Domstadt im Ausnahmezustand

Köln feiert Aufstieg - und Podolski mittendrin

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Die Fans des 1. FC Köln feierten den Aufstieg ausgelassen.

Köln - Der fünfte Bundesliga-Aufstieg des 1. FC Köln ließ in der Stadt alle Dämme brechen. Schon drei Spieltage vor dem Saisonende steht der erste Bundesliga-Champion als Meister der 2. Liga fest.

Ein friedlicher Platzsturm, Bierduschen für die Bosse und eine Aufstiegsfeier bis tief in die Nacht: Nach dem fünften Aufstieg des 1. FC in die Fußball-Bundesliga wurde die Stadt zur Partymeile umfunktioniert - und mittendrin die FC-Spieler und ihr Trainer.

Als Peter Stöger gegen 1.30 Uhr an der Bar „Einundfünfzig“ eintraf, wurde er von einer Gruppe Fans lauthals empfangen: „Aufstöger! Aufstöger!“ schallte es über den Hohenzollernring. Der Österreicher musste etliche Foto- und Autogrammwünsche erfüllen, ehe er mit seinen Profis bis zum Morgengrauen in der Bar und später im Club „Flamingo Royal“ das entscheidende 3:1 (0:1) gegen den VfL Bochum feiern konnte.

„Wir sind froh, dass wir es mit der ersten Möglichkeit im eigenen Stadion vor den eigenen Fans geschafft haben. Das war unser Traum“, sagte der frisch geduschte Stöger, der zuvor im Stadion noch nicht einmal eine ordentliche Pressekonferenz hatte abhalten können. Seine Spieler Dominic Maroh und Maurice Exslager hatten den Medienraum gestürmt und ein Zwei-Liter-Bierglas über dem Kopf ihres Trainers geleert.

So verrückt feiert Köln den Bundesliga-Aufstieg

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Auch Sportchef Jörg Schmadtke war nach dem Schlusspfiff nicht trocken geblieben und „mit dem Kölsch sehr zufrieden. Es klebt ein bisschen, aber es geht gut runter“. Auch Patrick Helmes, der „gar keinen Alkohol trinkt“, kündigte an: „Jetzt werden wir zwei, drei Tage richtig die Sau rauslassen.“

Und während der aus London angereiste Edelfan Lukas Podolski bei Facebook stolz vor den feiernden Fans posierte, machte sich Präsident Werner Spinner eilig auf den Heimweg. „Ich klebe und stinke und brauche dringend eine Dusche“, sagte der Präsident nach der „ersten Bierdusche in meinem Leben“ dem SID.

Die Erleichterung, dass die Tore der gebürtigen Kölner Marcel Risse (50.) und Helmes (63.) sowie von Anthony Ujah (80.) nach dem Rückstand durch Danny Latza (42.) den Aufstieg und die Meisterschaft drei Spiele vor Saisonende sicherten, war greifbar. „Es wäre doof gewesen, wenn es sich wie ein ausgelutschter Kaugummi gezogen hätte“, meinte Schmadtke, der wie Spinner nach dem Platzsturm trotz einer Bewährungsstrafe durch den DFB keine harte Strafe befürchtet.

In diesem Moment hatten die rund 50.000 Fans für einen Moment das Motto der Saison vollkommen vergessen. „Ruhig, gaanz ruhig“, hatte Schmadtke in einem regelrechten Mantra-Video via Klub-TV nach einem Pokal-Sieg beim Erstligisten FSV Mainz 05 vorgegeben. „Das steht vielleicht auch ein bisschen für den neuen FC und die Saison, die wir gespielt haben“, sagte er im gemeinsamen SID-Interview mit Stöger über die spontane Aktion.

Für die Bundesliga wird der Kader verbessert, aber nicht komplett umgekrempelt werden. „Ganz chancenlos werden wir nicht sein, aber wir werden noch an den ein oder anderen Schrauben drehen müssen“, sagte Stöger. Seine Wunschliste sei aber „gar nicht so lang“, und „Spieler für 15 oder 20 Millionen können wir uns nicht leisten“.

Klar sei, das versichern der Sportchef und der Coach einhellig, dass die Aufstiegs-Helden einen Bonus haben und die Neuzugänge sich ihren Platz hart erkämpfen müssen. „Wir werden sicher nicht zwölf Neue holen, die für etwas belohnt werden, woran sie keinen Anteil haben“, betonte Stöger.

Die Frage ist, ob das in diesem Jahr zur Ruhe gekommene Umfeld des ersten Bundesliga-Meisters auch im zu erwartenden Abstiegskampf ruhig bleiben wird. „Es kann zunächst nur ein Ziel geben: Drinbleiben“, erklärte Spinner. Und Schmadtke ergänzte: „In den ersten beiden Jahren kann es nur um Stabilisierung gehen, um nichts anderes. Das werden auch unsere Fans verstehen.“

So oder so ist sich Schmadtke sicher: „Wir werden auch noch schwerere Zeiten erleben, aber die Grundsubstanz ist super.“

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