Von Merkur-Sportchef

Kommentar zu Beckenbauer: Das sollte Franz jetzt tun

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Merkur-Sportchef Heinrich Lemer rät Franz Beckenbauer in seinem Kommentar, was er nun tun sollte.

München - Er bekam eine 5,5-Millionen-Zahlung für die WM 2006. Merkur-Sportchef Heinrich Lemer rät Franz Beckenbauer in seinem Kommentar, was er nun tun sollte.

Was man Franz Beckenbauer jetzt wünschen sollte? Beste Genesung zuerst. Dass er sich rasch erholt vom Eingriff am Herz. Und danach, wenn er wieder ganz gesund ist? Dass er sich hinstellt in der Öffentlichkeit – und erklärt, wie das alles so gelaufen ist mit den Millionen im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Dass er damit aufhört, Anwälte mit Erklärungen vorzuschicken, die im Juristendeutsch zu verschleiern versuchen, was nicht zu vertuschen ist: Den wahren Zweck des Flusses der Millionen.

Franz Beckenbauer, kürzlich 71 geworden, blickt auf eine phänomenale Karriere zurück, als Spieler wie als Trainer. Dass seine Laufbahn als Funktionär und Macher – wie sich jetzt herausstellt – nicht ganz so glänzend verlaufen ist, das kann inzwischen auch derjenige mit Händen greifen, der es gut mit Beckenbauer gemeint, ihn immer noch als die Lichtgestalt gesehen hatte. Der aber nun erkennen muss, dass er getäuscht wurde von dem Mann, der nie etwas dagegen hatte, respektvoll Kaiser genannt zu werden.

Wie Beckenbauer als Rentner wahrgenommen werden wird, hat er selbst in der Hand. Das hängt davon ab, ob er lieber schweigt und mauert und sich in Folge dessen weitgehend zurückzieht aus der Öffentlichkeit, weil er spüren muss, dass er nicht mehr „herzeigbar“ ist bei Galas, Benefizturnieren oder auf den Logenplätzen des FC Bayern. Oder eben, ob er reinen Tisch macht. Mit der Staatsanwaltschaft verhandelt, ob das Ermittlungsverfahren wegen der 6,7 Millionen gegen Zahlung einer gewissen Summe eingestellt werden kann. Und ob er die jetzt bekannt gewordenen 5,5 Millionen in irgendeiner Weise zurückführt, vielleicht indem er sie spendet. Leisten sollte er es sich können, nach allem, was man über ihn weiß.

Dann könnte sich Franz Beckenbauer hinstellen vor die Leute und sagen: Ich hab da ein paar Fehler gemacht. Weil ich den Ehrgeiz hatte, die WM unbedingt nach Deutschland zu bringen. Und weil ich nicht sensibel genug dafür war, zu erkennen, dass mein Werbewert für einen „Ehrenamtlichen“ mit 5,5 Millionen doch ein wenig hoch angesetzt war.

Von seinen Anwälten wird der Anstoß zur Einsicht nicht kommen. Sein Management aber sollte Franz Beckenbauer zu diesem Befreiungsschlag raten. Damit seine Karriere auch weiter als eine großartige wahrgenommen wird. Und die Verfehlungen am Ende eben nur als kleine Kratzer.

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