Green als Hoffnungsträger

Klinsmann denkt schon an WM 2018

Julian Green
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Julian Green hat was drauf, das hat auch Coach Klinsmann gemerkt.

Salvador da Bahia - Nach dem WM-Aus in Brasilien plant US-Trainer Jürgen Klinsmann schon für die Endrunde 2018. Dabei spielt Julian Green eine ganz spezielle Rolle. 

„Die Erfahrungen der letzten Wochen werden helfen, das Team für die nächste Weltmeisterschaft zu formen“, sagte der US-Nationaltrainer nach dem Achtelfinal-Aus in Brasilien und blickte schon weit in die Zukunft. 2018 in Russland, bei der nächsten Endrunde, will der ehemalige Bundestrainer endlich den „schlafenden Riesen“ wecken.

Als der 49-Jährige nach dem 1:2 (0:0) nach Verlängerung gegen Belgien gefragt wurde, ob er dann denn noch Coach der Amerikaner sei, überlegte er nicht lange. „Ich denke, ja“, sagte Klinsmann, dessen Vertrag bis 2018 läuft.

Nur eine Stunde nach dem WM-Aus klang der Wahl-Kalifornier so, als wolle er am liebsten sofort wieder mit der Arbeit beginnen. Vom Gold Cup im nächsten Jahr sprach er, von der Copa America 2016 in den USA, den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro - und natürlich der WM in Russland. Er schwärmte von den „aufregenden, jungen Spielern, die nachkommen“, und der Fußball-Begeisterung, die das Land erfasst habe.

Nach dem „Kampf der Titanen“ (Washington Post) hat der Optimismus des Schwaben viele in seiner Wahlheimat angesteckt. „Amerika hat Talent: Die große Zukunft des Fußballs. Jürgen Klinsmanns Youngster machen Hoffnung“, befand USA Today. Und Präsident Barack Obama, der extra eine Kabinettsitzung vorverlegt hatte, um das Spiel bei einer WM-Party im Weißen Haus live sehen zu können, ließ über Twitter ausrichten: „Wir werden es früher gewinnen, als die Welt denkt.“

Einen Vorgeschmack darauf hatte Julian Green gegeben, der Regionalligaspieler von Bayern München. Den 19-Jährigen, der lediglich drei Minuten Profi-Erfahrung beim deutschen Rekordmeister hat, hatte Klinsmann in der Verlängerung eingewechselt, als alles verloren schien.

Mit einem Traumtor (107.) gab der drittjüngste WM-Spieler seinem Team neue Hoffnung, die sich trotz eines fulminanten Schlussspurts dann aber doch nicht erfüllte. Und er gab einen Ausblick auf das, was in den nächsten Jahren im US-Fußball kommen soll. „Es macht Spaß zuzusehen, wie er wächst“, sagte Klinsmann, der in DeAndre Yedlin (20) ein weiteres Talent eingewechselt hatte.

Ob Green und Co. reichen, künftig die Lücke zu den großen Fußballnationen zu schließen, ist fraglich. „Der US-Fußball hinkt immer noch der Weltklasse hinterher“, befand die Los Angeles Times. Das weiß auch Klinsmann. „Wir versuchen, überall - im Land, außerhalb - Spieler zu entwickeln“, erklärte er, „wir schauen auf alle Amerikaner in der Welt, egal, welche zweite Staatsangehörigkeit sie haben.“

Dafür erntete er auch Kritik. Er ignoriere amerikanische Talente und bringe vor allem Deutsche ins Team, bemängelte der einflussreiche Kolumnist Paul Gardner im Fachblatt Soccer America und fasste zusammen: „Danke, Jürgen. Und Auf Wiedersehen. Es ist Zeit, das sterile Klinsmann-Zwischenspiel zu beenden.“

Es wird aber noch dauern, bis die neue Soccer-Begeisterung in den USA, die am Dienstag mit Zehntausenden beim Public Viewing in den Metropolen und Millionen vor den Fernsehern neue Höhen erreichte, Talente für die Nationalmannschaft hervorbringt. Immerhin ist der Zuwachs im Jugendbereich so groß wie in kaum einem anderen Land, betonte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke in einem Interview mit dem brasilianischen Sender SporTV und sprach von mehr als 20 Millionen Jugendfußballern in den USA.

„Aber es liegt noch viel Arbeit vor uns“, sagte Klinsmann. Auch Überzeugungsarbeit. Wo denn jetzt der Fortschritt sei, wurde der Coach gefragt, vor vier Jahren in Südafrika sei man auch im Achtelfinale nach Verlängerung ausgeschieden. „Das ist euer Job“, antwortete Klinsmann. Und lachte.

SID

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