Lahm: "Ohne Titel keine Goldene Generation"

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Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger

München - Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm stehen im "Finale dahoam" unter besonderem Druck. Die beiden Bayern-Kapitäne wollen einen großen Titel. Erst dann könne man von einer "Goldenen Generation" sprechen, sagt Lahm.

Eine Goldene Generation - oder eine verlorene? Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger stehen beim „Finale dahoam“ unter besonderem Druck. Die beiden Kapitäne von Bayern München warten in ihrer Fußball-Karriere noch auf einen großen internationalen Titel. Erst der würde das Duo auf eine Stufe mit Legenden des Rekordmeisters wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Oliver Kahn oder Stefan Effenberg hieven. Umso größer ist die Sehnsucht, nach dem Champions-League-Endspiel am Samstag (20.45 Uhr/Sky und Sat.1) gegen den FC Chelsea den silbernen Henkelpott in die Höhe zu stemmen.

„Zu einer großen Ära gehören internationale Titel. Wenn es in den nächsten Jahren, in denen ich dabei bin, nicht mit Titeln klappt, wird man nicht von einer großen Ära oder einer Goldenen Generation sprechen können. Daran lasse ich mich messen“, sagte der 28 Jahre alte Lahm mit aller Deutlichkeit und fügte an: „Wir sind alle in einem sehr guten Fußballer-Alter. Aber wir können nicht davon ausgehen, dass wir alle zwei Jahre in ein Champions-League-Finale kommen. Allzu lange haben Spieler wie Basti und ich nicht mehr...“

Neben Spielführer Lahm und seinem 27 Jahre alten „Vize“ Schweinsteiger warten auch Spieler wie Mario Gomez (26), Manuel Neuer (26), Franck Ribery (29) oder Arjen Robben (28) begierig auf den ganz großen Wurf. „Es wird Zeit. Diese Champions League muss man einmal im Leben gewinnen. Ich war Meister in vier verschiedenen Ländern und habe einige Male den Pokal gewonnen, aber das ist das Größte“, betonte Superstar Robben. Auf die Frage, ob man erst mit diesem Titel ein ganz großer Fußballer sei, antwortete der Vize-Weltmeister: „Ja!“

Gomez allerdings widersprach am Mittwoch. Jeder beim FC Bayern wolle diesen Titel gewinnen, klar. „Aber ob ich mit 60 mal als Golden Boy bezeichnet werde, ist mir so was von egal“, sagte er.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der 1975 (als Reservist) und 1976 mikt dem FCB den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte und 1980 Europameister wurde, verdeutlichte dagegen im kicker, dass ein Spieler internationale Titel brauche, „damit du in den Geschichtsbüchern dick unterstrichen wirst“.

Umso besessener sind die Bayern, diesen Makel endlich zu tilgen. „Daraus ziehe ich eine große Motivation, eben aus der Enttäuschung, die man erlebt hat“, sagte Schweinsteiger. Er sei „fest davon überzeugt: Wir können das schaffen. Wenn nicht im eigenen Stadion - wann dann?“ Dies sei eine „vielleicht einmalige Chance“.

Auch Lahm ist sicher, „dass wir jetzt noch motivierter sind, wir haben uns weiterentwickelt“. Beim verlorenen Finale vor zwei Jahren gegen Inter Mailand (0:2) „haben wir nicht so richtig daran geglaubt“. Dies war bisher aber nicht nur 2010 in der Champions League der Fall gewesen. Lahm und Schweinsteiger waren zudem mit der Nationalmannschaft 2006 im Halbfinale gegen Italien (0:2 n.V.), 2008 im EM-Endspiel gegen Spanien (0:1) und 2010 im Halbfinale erneut gegen Spanien (0:1) jeweils kurz vor dem großen Ziel gescheitert.

Deshalb sei auch vor der EM in Polen und der Ukraine „die Sehnsucht riesig“, so Lahm, endlich wieder einen Titel nach Deutschland zu holen: „Es wäre kein Spieler zufrieden, wenn wir wieder einer anderen Mannschaft den Vortritt lassen müssten.“

Für Ex-Kapitän Oliver Kahn, 2001 mit den Bayern Champions-League-Sieger, seien Lahm und Schweinsteiger nach den vielen Enttäuschungen „jetzt einfach so weit. Ich würde es ihnen von ganzem Herzen gönnen, dass sie diesen Schritt jetzt machen und den großen Titel holen. Sie haben viele zweite Plätze erlebt, viele dritte Plätze.“

Um dies zu ändern, „müssen die Leader am Samstag zu 100 Prozent funktionieren, und zwar von der ersten bis zur letzten Minute“, sagte Stefan Effenberg, der die Bayern 2001 als Kapitän zum Triumph geführt hatte, und nahm Schweinsteiger besonders in die Pflicht.

Auf die Frage, ob dies für den Mittelfeldspieler nun der „ultimative Test“ als Führungsspieler sei, antwortete Sky-Experte Effenberg: „Ja. Irgendwann musst du da sein und die Mannschaft führen. Auf ihm ruhen die Hoffnungen.“ Nach seiner Verletzung habe Schweinsteiger „jetzt keine Zeit mehr. Er muss funktionieren. Ich bin aber gespannt, ob er das Tempo halten kann. Er muss intelligent und clever spielen.“

Vor allem aber erfolgreich, um sich den goldenen Traum endlich zu erfüllen.

sid

Philipp Lahms Traumhochzeit

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