Bundestrainer geht in Klausur

Kießling bleibt für Löw nur WM-Notlösung

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Bundestrainer Joachim Löw.

Berlin - Das Thema Stefan Kießling steht bei der Klausurtagung der Nationalmannschaftsleitung nicht als wichtigster Punkt auf der Tagesordnung. Ein Sturmproblem sieht der Bundestrainer ohnehin nicht.

Joachim Löw geht in Klausur. Das Thema Stefan Kießling dürfte aber nicht ganz oben auf der Tagesordnung stehen, wenn sich der Bundestrainer ab Dienstag mit seinen engsten Vertrauten abseits der Öffentlichkeit zu Strategiegesprächen zurückzieht. „Demnächst“ wolle er mal ein Gespräch mit Kießling suchen, hat Löw zwar angekündigt. Aktuell aber wird der DFB-Chefcoach in dieser Woche andere Brennpunkte bearbeiten und Freitag seine Kaderpläne für die abschließenden WM-Qualifikationspartien am 11. Oktober in Köln gegen Irland und vier Tage später in Stockholm gegen Schweden offenlegen.

Für Löw, seine Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Chefscout Urs Siegenthaler geht es ungestört von TV-Kameras und Mikrofonen zwei Tage lang vorrangig um die Feinplanung für die beiden letzten Pflichtspiele 2013. Die verletzungsbedingten Ausfälle seiner Topstürmer Miroslav Klose und Mario Gomez stürzen den Bundestrainer nicht in Aktionismus. „Wir haben in allen Qualifikationsspielen generell viele Tore geschossen. Wenn dann von Sturmproblemen die Rede ist, kann ich es nicht ganz nachvollziehen“, betonte Löw in der ARD.

Klose und Gomez sind für Löw klar die ersten Option für die WM im kommenden Jahr. „Wir haben dahinter noch ein paar junge Spieler, Volland und Kruse, die sich ein bisschen in den Vordergrund gespielt haben“, bemerkte Löw zur weiteren Rangfolge. Der Gladbacher Max Kruse war zuletzt schon dabei, für den Hoffenheimer Kevin Volland wäre es die erste Einladung. Ein DFB-Comeback von Leverkusens Toptorjäger Kießling bleibt offenbar nur die Notlösung, falls sich kurz vor dem WM-Turnier in Brasilien die Personalsituation zuspitzen sollte.

Der aktuelle geplante Löw-Besuch beim Champions-League-Spiel am Mittwoch von Bayer gegen Real San Sebastian darf unabhängig von der Kießling-Problematik gesehen werden. Am Dienstag will sich der Führungsstab auch die Partie des BVB gegen Marseille live anschauen.

Bayer-Kapitän Simon Rolfes kann die dauernde Nichtnominierung von Kießling nicht verstehen: Es könne zwar sein, dass der Bundestrainer eine etwas andere Spielauffassung habe. „Aber ich denke auch, dass es hier nicht nur um Spielphilosophie gehen darf, sondern dass auch das Leistungsprinzip eine Rolle spielen muss. Leistung muss belohnt werden, auch in der Nationalmannschaft“, sagte Rolfes bei ran.de.

„Ich lebe schon Jahre damit, dass es Veränderungen und Verletzungen gibt. Am Ende ist es immer so: Was passiert vor einem Turnier in der Vorbereitung. Dann fallen die letzten Entscheidungen“, sagte Löw nochmals allgemein zu seinem Personalkonzept für die WM.

Das trifft auch auf die Innenverteidiger-Frage zu, die von den Fans seit den jüngsten 3:0-Siegen der deutschen Fußball-Nationalelf gegen Österreich und auf den Färöer intensiv diskutiert wird. Von einem Vorsprung von Per Mertesacker und Jérome Boateng, die dabei gespielt hatten, möchte Löw nicht sprechen: „Das will ich nicht sagen. Mats Hummels hat ja mit der EM und danach gut gespielt. Und hat uns dabei immer absolut überzeugt. Er war am Anfang der Saison vielleicht noch nicht ganz mit der Sicherheit ausgestattet.“

Hummels selbst fühlt sich im Nationalteam schlechter bewertet als seine Konkurrenten, will um einen Stammplatz für die WM aber kämpfen. „Ich glaube schon, dass ich mir mein Standing härter erarbeiten musste als andere“, sagte der zuletzt kritisierte Dortmunder im „Kicker“ (Montag). Grundsätzliche Probleme mit dem Bundestrainer sieht Hummels aber nicht: „Unser Verhältnis ist völlig in Ordnung.“

Nach dem noch nötigen Sieg in der WM-Qualifikationsgruppe C könnte auch die Vertragsverlängerung mit Löw und der kompletten Sportlichen Leitung ganz fix gehen. Neben dem Plan, die neuen Kontrakte beim DFB-Bundestag am 24. und 25. Oktober in Nürnberg zu präsentieren, kursiert auch noch die schnelle Variante. Dann würde schon kurz nach der Rückkehr aus Stockholm am 17. Oktober Vollzug gemeldet. An der grundlegenden Einigung gibt es ohnehin kaum noch Zweifel.

Für die Partien gegen Irland und Schweden muss Löw seine Viererkette wie schon zuletzt in Torshavn neu besetzten, da der Dortmunder Marcel Schmelzer wegen eines Muskelfaserrisses im linken Oberschenkel nicht dabei sein kann. Mit Klose hatte der Bundestrainer unmittelbar nach der Fuß-Operation telefoniert. „Wir haben vereinbart, dass wir uns im Laufe der Woche noch einmal austauschen“, berichtete Löw, ergänzte aber gleich: „Wir müssen möglicherweise davon ausgehen, dass er nicht dabei sein wird.“

dpa

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