Salzburg gegen Leipzig

Krach unter Bullen-Brüdern: Was ist los im Mateschitz-Reich?

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Zu nahe an Leipzig? Didi Mateschitz wird daheim in Salzburg kritisiert. 

Leipzig - Was ist los im Mateschitz-Reich? Salzburger Fans begehren gegen Leipziger Bevorzugung auf – Münchner Gesang bei RB.

 Welches Spiel verspricht, das attraktivere zu werden? Von welchem wird die Welt mehr erfahren wollen? Admira Wacker Mödling am Sonntag um 16.30 Uhr in der österreichischen „tipico Bundesliga“ – oder doch RB Leipzig – Borussia Dortmund am Samstag um 18.30 Uhr, auf dem Topspiel-(Sende)platz der deutschen Bundesliga? Klarer Fall: Das Interesse richtet sich auf Leipzig. Auf den jüngeren Fußballspross der österreichischen Red-Bull-Familie. Und wie das so ist, wenn das eine Geschwisterlein mehr Zuwendung erfährt als das andere, kommt es zu Eifersüchtelei.

In dieser Woche hat die Öffentlichkeit erstmals erfahren, dass es überhaupt so etwas wie Verstimmung gibt in der Sportfamilie des Patriarchen Didi Mateschitz. Und sie ist dann auch gleich noch eskaliert. Es begann mit einer Anti-Red-Bull-Tirade des österreichischen Nationalspielers Martin Hinteregger, der Salzburg verließ und sich zum FC Augsburg transferieren ließ. Seine Anklage zusammengefasst: Es zähle nur noch Leipzig, Salzburg werde quasi ausgehungert, wie man gerade wieder in der Qualifikation zur Champions League erlebt habe, in der Salzburg zum bereits neunten Mal scheiterte. Spieler wie Naby Keita, die man dringend benötigt hätte, waren bereits nach Leipzig abberufen worden.

Diese Thematik griff die organisierte Fanszene von Red Bull Salzburg in einem Offenen Brief an Big Boss Mateschitz und die Geschäftsführer ihres Klubs auf. Die Worte könnten klarer nicht sein. „Kein Verständnis haben wir für die Politik eines ,Selbstbedienungsladens Salzburg’. . . Es kann nicht angehen, dass den Salzburgern wichtige Spieler abhanden kommen, weil Leipzig und ein Herr Rangnick einfach ,Bedarf’ haben“. Neun Spieler sind bereits den Weg gegangen von Salzburg nach Leipzig.

"Lachnummer im Klubfußball"

„Ein Herr Rangnick“ – man spürt die Distanz. Vor einem Jahr noch war Ralf Rangnick eine Art Fußball-Supervisor des Konzerns gewesen, hatte bei der Einweihung der Red-Bull-Akademie im Salzburger Ortsteil Liefering die Führung durch die Sektion Fußball (die andere ist Eishockey) abgehalten. Rangnick war für Salzburg und Leipzig zuständig. Dann übernahm er den Trainerjob in Leipzig, führte das RB(Rasenball)-Team in die Bundesliga. Leipzig hat mittlerweile seine eigene Nachwuchsakademie in Betrieb genommen, und Rangnick gibt bei Rasenballsport den Sportdirektor. Darauf konzentriert er sich, Salzburg macht er nicht mehr. Offiziell. Red-Bull-Aussteiger Hinteregger sieht das nicht so: „Rangnick hat auch in Salzburg noch das Sagen. Er hat hier etwas aufgebaut, aber lässt jetzt alles komplett den Bach runtergehen.“

Es ist inzwischen zu einer formellen Trennung von Red Bull Salzburg und RB Leipzig gekommen. In Salzburg verzichtet die Firma nun auf das Bestellungsrecht des Vorstands, zwischen dem Konzern und dem Klub besteht ein Hauptsponsoringvertrag. Das wird auch als Vorsichtsmaßnahme interpretiert, um nicht über die Fair-Play-Regeln der UEFA zu stolpern. Wenn der Mehrheitseigentümer auch als Sponsor auftritt, schaut der Verband genauer hin.

Es geht aber auch darum, eine wesentliche Einschränkung durch die UEFA doch noch aufzuheben. Schon als das Projekt Leipzig sich 2014 anschickte, in die 2. Liga aufzusteigen und den Profibereich, die Deutsche Fußball-Liga (DFL), zu betreten, stellte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert klar: „Wenn eines Tages Salzburg und Leipzig sich für den europäischen Wettbewerb qualifizieen, dann darf nur einer gemeldet werden.“ Eine Sache der Wettbewerbshygiene. Weil Champions und Europa League sich miteinander verzahnen, könnte ein Aufeinandertreffen von zwei Klubs mit gleichem Besitzer nicht ausgeschlossen werden.

Im Eishockey geht man über solch eine Konstellation hinweg. Da sind die beiden Betriebe Red Bull Salzburg und EHC Red Bull München beide in der Champions Hockey League vertreten, sie hätten sogar in der Vorrundengruppe einander zugelost werden können. Ein Match der beiden Teams wäre schwer vorstellbar – schon weil sie durch die Trikotgestaltung mit dem Firmenlogo kaum zu unterscheiden sind.

Personaltransfer (Spieler, Trainer) erfolgte verstärkt in der Richtung von Salzburg nach München, das von Red Bull erst 2013 komplett übernommen wurde. Drei der vier für München eingetragenen Geschäftsführer sind Österreicher, der Server für die EHC-Website steht in Österreich, und wenn in München besondere Spiele anstehen wie das „Hockey-Halleluja“ in der Olympiahalle, rückt aus Salzburg ein Event-Team an. Das Sommertraining erledigte die Münchner Mannschaft zu weiten Teilen in der Akademie in Liefering. In der wurde zuletzt allerdings der Münchner Einfluss gestärkt, indem der EHC mit Helmut de Raaf und Niklas Hede Trainer aus seinem Einflussbereich unterbrachte. 2016 konnte auch München endlich einen Titel liefern, die Deutsche Meisterschaft – was nationale Stärke angeht, hatte Didi Mateschitz an seinen Salzburger Eishockey-Spielern lange die größere Freude.

Das Eishockey-Investment ist jedoch überschaubar im Vergleich mit den Investitionen von Red Bull in Sachen Fußball. Wobei es kurioserweise dem Münchner Eishockey gelungen ist, die Leipziger Fußballszene zu inspirieren. Beim EHC wird auf Schmähungen gegnerischer Fans mit einem „Wir sind Münchner, arrogante Münchner, essen nur bei Schuhbeck und trinken Schampus im P1“ gekontert, bei RB Leipzig heißt es zur gleichen Melodie „Wir sind Schweine, rote Bullenschweine, wir zahlen keinen Eintritt und trinken Champagner statt Bier“.

„Dem permanenten Bashing durch den Rest der Welt ausgesetzt zu sein“, wie die Salzburger Fans in ihrem Schreiben an Mateschitz anmerken, sei das Schicksal, mit dem zu leben man gelernt habe. Doch das schmerze sie weniger als die Einflussnahme von Leipzig, aus der eigenen Familie. „Aktuell sind wir lediglich die Lachnummer im Klubfußball.“

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