

Update vom 24. März 2015: Nach dem Weltmeisterjahr steht das erste Spiel für die deutsche Nationalmannschaft an. Jogis Jungs müssen gegen Australien ran. Wo das Spiel im TV und im Stream übertragen wird, lesen Sie hier.

Joachim Löw geht mit großem Gesprächs- und Handlungsbedarf in das neue Länderspieljahr. Der Bundestrainer sorgt sich nicht wirklich um eine erfolgreiche EM-Qualifikation, dennoch sieht er beim Nationalteam "vielleicht ein paar Baustellen mehr", als dies bei einem Fußball-Weltmeister zu erwarten wäre.

"Diese Mannschaft, die im letzten Sommer Weltmeister geworden ist, gibt es im Moment nicht. Das war eine einmalige Einheit und eine einmalige Konstellation", sagte der Bundestrainer vor der Zusammenkunft des 23-köpfigen Kaders mit prominenten Rückkehrern wie Kapitän Bastian Schweinsteiger, Holger Badstuber und Ilkay Gündogan an diesem Montag in Frankfurt/Main.

Immerhin 16 Weltmeister hat Löw für das Testspiel am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) in Kaiserslautern gegen Asien-Meister Australien sowie am kommenden Sonntag (18.00 Uhr/RTL) um wichtige EM-Qualifikationspunkte in Tiflis gegen Georgien nominiert. Aber bei seinem Besuch im Aktuellen Sportstudio des ZDF am Samstagabend verdeutlichte der Bundestrainer am Beispiel des formschwachen Lukas Podolski, dass er auch den hochdekorierten Helden von Brasilien keinen Freifahrtschein zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich ausstellen wird.

"Wenn es zu einem Turnier geht, achte ich ganz genau darauf, wer ist in welcher Form, wer hat Spielpraxis. Einen Treuebonus für alle Zeiten gibt es nicht", erklärte Löw.

Mit Podolski hat sich Löw bereits bei einem Treffen an dessen neuem Arbeitsplatz in Mailand intensiv ausgetauscht. Noch steht Löw treu an der Seite des 121-maligen Nationalspielers. Der DFB-Chefcoach rechtfertigte die Einladung des formschwachen Angreifers am Wochenende nochmals: "Lukas hat für Deutschland unheimlich viel geleistet. Da hat er von mir jetzt auch mal volle Unterstützung."

Während des gemeinsamen Aufenthalts in Frankfurt und Tiflis wird Löw weitere wichtige Einzelgespräche führen. Der Bundestrainer kann schließlich endlich wieder auf Kapitän Schweinsteiger bauen, dazu kehren Badstuber und Gündogan nach langer Zeit in den Kreis der deutschen Kicker-Elite zurück. "Holger und Ilkay waren vor ihren Verletzungen Stützen unserer Mannschaft", sagte Löw.

Auch Sami Khedira steht auf der Liste für Vier-Augen-Gespräche. Der Vertrag des Weltmeisters bei Real Madrid läuft aus, unter anderem buhlt Schalke 04 um den 27 Jahre alten Mittelfeldspieler. Über den Verhandlungsstatus wisse er nichts, sagte Löw. Er wisse aber, "dass möglicherweise der Sami auch mit einem Wechsel liebäugelt".

Löw hat mit der eigenen Vertragsverlängerung beim DFB bis zur WM 2018 für Ruhe gesorgt, wie er selbst hervorhob. Für wirklich ruhige Zeiten ist jedoch Erfolg das entscheidende Schmiermittel. Unantastbar sei man als Trainer nie, bemerkte Löw.

Der aktuell dritte Platz in der EM-Qualifikationsgruppe D hinter Polen und Irland würde nicht für das Direktticket nach Frankreich ausreichen. Löw erwartet einen "heißen Herbst", davor gelte es, "die nächsten Spiele gegen Georgien und im Sommer gegen Gibraltar zu gewinnen".

Löw vertraut dabei absolut der Qualität seiner Spieler und der Mannschaft. Trotzdem sieht er Handlungsbedarf beim Umbau und Neuaufbau eines Turnierteams. "Es gibt neue Gesichter, die mit den vertrauten wieder eine Einheit werden müssen", erklärte Löw. Der 55-Jährige betonte zum wiederholten Male die Bedeutung von Veränderungen. "Einen Stillstand darf es nicht geben", mahnte er. Einen "ganz fertigen Masterplan" könne er aber auch zum Start 2015 noch nicht präsentieren: "Innovation dauert ein bisschen."

dpa

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