Kontrollausschuss leitet Verfahren ein

Ermittlungen gegen Leverkusens Schmidt und Völler

Roger Schmidt, Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund
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Roger Schmidt legte sich am Sonntag mit den Schiedsrichter-Gespann an.

Leverkusen - Das Verhalten von Trainer Roger Schmidt vom vergangenen Wochenende könnte schwerwiegende Konsequenzen haben. Der Kontrollausschuss des DFB leitet nun erste Ermittlungen ein.

Widerstand gegen die „Staatsgewalt“, Hohn und Spott für das deutsche Schiedsrichterwesen sowie abenteuerliche Verschwörungstheorien: Trainer Roger Schmidt (48) und Sportchef Rudi Völler(55) haben ihrem Arbeitgeber Bayer Leverkusen am Sonntag einen Bärendienst erwiesen - beiden drohen Strafen durch das DFB-Sportgericht.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat am Montag gegen Schmidt und Völler jeweils ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Das Verfahren wird ganz normal geführt, und es wird sicher eine Sanktion geben. Aber welche, das kann ich noch nicht sagen“, sagte der Kontrollausschuss-Vorsitzende Anton Nachreiner bei Sport1 über die Causa Schmidt. Man werde jetzt versuchen „eine schuldangemessene Sanktion zu finden“, so Nachreiner: „Ob das dann als Exempel aufgefasst wird, weiß ich nicht.“

Völler schießt über das Ziel hinaus

Schmidt weiß selbst, dass nach seinem historischen Fehlverhalten während der 0:1 (0:0)-Niederlage der Werkself gegen Borussia Dortmund eine empfindliche Sanktion durch das Sportgericht programmiert ist. „Wenn es eine Strafe im richtigen Maß ist, werde ich sie akzeptieren. Ich werde weiter an mir arbeiten. Aber wenn ich nicht mehr aufstehen soll, um meine Mannschaft zu unterstützen, kann ich auch gleich zu Hause bleiben“, sagte er am Montag bei Sky.

Eine Reaktion vonseiten des DFB in Richtung Völler nach dessen anmaßenden Aussagen über Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) ließ nicht lange auf sich warten. Am Montagnachmittag wurde auch gegen ihn ein Verfahren eingeleitet. Dass er seinen Coach in Schutz nahm, ist Völler hoch anzurechnen, mit seinen Unterstellungen in Richtung des Referees aus Berlin schoss er aber deutlich über das Ziel hinaus.

„Er hat sich ja revanchiert. Deshalb hat er den Elfmeter nicht gepfiffen, obwohl 30.210 Besucher im Stadion und selbst Dortmunds Kapitän Mats Hummels das Handspiel deutlich gesehen hatten“, echauffierte sich „Vulkan“ Völler in Bezug auf ein klares Handspiel des Dortmunders Sokratis in der 71. Minute und fügte sarkastisch an: „Ich glaube nicht, dass Zwayer gesperrt wird.“ Er unterstellte Zwayer zu allem Überfluss auch noch, bewusst aus Verärgerung über das Verhalten der Bayer-Protagonisten den Strafstoß nicht gegeben zu haben.

Schmidt schlug in die gleiche Kerbe. „Ich habe einen Fehler gemacht, mit dem ich meiner Mannschaft geschadet habe“, entschuldigte er sich, um postwendend neues Öl ins Feuer zu gießen: „Der Schiedsrichter hat anschließend einen tausendprozentigen Elfmeter nicht gegeben und so maßgeblich auf das Spiel Einfluss genommen, das ansonsten unentschieden geendet hätte.“ Als der Bayer-Trainer dies sagte, gab es ein vielsagendes Kopfschütteln seines Dortmunder Kollegen Thomas Tuchel.

Zwayer weist Vorwurf zurück

„Ich hoffe nicht, dass es so war“, versuchte Schmidt anschließend seinen Vorwurf an Zwayer zu relativieren, was er im selben Atemzug aber schon wieder verwarf: „Mir fällt keine andere Erklärung dafür ein, warum er den Elfmeter nicht pfeift.“

Zwayer verwahrte sich gegen solche Vorwürfe und räumte seinen Fehler in der Schlussphase ein. „Das ist regeltechnisch ein strafbares Handspiel und ein Strafstoß. Sehr bedauerlich und eine Fehlentscheidung. Aber für mich persönlich nicht wahrnehmbar und auch für den Assistenten aus seiner Position nicht zu sehen“, sagte der 34-Jährige, der zudem sachlich den Tribünenverweis in der 68. Spielminute für Schmidt erklärte.

„Im Regelwerk steht klar, dass, wenn sich ein Spieler oder ein Trainer der Anweisung des Schiedsrichters widersetzt, nach einem Platzverweis oder einem Innenraumverweis den Platz zu verlassen, das Spiel zu unterbrechen oder sogar abzubrechen ist“, so Zwayer. Auf die Nachfrage, warum er nicht zu Schmidt an die Seitenauslinie gelaufen sei, äußerte der Referee: „Ich wäre konditionell sicherlich in der Lage dazu gewesen. Es war aber so, dass Trainer Roger Schmidt ziemlich aufgebracht war. Ich habe es für angebracht gehalten, die Distanz zu wahren.“

Einzigartige Vorfälle in der BayArena

Kurz nach dem 1:0 des BVB durch Pierre-Emerick Aubameyang (64.) hatte Zwayer Schmidt auf die Tribüne geschickt. Der Bayer-Coach, der sich zuvor lautstark beim Vierten Offiziellen über das seiner Meinung nach „irreguläre Gegentor“ beschwert hatte, war aber trotz zweimaliger Aufforderung durch Ersatz-Kapitän Stefan Kießling trotzig wie ein kleines Kind in seiner Coachingzone verharrt und bestand auf eine persönliche Erklärung.

Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel schlägt derweil Alarm. „Wir haben den Tiefpunkt einer leider erheblich negativen Entwicklung erlebt, die mich sehr nachdenklich stimmt“, sagte Fandel auf DFB.de.

Der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission fordert rasche Konsequenzen: „Alle Akteure im Fußball müssen dahin wirken, dass der Profifußball seiner Vorbildrolle wieder mehr gerecht wird. Sonst zerstören wir unsere Fußballkultur.“

sid

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